Neue Kampagne des Bistums
Kirche ist mehr als Kirche

Münster -

Kirche findet immer weniger in der Kirche statt, findet Norbert Köster. Darum sagt der Generalvikar des Bistums Münster: „Kirche verlagert sich an die Orte, wo wir Menschen begegnen. Und diese Orte möchten wir viel stärker nutzen.“ 

Mittwoch, 05.09.2018, 17:50 Uhr aktualisiert: 05.09.2018, 18:09 Uhr
Bischof Felix Genn, Professor Tim Eberhardt, Jochen Huppertz von der Agentur „Castenow“, Professor Heribert Meffert und Generalvikar Norbert Köster (von links) stellen ein Plakat aus der neue Markenkampagne des Bistums vor.
Bischof Felix Genn, Professor Tim Eberhardt, Jochen Huppertz von der Agentur „Castenow“, Professor Heribert Meffert und Generalvikar Norbert Köster (von links) stellen ein Plakat aus der neue Markenkampagne des Bistums vor. Foto: Gunnar A. Pier

Darum hat das Bistum eine Kampagne gestartet, die sie wieder in ein besseres Licht rücken soll. Ein neues Logo und der Claim „Für Dein Leben gern“ werden nun alles begleiten, was zum Bistum Münster gehört und von dem viele Menschen gar nicht wissen, wer dahinter steckt: Ehe- und Familienberatungen, Kindergärten, Schulen und vieles mehr.

Das sind die Orte, wo die Menschen überhaupt noch Kontakt zur Kirche bekommen, meint Köster . „Wir haben diese Orte und freuen uns auf die Begegnung mit ihnen.“ Dort könne Kirche mit den Menschen ins Gespräch kommen – und ihnen vielleicht irgendwann auch erklären, „warum wir glauben, dass Gott uns behütet und begleitet“. Ein Kulturwandel und die damit verbundene Markenentwicklung sollen das ändern.

480.000 Euro teure Kampagne

Bischof Felix Genn , der aus seinem Fremdeln mit der Welt des Marketings am Mittwoch vor Journalisten kein Geheimnis machte, begründet die 480.000 Euro teure Kampagne unter anderem mit der Erkenntnis, dass in einer repräsentativen Umfrage eine sehr hohe Unzufriedenheit mit den Angeboten der katholischen Kirche bestand. Hinzu kommt ein großes Misstrauen in die Kirche. „Aber nur mit Vertrauen können wir die Frohe Botschaft in Wort und Tat verkünden“, sagte der Bischof.

Bistum Münster stellt Logo und neuen Slogan vor

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  • "Leider nicht 24h offen" - mit diesem augenzwinkernden Slogan verweist das Bistum auf seine vielen Kitas. Am Mittwoch stellten  Jochen Huppertz (Agentur Castenow), Generalvikar Norbert Köster, Bischof Felix Genn, Prof. Dr. Dr. Heribert Meffert und Prof. Dr. Tim Eberhardt (von links) die Markenkampagne des Bistums vor.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das neue Logo erläuterten Generalvikar Norbert Köster und Münsters Bischof Felix Genn.

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  • Bischof Felix Genn, Prof. Dr. Tim Eberhardt, Jochen Huppertz (Agentur Castenow), Prof. Dr. Dr. Heribert Meffert und Generalvikar Norbert Köster (von links) mit einem der Plakatmotive.

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  • Bischof Genn fand auch deutliche Worte zu anderen kirchenpolitischen Themen.

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  • Prof. Dr. Dr. Heribert Meffert hat an der Kampagne mitgewirkt.

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  • Die neue Grafik kommt unter anderem bei Schreibblöcken und Kugelschreibern zur Geltung.

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  • Dr. Stephan Kronenburg, Jochen Huppertz (Agentur Castenow), Generalvikar Norbert Köster, Bischof Felix Genn, Prof. Dr. Dr. Heribert Meffert und Prof. Dr. Tim Eberhardt (von links) bei der Pressekonferenz des Bistum Münster zur Vorstellung der Markenkampagne und des neuen Claims "Für Dein Leben gern" am 5. September 2018 im Generalvikariat.

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  • Dr. Felix Genn

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  • Bischof Felix Genn und Prof. Dr. Dr. Heribert Meffert (von links) bei der Pressekonferenz des Bistum Münster zur Vorstellung der Markenkampagne und des neuen Claims "Für Dein Leben gern" am 5. September 2018 im Generalvikariat.

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  • Generalvikar Norbert Köster und Bischof Felix Genn bei der Pressekonferenz des Bistum Münster zur Vorstellung der Markenkampagne und des neuen Claims "Für Dein Leben gern" am 5. September 2018 im Generalvikariat.

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  • Generalvikar Norbert Köster und Bischof Felix Genn bei der Pressekonferenz des Bistum Münster zur Vorstellung der Markenkampagne und des neuen Claims "Für Dein Leben gern" am 5. September 2018 im Generalvikariat.

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  • Dr. Stephan Kronenburg, Jochen Huppertz (Agentur Castenow), Generalvikar Norbert Köster, Bischof Felix Genn, Prof. Dr. Dr. Heribert Meffert und Prof. Dr. Tim Eberhardt (von links) bei der Pressekonferenz des Bistum Münster zur Vorstellung der Markenkampagne und des neuen Claims "Für Dein Leben gern" am 5. September 2018 im Generalvikariat.

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  • Jochen Huppertz (Agentur Castenow), Generalvikar Norbert Köster, Bischof Felix Genn, Prof. Dr. Dr. Heribert Meffert und Prof. Dr. Tim Eberhardt (von links) bei der Pressekonferenz des Bistum Münster zur Vorstellung der Markenkampagne und des neuen Claims "Für Dein Leben gern" am 5. September 2018 im Generalvikariat.

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  • Dr. Stephan Kronenburg, Jochen Huppertz (Agentur Castenow), Generalvikar Norbert Köster, Bischof Felix Genn, Prof. Dr. Dr. Heribert Meffert und Prof. Dr. Tim Eberhardt (von links) bei der Pressekonferenz des Bistum Münster zur Vorstellung der Markenkampagne und des neuen Claims "Für Dein Leben gern" am 5. September 2018 im Generalvikariat.

    Foto: Gunnar A. Pier

Deswegen müsse die Kirche „die Wirklichkeit ernst- und annehmen und die Veränderungen gestalten“. Und möglichen Kritikern sagte Genn gleich, dass man so keineswegs dem Zeitgeist hinterherlaufe. Weiterer Grund für die Kampagne seien Verbote, Strenge und Vorschriften, die immer noch mit der Kirche in Verbindung gebracht würden. Tatsächlich müssten die Menschen die Erfahrung machen, dass sie der Kirche und den Menschen, die für die Kirche stehen, vertrauen und diese Menschen auch ihnen vertrauen. Nur dann könne man von Beziehungen sprechen.

Die Kampagne soll diese Beziehungen verbessern. Genn betonte, dass es bei all dem um mehr geht als um ein neues Logo und einen neuen Spruch. „Es geht um eine zumindest teilweise inhaltliche Neuaufstellung der katholischen Kirche im Bistum Münster. (…) Es geht um ein Versprechen, das wir den Menschen geben und an dem wir uns messen lassen müssen“, sagte er. „Ich auch.“

Was ist eine Marke?

Eine Marke soll die Einzigartigkeit eines Produkts hervorheben. Berühmte Marken sind Coca Cola, Nivea oder Persil. Eine erfolgreiche Marke lässt einen Verbraucher vertrauen und seiner Marke treu bleiben. Das Logo ist ein Anker für eine Marke: „Wenn ein Logo gut ist, wird es gespeichert und wiedererkannt“, sagt Jochen Huppertz von der Agentur „Castenow“, die das Bistum für die Kampagne beauftragt hat. Ein Claim ist ein Slogan, der auf den Punkt bringen soll, was ein Unternehmen ausmacht. Bekannt ist zum Beispiel „We kehr for you“ der Berliner Stadtreinigung. Mit einer Kampagne schließlich sollen Logo und Claim der Öffentlichkeit nahegebracht werden – etwa durch Plakate.

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Großes Interesse am münsterischen Projekt

Norbert Köster freut sich, das die Kampagne noch kurz vor seinem Abschied als Generalvikar an den Start geht. Er verhehlt nicht, dass der Prozess mühsam gewesen war, in dem die unterschiedlichsten Gremien des Bistums in den vergangenen Monaten über Logo, Claim und Kampagne diskutiert haben. Münster sei das erste Bistum in Deutschland, das mit einer solchen Kampagne auf die allgemeine Kritik an der Kirche reagiere. Und seine Generalvikarskollegen aus den anderen Diözesen hätten schon großes Interesse an dem Projekt aus Münster gezeigt.

Die Plakatkampagne des Bistums Münster

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  • "Manchmal leider zu spät": Ehe-, Familie- und Lebensberatung

    Foto: Bistum Münster
  • "Leider nicht 24h offen": Kindertageseinrichtungen

    Foto: Bistum Münster
  • "Finden nicht alle gut": Schulen

    Foto: Bistum Münster
  • "Nichts für Warmduscher": Taufe

    Foto: Bistum Münster
  • "Läuft nicht immer": Familienbildungsstätten

    Foto: Bistum Münster
  • "Rauben Kindern den Schlaf": Büchereien

    Foto: Bistum Münster
  • "Wenn aus Spaß Ernst wird": Schwangerenberatung

    Foto: Bistum Münster
  • "Nicht für jeden das Richtige": Senioren

    Foto: Bistum Münster
  • "Leider nicht bei jeder Panne für Sie da": Seelsorge

    Foto: Bistum Münster

Zu Recht, findet Professor Tim Eberhardt, einer der Marketing-Experten, die den Prozess des Bistums begleitet haben. Er sei überzeugt, dass die neue Dachmarke einen „wirksamen Beitrag zum erfolgreichen kulturellen kirchlichen Wandel leisten und zur Verbesserung der Beziehungsqualität im Bistum Münster beitragen kann“.


Kommentar

Eine mutige Kirche – das ist neu

Die ersten begannen schon während der Pressekonferenz, die Kampagne des Bistums zu kritisieren: zu wenig Evangelium, zu teuer, Plakate mit zu negativen Sprüchen, der Claim könnte auch für Nutella stehen und so weiter. Ein bisschen haben wahrscheinlich alle recht. Aber niemand kann erwarten, dass alle jubeln, wenn ein Bistum seine bisherigen Kommunikationswege kippt und andere Wege der Beziehungspflege schafft, damit Institution und Menschen besser miteinander umgehen.

Bemerkenswert ist, dass das Bistum seine eigenen Probleme so offen angeht. Nun ist es kein Geheimnis, dass Priester vor leeren Bänken predigen. Aber dass die Kirche jetzt endlich aufhört, auf die Menschen zu warten und ihnen stattdessen entgegen hingeht, ist mutig und richtig. Und dass sie selbstbewusst zeigt, was sie alles zu bieten hat – von Bücherei bis Eheberatung, von Kita bis Schule –, das ist allerhöchste Zeit. (-werd-)

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