"Diskussion statt Denunziation"
Ahlener Schüler reagieren auf AfD-Meldeportale

Ahlen/Münster -

„Anstatt anonym jemanden anzuschwärzen, glauben wir, dass Meinungsverschiedenheiten offen ausgesprochen werden müssen“: Mit diesen klaren Worten hat die Schülervertretung (SV) des Gymnasiums St. Michael in Ahlen am 12. Oktober die Einrichtung von Online-Meldeportalen durch die AfD kommentiert. 

Samstag, 13.10.2018, 13:31 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 13:26 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 13.10.2018, 13:31 Uhr
"Diskussion statt Denunziation": Ahlener Schüler reagieren auf AfD-Meldeportale
Mit einer spontane Plakataktion haben sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums St. Michael Ahlen für Diskussionskultur statt Denunziantentum stark gemacht. Foto: Gymnasium St. Michael

Auf den Portalen sollen Schülerinnen und Schüler – auch anonym – Lehrkräfte nennen, die sich im Unterricht politisch äußern und insbesondere die AfD kritisch darstellen. „Wir als SV halten es für falsch, der persönlichen Diskussion aus dem Weg zu gehen“, meinen dazu die Schülervertreter aus Ahlen.

Gleichzeitig riefen sie ihre Mitschüler am Freitagvormittag zu einer spontanen Fotoaktion auf. Dabei hielten die Kinder und Jugendliche Plakate, die für „Diskussion statt Denunziation“ warben und für eine „Schule mit Courage“ und „Schule gegen Rassismus“ plädierten. „Ein offener Austausch ist uns als bischöfliches Gymnasium und Schule mit Courage besonders wichtig“, begründeten die Schülervertreter um Schülersprecher Benjamin Budt, Johanna Giebel und Carla Aulbur ihre Aktion.

Die Lehrkräfte schlossen sich dieser mit einem eigenen Foto an, auf dem sie ihr Prinzip „Dialog statt Denunziation“ plakatierten. „Katholische Schulen sind insofern nicht neutral, weil sie sich entschieden gegen Gleich-Gültigkeit wenden, und die in katholischen Schulen wirkenden Lehrkräfte sind nicht neutral, da sie eine Weltanschauung haben, in der Abwertung anderer Menschen und deren Ausgrenzung keinen Platz hat.“, sagte Schulleiterin Mechtild Frisch. Dementsprechend solle die Bildungs- und Erziehungsarbeit katholischer Schulen „Jugendliche zu Werthaltungen unter Einbeziehung christlicher Werte bilden und sie urteilsfähig machen.“ Dazu gehöre das Eintreten für das Grundgesetz und – wie im Leitbild katholischer Schulen im Bistum Münster formuliert – für „eine Kultur der Achtsamkeit und der gegenseitigen Wertschätzung“.

Zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet

Dabei sei trotzdem Raum für Kritik und Fragen der Jugendlichen. „Wir möchten Schülerinnen und Schüler zu kritischen Menschen erziehen“, betont Mechtild Frisch, „wenn sie Kritik an schulischen Inhalten, Abläufen und auch Personen äußern, finden sie Gehör und Erziehungspartner, die sich mit ihnen auseinandersetzen. Solche Schüler brauchen keine anonymen Plattformen, sondern Gesprächsräume.“

Das bestätigte für das Bistum Münster als Schulträger Dr. William Middendorf, Leiter der Schulabteilung des Bistums. Zwar seien Schule und Lehrkräfte zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet, hätten aber ebenso den Auftrag, Kinder und Jugendliche zur Demokratiefähigkeit zu erziehen. Das schließe die kritische Auseinandersetzung mit politischen Positionen von Parteien und Interessengruppen ein. „Für diese Arbeit benötigen Lehrkräfte das Vertrauen der Gesellschaft und des Schulträgers“, betont Middendorf, „als Schulträger bringen wir unseren Lehrkräften das volle Vertrauen entgegen und sind sicher, dass unsere Schülerinnen und Schüler es entschieden ablehnen, sich für parteipolitische Zwecke instrumentalisieren zu lassen, indem sie ihre Lehrkräfte auf AFD-Melde-Portalen an den Pranger stellen.“

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