Sauerstoffmangel in Gewässern der Region
Den Fischen geht die Luft aus

Münsterland -

Wegen der Hitzewelle in diesem Sommer sterben in Nordrhein-Westfalen vermehrt Fische in kleineren Gewässern wie Teichen, Tümpeln oder Auffangbecken. Auch die Gewässer im Münsterland sind betroffen. So sieht es derzeit in den verschiedenen Orten aus.

Samstag, 11.08.2018, 12:41 Uhr

Sauerstoffmangel in Gewässern der Region: Den Fischen geht die Luft aus
Feuerwehr und Mitarbeiter des Tiefbaumamts der Stadt Münster versuchten mit Wasserfontänen das Seewasser zu belüften. Gleichzeitig wurden aus einem Schlauchboot die Fischkadaver mit einem Kescher aus dem Aasee herausgeholt. Foto: Matthias Ahlke

Münster

Anwohner und Jogger machten am Donnerstagmorgen das Umweltamt in Münster auf viele tote Fische im Aasee aufmerksam. Geschätzte drei bis fünf Zentner tote Tiere wurden im Laufe des Tages aus dem Wasser geholt – in der Mehrzahl kleinere Weißfische, aber auch Hecht, Zander und Waller. Als Ursache für das Fischsterben nannte Lutz Hirschmann, Gewässerökologe bei der Umweltbehörde der Stadt, den zu geringen Sauerstoffgehalt im See. Der wiederum sei Folge der andauernden Hitzeperiode.

Fischsterben im Aasee

1/18
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke
  • Fischsterben im Aasee Foto: Matthias Ahlke

Um zu überleben, bräuchten Fische eine Sauerstoffkonzentration von sieben Milligramm pro Liter, die sei aber im Verlauf der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf den kritischen Wert von gerade einmal drei Milligramm abgesunken. Am Vormittag rückte die Berufsfeuerwehr Münster an. Die pumpte Wasser aus dem Aasee und spritzte es mit Sauerstoff angereichert wieder zurück. Dringend nötig sei jetzt eine Abkühlung des Wassers, sagte Hirschmann.

Wasservögel

„Das sehr warme Wetter sorgt für einen sinkenden Sauerstoffgehalt in Gewässern“, erklärt Tierärztin Dana Ströse aus Warendorf. Das Wasser werde zu warm für die Fische, die dann erst nach Luft japsen und anschließend ersticken. Wasservögel seien derzeit ebenfalls in Gefahr, erklärt die Tierärztin weiter. In den Gewässern entwickelten sich aufgrund des massiven Algenwachstums Bakterien, die ein Fäulnis-Gift produzieren, durch das Vögel an Botulismus erkranken und schließlich auch verenden können. Gute Maßnahmen für die Tiere seien entweder Frischwasser für die Teiche oder Pumpen, die Sauerstoff einbringen. Zudem sei es wichtig, Tierkadaver zu entfernen, damit das Wasser nicht weiter faule.

...

Ahlen

In Ahlen haben Fische die zurückliegende Hitzeperiode im Langstteich und in der Werse bisher recht gut verkraftet. In der Werse wurde allerdings auch bereits die erste Maßnahme ergriffen: Im besonders gefährdeten Bereich rund um das Rathaus hat die Stadt einen Oberflächenlüfter eingesetzt, der für mehr Sauerstoff in der Werse sorgen soll. Auch in der Ems wird den Fischen sehr warm. Die Lage wird derzeit täglich weiter beobachtet.

Senden

Ehrenamtliche Helfer haben am Mittwoch Fische aus dem austrocknenden Saalmann See in Senden befreiet. Es gelang, einige Karpfen, Brassen und Schleien vor dem Tod zu bewahren. Die Tiere wurden in auf einem Anhänger stehende Becken bugsiert und in die Sendener Schlossgräfte gebracht. Dort sind nach einem Fischsterben vor einigen Jahren Pumpen eingebaut worden, die für Sauerstoffnachschub sorgen.

Coesfeld 

Für den Zustand der Gewässer im Kreis Coesfeld gibt Kreis-Pressesprecher Christoph Hüsing vorerst noch Entwarnung. „Wir stehen in direktem Kontakt mit der Unteren Wasserbehörde, die die Gewässer in ihrem Zuständigkeitsbereich im Blick behält.“ Bisher sei ein größeres Fischsterben noch nicht gemeldet worden. Ändere sich das Wetter allerdings nicht, könne sich die Lage täglich verschlechtern. „Wir sind in Alarmbereitschaft.“  

Warendorf

In Warendorf leiden Fische vor allem im Brinkhaus-Teich, ein Gewässer, das mehr oder weniger sich selbst überlassen ist. Die Fische japsten nach Luft. Die zuständigen Stellen haben reagiert und sich um die Tiere gekümmert. In Sendenhorst geht es vor allem Fischen in den Hardteichen nicht mehr gut. Dort steigt die Wassertemperatur weiter an. Ab etwa 26 Grad Wassertemperatur geht den Tieren  der Sauerstoff aus.

Gronau

Während manches Gewässer unter der anhaltenden Trockenheit und Hitze leidet, geht es der Dinkel im Bereich Gronau und Heek noch ganz gut. Ein Grund: Der Winter war niederschlagsreich, der Grundwasserspiegel ist daher gut gefüllt. „Davon profitiert die Dinkel jetzt“, erklärte eine Sprecherin der für die Dinkel zuständigen Bezirksregierung Münster. Auch die Fische seien derzeit dort nicht in Gefahr.

Greven

Der Ems geht es verhältnismäßig gut“, sagte Hans Kathmann vom städtischen Anglerverein. „Die innerstädtische Strecke ist zwar recht flach, aber selbst dort gibt es tiefere Bereiche, in die die Fische ausweichen können. Gewässer in Greven werden so oft wie möglich kontrolliert, bei der Hitze bestehe täglich die Gefahr, dass der Sauerstoffgehalt schnell absinke. Ehrenamtlich sei das allerdings nicht zu leisten.

Ochtrup

Im Teich im Ochtruper Fischpark sind ebenfalls viele Fische bereits verendet. „Die hohen Temperaturen haben zu einem Sauerstoffmangel geführt“, erklärte Ochtrups Erste Beigeordnete Birgit Stening. Das Gewässer ist „gekippt“. Fauliger Geruch liegt in der Luft. Die Mitarbeiter des Baubetriebshofes rückten zu Beginn der Woche aus, um die Kadaver einzusammeln: etwa 200 Rotaugen und einige Karpfen. Wichtig sei es, die toten Fische schnell aus dem Wasser zu holen. „Wir wollen nicht, dass durch einsetzende Verwesungsprozesse noch weiterer Schaden entsteht“, sagte Stening. Ein ähnliches Schicksal wie den Rotaugen und Karpfen im Teich des Stadtparks widerfuhr auch den Fischen in der Gräfte am Wasserschloss Haus Welbergen. Das ausgedehnte Grabensystem wird vom Gauxbach gespeist. Anders sieht die Lage in Metelen aus. Dort kümmert sich der Angelsportverein Metelen um die Fische und meldet: „Alles okay, keine Probleme.“

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5965204?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Das perfekte Dinner: Nachtisch-Fluch mit Happy End
V.l.: Filippi, Eduardo „Eddi“, Hanni, Gastgeberin Eva und Claus
Nachrichten-Ticker