Brandstifterprozess nach Explosion im Orientladen
Iraker belasten Westerkappelner Brüderpaar schwer

Westerkappeln/Münster -

In dem Brandstifterprozess, bei dem sich unter anderem der Inhaber des ausgebrannten Orientladens im Ortskern von Westerkappeln und dessen Bruder seit Montag verantworten müssen, haben die beiden mitangeklagten Männer das Brüderpaar schwer belastet.

Donnerstag, 23.08.2018, 11:36 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 22.08.2018, 19:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 23.08.2018, 11:36 Uhr
In dem Gebäude im Ortskern von Westerkappeln ist es Anfang Februar zu einem verheerenden Brand gekommen, für den sich jetzt vier Männer vor Gericht verantworten müssen.
In dem Gebäude im Ortskern von Westerkappeln ist es Anfang Februar zu einem verheerenden Brand gekommen, für den sich jetzt vier Männer vor Gericht verantworten müssen. Foto: Heinrich Weßling

Nach ihren Aussagen vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Münster sollen die kurdischstämmigen Geschwister mit deutschem Pass sie nicht nur erpresst, sondern auch massiv bedroht haben. Der Ladenbesitzer, so gab der 22-jährige Mitangeklagte am zweiten Verhandlungstag zu Protokoll, „wollte mich töten, wenn wir das Feuer nicht legen“.

Brandstiftung offenbar lange geplant

Die Brandstiftung, auch das wurde am Mittwoch während der Verhandlung, die bis in den späten Nachmittag dauerte, deutlich, ist von langer Hand geplant worden.

Anfangs, so betonten die beiden aus dem Irak stammenden Beschuldigten, hätten sie den Auftrag der Brüder abgelehnt. Zum Verhängnis wurden ihnen aber offenbar die Schulden, die sei bei den beiden Westerkappelnern im Verlauf mehrerer Monate angesammelt hatten. „Der Ladenbesitzer sagte, er sei mein ,Bruder‘ und gab mir immer wieder Geld, manchmal auch Kokain“, erläuterte der 22-Jährige, der nach eigenen Angaben ursprünglich von einer Freundschaft ausgegangen war. Bis zu jenem Tag, an dem die Brüder das Geld zurückverlangten.

Orientladen in Westerkappeln ausgebrannt

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  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
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  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Heinrich Weßling
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  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Heinrich Weßling
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  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer
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  • Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften im Westerkappelner Ortskern. Die Feuerwehr war mit rund 50 Leuten im Einsatz. Die Polizei sperrte den Brandort weiträumig ab. Foto: Frank Klausmeyer

Zweieinhalbstündige Vernehmung

„Sie sagten, sie hätten eine Aufgabe für uns. Wenn wir den Laden in Brand setzen, wären unsere Schulden erlassen und wir würden zusätzlich noch jeweils 2500 Euro erhalten“, so der 22-Jährige. Bei einem Treffen seien die Brüder zudem in Begleitung von zwei Albanern erschienen. „Wir haben Angst bekommen“, erklärte der Iraker, der den Ablauf des Geschehens während seiner zweieinhalbstündigen Vernehmung in teils aufgewühltem Ton schilderte.

Der 22-Jährige und sein 23-jähriger Freund, der den Prozess zumeist mit unbewegter Miene verfolgte, waren nach der Tat zunächst nach Belgien geflüchtet, wo sie sich schließlich der Polizei stellten.

Starke Brandverletzungen davongetragen

Übereinstimmend berichteten sie, wie sie von den Brüdern 200 Euro erhalten hatten, mit denen sie das Material für die Brandstiftung besorgen sollten. Demnach kauften sie Masken, Handschuhe, Benzin und Baumwollgarn. Der Plan der Brüder hätte vorgesehen, dass sie zunächst das Fenster einschlagen, anschließend das Benzin verschütten und es dann mit Hilfe des Baumwollfadens in Brand setzen.

Zu Fuß zur Flüchtlingsunterkunft nach Osnabrück

Von der Explosion, die sie damit offenbar ausgelöst hatten und von der sie starke Brandverletzungen davontrugen, zeigten sich die Iraker vor Gericht überrascht. Anschließend seien sie zunächst einmal zum Friedhof in Westerkappeln geflohen, berichteten sie. Weil der 22-Jährige sein Handy am Tatort verloren hatte, hätten sie auch nicht ihren Bekannten rufen können, der sie – so war der Plan – abholen sollte. Stattdessen hätten sie sich zu Fuß auf den Weg zu ihrer Flüchtlingsunterkunft in Osnabrück gemacht.

Verbot, ins Krankenhaus zu gehen

In den folgenden Tagen setzte offenbar insbesondere der jüngere Bruder des Ladenbesitzers die beiden Iraker unter Druck. So schilderten sie dem Gericht, wie er ihnen verboten habe, ein Krankenhaus aufzusuchen, obwohl sie aufgrund ihrer Brandverletzungen medizinische Hilfe benötigt hätten. Auch habe er darauf gedrängt, dass sie das Land verlassen.

Die beiden Mitangeklagten betonten ferner, dass sie sich bei den Brüdern nach möglichen Bewohnern des Gebäudes erkundigt hätten, in dessen Erdgeschoss sich der Orientladen befindet. „Sie versicherten, dass in den Etagen darüber ihre Familie wohnen würde“, sagte der 22-Jährige. Der Jüngere der beiden Hauptangeklagten habe außerdem angekündigt, „Wache zu halten“. Wenn der Laden brennt, habe er noch 20 Minuten warten wollen, bis er die Polizei ruft. Und die, habe er hinzugefügt, brauche ohnehin sehr lange, bis sie in Westerkappeln eintreffen würde, gibt der 22-Jährige ein Gespräch wieder, das wenige Tage vor der Tat stattgefunden haben soll.

Drei Tage vorher Brandschutztür eingebaut

Dass die Brüder die Tat offenbar bis ins letzte Detail geplant haben könnten, zeigt auch ein Detail, das der Eigentümer des Gebäudes, der am Mittwoch ebenfalls als Zeuge geladen war, am Rande der Verhandlung schilderte. Demnach wurde er als Vermieter von dem Ladenbesitzer kurze Zeit vor der Tat aufgefordert, eine bis dato fehlende Brandschutztür einzubauen. In der Nacht vom 6. Februar explodierte der Laden. Drei Tage zuvor war die Tür eingebaut worden.

Den Angeklagten wird unter anderem versuchter Mord und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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