Hermann Rosing stattete deutsche Botschaften und Konsulate mit Grafiken und Bildern aus
Der Selfmade-Kunsthändler

Bocholt -

Es liegt schon einige Jahre zurück, als Hermann Rosing beschloss: Ich bin es leid, als Polizist durch den Kreis Borken zu streifen. Als Lehrer wollte er stattdessen künftig arbeiten, entschied er, und schrieb sich an der Universität Dortmund, später an der Universität Münster ein. Mit dem 2. Staatsexamen in der Hand tat sich jedoch das nächste Problem auf – es gab keine Stelle für den Jung-Pädagogen. Was nun, Herr Rosing? Na logisch: Hermann Rosing wurde Kunsthändler. Noch dazu ein außerordentlich erfolgreicher, denn der Bocholter stattete über mehrere Jahrzehnte alle deutschen Auslandsvertretungen mit Kunst aus. „Plötzlich hatte ich den Fuß in der Tür“, betont er, „und dann lief es.“

Freitag, 07.09.2018, 18:16 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 07.09.2018, 18:16 Uhr
Kunsthändler Hermann Rosing in seinem Haus in Bocholt. Deutsche Auslandsvertretungen beliefert der 62-Jährige nicht mehr, er widmet sich derzeit vor allem dem Internethandel.
Kunsthändler Hermann Rosing in seinem Haus in Bocholt. Deutsche Auslandsvertretungen beliefert der 62-Jährige nicht mehr, er widmet sich derzeit vor allem dem Internethandel. Foto: Norbert Robers

Wobei es mal wieder einer dieser berühmten Zufälle war, der dem heute 62-Jährigen seinerzeit auf die entscheidenden Sprünge half. Über sein Sport-, vor allem aber sein Kunst-Studium hatte Hermann Rosing sein gesteigertes Interesse an Zeichnungen und an der Malerei entdeckt. Über einen Niederländer, der Hermann Rosing aufgrund dessen guter Englisch-Kenntnisse bat, seine Kunst zu vermarkten, landete Hermann Rosing auf dem Radar eines sehr großen Möbelherstellers, der ihn bat, den 1500 Quadratmeter großen Stand auf der Kölner Möbelmesse mit möglichst vorzeigbaren Bildern zu bestücken.

Gesagt, getan. Hermann Rosing lieh sich die seiner Einschätzung nach passenden Bilder bei einem Bocholter Galeristen aus, packte einen Weiterverleih-Aufschlag drauf und hängte sie in Köln auf. „So etwas machte damals niemand“, erinnert er sich.

Andere Möbelhäuser zogen nach, Hermann Rosing kam dick und dicker ins Geschäft. Bis sich eines Tages ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes bei ihm meldete. Als gelernter Innenarchitekt war ihm die gelungene Kunst-Präsentation auf der Kölner Möbelmesse ins Auge gefallen. Ob er sich vorstellen könnte, fragte er den gelernten Polizisten, Lehrer und Selfmade-Kunsthändler, ein Konzept für die künstlerische Aufwertung der deutschen Botschaften und Konsulate zu erarbeiten.

Das konnte sich Hermann Rosing sogar sehr gut vorstellen und machte sich ans Werk. Er schlug vor, Künstler zu wählen, „die zu Deutschland passten“, die nicht unbedingt Klischees bedienten, die anspruchsvolle, gerne auch ungewöhnliche Kunst produzierten und somit auch in aller Welt vorzeigbar waren. Penck beispielsweise, Gerhard Richter. Oder die Prägedrucke des münsterischen Grafikers Joseph Robers, der spezielle Städtemotive entwickelte.

Hermann Rosing setzte sich in der Ausschreibung durch, aber es dauerte satte zwei Jahre, bis der erste Auftrag ins Haus flatterte. Rund 40 Bilder ließ er seinerzeit nach Sri Lanka verschiffen. Kurz darauf erreichte ihn über Umwege ein Brief aus der deutschen Botschaft in Colombo, in dem sich ein Mitarbeiter im Namen der Belegschaft für die Lieferung bedankte. „Das gesamte Kanzleigebäude“, schrieb er im August 1994, „hat durch den neuen Wandschmuck ungemein an Atmosphäre gewonnen.“ Alle Bediensteten hätten „ausnahmslos positiv“ reagiert.

Mehrere tausend Bilder hat der gebürtige Stadtlohner seitdem über den Globus versandt – noch immer hängt beispielsweise in der deutschen Botschaft in Bagdad ein Stadtpanorama von Münster. Irgendwann hörte Hermann Rosing damit auf, die Bilder zu verleihen. Stattdessen kaufte er in Massen und verkaufte die Werke an die Bundesrepublik Deutschland weiter, deren Auswärtiges Amt offenbar hochzufrieden war mit der Auswahl, der Qualität und der Zuverlässigkeit bei der Lieferung.

Doch jetzt ist es genug damit, der Botschafts-Deal schlief langsam ein. In seiner Dachkammer am Bocholter Stadtrand, in der zig Schränke und Galerieständer voll mit Kunst stehen, konzentriert er sich auf den Internethandel – beispielsweise im Auftrag von Praxen, Kliniken oder Kanzleien. „Ich bin ausreichend gereist“, sagt der begeisterte Segelflieger. „Au ßerdem will ich einfach nicht mehr so viel schleppen.“

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