Thomas Franz restauriert in Dülmen alte Citroëns
Ente gut, alles gut

Dülmen -

Als die Ente vor 70 Jahren, am 7. Oktober 1948, auf dem Pariser Autosalon vorgestellt wurde, sollte sie vor allem das sein: praktisch und günstig. Ein französischer Volkswagen. Heute ist sie Kult. „Sie wird unverschämt hoch gehandelt“, findet Thomas Franz. Seine Werkstatt ist in Dülmen, er ist der wahrscheinlich letzte deutsche Enten-Profi. Die Liebe zu den schaukeligen Blechkarossen, in denen es immer zieht wie Hechtsuppe, hat er sich über Jahrzehnte bewahrt.

Sonntag, 07.10.2018, 12:50 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 07.10.2018, 12:48 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 07.10.2018, 12:50 Uhr
Enten-Enthusiast Thomas Franz in Dülmen: Der spezialisierte Autoschrauber gilt europaweit als Experte für den alten Citroën 2CV.
Enten-Enthusiast Thomas Franz in Dülmen: Der spezialisierte Autoschrauber gilt europaweit als Experte für den alten Citroën 2CV. Foto: Gunnar A. Pier

Als sich der gebürtige Duisburger 1980 das erste Auto kaufte, musste es eine Ente sein. „Das war alternativlos.“ Opel Kadett fuhren nur Prolls, Käfer nur Papas. „Die Ente war ein Anti-Auto. Die sah anders aus, fuhr anders, hörte sich anders an.“ Die rosarote 350-Mark-Karre war ein Zeichen, Symbol für Freiheit und Unangepasstheit, gefühlt ein 68er-Relikt.

Zweimal in der Woche blieb Franz damit liegen. Als sein Papa ihm 1000 Mark für ein neues Auto gab, weil er keine Lust hatte, seinen Sohnemann ständig von der B 1 zu schleppen, kaufte der sich wieder eine Ente. Nur etwas jünger halt.

Vom Ersatzteilhandel zum Fachbetrieb

Franz studierte Latein und Philosophie auf Lehramt, doch als sich andeutete, dass er sein Leben in einer Mammutschule in Düsseldorf verbringen sollte, machte er die Flatter und landete wieder bei der Ente. „Ich habe alles verkloppt, was ich hatte, sogar die Stereoanlage“, erinnert er sich. Mit dem Startkapital gründete der Enten-Enthusiast einen Ersatzteilhandel in Münster.

Besuch bei Ente-Enthusiast Thomas Franz

1/16
  • Ein Hof voller Enten: Thomas Franz vor seiner Werkstatt in Dülmen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Auf dem Hof stehen auch fertige Modelle, die Franz in Kommission verkauft.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Klassiker: Ente in rot, Ente in grün.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Komplette Fahrgestelle kann man auch heute noch neu kaufen. Franz baut neue Enten daraus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wenn neue Autos bei ihm ankommen, ist meistens noch viel daran zu tun.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Hof voller Enten: Thomas Franz vor seiner Werkstatt in Dülmen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In der Werkstatt nur Enten - aber sehr unterschiedliche Modelle und Zustände . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier

Daraus wurde eine Schrauber-Bude, dann eine kleine Werkstatt. Er fing wieder an zu büffeln, wurde Karosseriebau-Meister. Jetzt hat er einen zertifizierten „Fachbetrieb für historische Fahrzeuge“. Doch etwas anderes als die Ente kommt ihm nicht auf die Hebebühne. Und nicht in die Garage: Franz fährt nur Enten.

Kultiges Sammler-Objekt

Heute kommen Liebhaber aus ganz Europa zu ihm nach Dülmen. „Eine Ente ist total speziell“, erklärt er, warum nicht jede Werkstatt helfen kann oder will. „Keiner versteht, wie die Federung funktioniert.“ Dazu der luftgekühlte Boxer-Motor – sogar Citroën-Werkstätten schicken Kunden zu ihm.

„Wir haben keine jungen Kunden“, sagt Franz. Aus dem Arme-Leute-Auto ist ein kultiges Sammler-Objekt geworden. Unpraktisch, aber mit Charme. Gut restauriert gibt es eine Ente heute ab 17 000 Euro. Wer noch etwas drauflegt, bekommt quasi ein neues Auto.

Lebensgefühl auf Rädern

Das ist bemerkenswert, schließlich wurde die Produktion 1990 eingestellt. Doch es gibt Hersteller, die, teils gar von Citroën unterstützt, nagelneue Teile anbieten – bis hin zum Fahrgestell. So kann Franz heute ein komplett neues Auto bauen. 29 PS stark mit undichten Fenstern und Faltdach statt Klimaanlage.

Der Citroën 2CV

Am 7. Oktober 1948 wurde der Citroën 2CV auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Es war der Beginn eines Siegeszugs. Obwohl das rustikale Design des Autos auch Spott auslöste, wurde es zum millionenfach verkauften Renner. Dem Hersteller Citroën ging es um ein günstiges, funktionales Fahrzeug für das Volk. Der 2CV wurde über die Jahre immer wieder an neue Farbtrends angepasst, der Motor wurde deutlich kräftiger – die Form blieb aber immer gleich. 1988 läutete die Einstellung der Produktion in Frankreich dann das Ende ein, zwei Jahre später rollte in Portugal die letzte Ente vom Band. Insgesamt mehr als fünf Millionen Fahrzeuge wurden über die Jahrzehnte hergestellt, auch eine Lieferwagenversion. (dpa)

...

Nachfolger gesucht

Doch häufiger sind Restaurationen. Immer wieder tauchen alte Schätzchen auf: „Man wundert sich, wie viele Enten noch in Schuppen rumstehen.“ Franz macht sie wieder flott.

Wie es weitergeht, ist dennoch ungewiss. „Der Oldtimer-Markt hat Zukunft“, ist er überzeugt. Doch jetzt, mit 65 Jahren, sucht er einen Nachfolger. Bislang vergeblich: „Wer heute die Meisterprüfung ablegt, wurde geboren, als die Ente eingestellt wurde“, erklärt er. Da ist es schwer zu erklären, warum die Ente keinen Diagnose-Stecker hat.

Die Ente - Kult-Auto aus Frankreich

1/26
  • Ob diese Ente schwimmen kann? Offiziell trug der Citroën-Klassiker die Modellbezeichnung 2CV. Gebaut wurde er von 1949 bis 1990.

    Foto: dpa
  • Johannes Wittig fährt mit seiner "Polente" durch Köln. Der eigens umlackierte und beschriftete Citroën 2CV bekommt überall die nötige Aufmerksamkeit. Die Jogging-Schuhe an der Frontstoßstange haben schon so manchen Lackschaden an anderen Autos verhindert, so der stolze Besitzer.

    Foto: dpa
  • Citroën 2CV 007 Version Anglaise

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV "Cross" 1977

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV Cocorico 1987

    Foto: Citroën
  • Aktive Enten: In Deutschland dürften heute noch circa rund 15 000 Citroën 2CV unterwegs sein - die Ente ist immer noch ein erschwinglicher Klassiker.

    Foto: dpa
  • Citroën 2CV 1959

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV Club 1980

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV AK Minivan 1975

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV "Cross" 1977

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV Charleston 1982

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV AK Minivan 1975

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV "Cross" 1977

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV "Cross" 1977

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV 1959

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV 6 Club 1980

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV Charleston 1982

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV Hermes

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV Charleston 1982

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV 6 1975

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV 007 Version Anglaise

    Foto: Citroën
  • Citroën 2CV Cocorico 1987

    Foto: Citroën
  • Ob diese Ente schwimmen kann? Offiziell trug der Citroën-Klassiker die Modellbezeichnung 2CV. Gebaut wurde er von 1949 bis 1990.

    Foto: dpa
  • Es gibt auch etwas aufgemotztere Variante . . .

    Foto: dpa
  • Ein mit Kunstrasen beklebter Citroen 2CV

    Foto: dpa
  • Es gibt auch etwas aufgemotztere Variante . . .

    Foto: dpa
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6102379?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Ibbenbürener verwandt mit Taylor Swift
Jürgen Schwietert ist über viele Ecken mit US-Pop-Star Taylor Swift verwandt. Das findet auch seine Tochter Alaya spannend. Erfahren hat der Ibbenbürener das bei einem TV-Auftritt.
Nachrichten-Ticker