Regionale Zusammenarbeit
Gemeinsames Feilen an der „Münsterland-Strategie“

Münsterland -

Zweimal gab es im Münsterland eine ­„Regionale“, ein vom Land NRW unterstütztes Strukturförderprojekt. Jetzt gibt es Überlegungen, eine nächste „Regionale“ ins Münsterland zu holen, um diesmal die ­gesamte Region zu stärken. Unser Redaktionsmitglied Wolfgang Kleideiter sprach mit Dr. Kai Zwicker über das Vorhaben. Der Landrat des Kreises Borken gehört nach den guten Erfahrungen mit der „Regionale 2016“ im Westmünsterland zu den Treibern eines Nachfolgeprozesses, der Erarbeitung einer Münsterland-Strategie.

Dienstag, 06.11.2018, 10:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 06.11.2018, 10:00 Uhr
Dr. Kai Zwicker, Landrat des Kreises Borken, möchte bald die nächste Regionale ins Münsterland holen.
Dr. Kai Zwicker, Landrat des Kreises Borken, möchte bald die nächste Regionale ins Münsterland holen. Foto: Foto: Jürgen Christ

Die „Regionale 2016“ hat im westlichen Münsterland eindrucksvolle Spuren hinterlassen und die Zusammenarbeit befördert. Woran denken Sie vor allem, wenn Sie auf das Groß­projekt zurückschauen?

Dr. Kai Zwicker: An den Enthusiasmus, der schon im Bewerbungsprozess sehr groß war. Daran, dass es uns, weil der Kreis Coesfeld und der Kreis Borken für das Projekt gemeinsam zu klein waren, gelang, die nördlich der Lippe gelegenen Anrainer für das Projekt zu gewinnen. Das Land NRW hatte an­gesichts der Herausforderungen den Schwerpunkt auf die interkommunale Zusammenar­beit gelegt. Das war genau richtig. Heute ­stehen „Regionale“-Projekte wie das „Kult“ in Vreden als vielfältiger Ort der Kultur und Bildung oder auch „BahnLandLust““ an der Bahnstrecke von Coesfeld nach Dorsten beispielhaft für die Kooperation.

Stieß die Idee, die interkommunale Zusammen­­ar­beit auf dem Weg über ein Strukturförderprogramm wie die „Regionale“ gezielt zu stärken, gleich auf fruchtbaren Boden?

Zwicker: Im Kreis Borken und anderswo gab es Ko­operationen schon vorher, aber sie wurden durch die „Regionale“ noch weiter vertieft – und kreisübergreifend erweitert. Wir waren uns nach diesen Erfahrungen in der Runde aller Beteiligten am Ende sehr schnell einig, über das Präsentationsjahr der „Re­gionale 2016“ hinaus weiter eng zusammenzuarbeiten – übrigens mit ausdrücklicher Unterstützung durch Regierungspräsidentin Feller. Und uns war ebenso schnell klar, dass es beim nächsten Schritt etwas Verbindendes auf Münsterlandebene geben muss, das gleichzeitig auch die „Regionale 2004“ links und rechts der Ems und die „Regionale 2016“ im westlichen Münsterland zusammenführt.

Also eine auf das gesamte Münsterland ausgedehnte Zusammenarbeit?

Zwicker: Ja. Und ich bin deshalb auch sehr froh, dass neben den Kreisen Coesfeld, Borken und Steinfurt in­zwischen der Kreis Warendorf und die Stadt Münster ihre Teilnahme an einem solchen „Regionale“-Nachfolgeprozess zugesagt haben. Keiner wird dabei das fünfte Rad am Wagen sein. Ein­gebunden sein werden auch die regionalen Nachbarn wie u.a. die Lippe-Anrainer, natürlich Münsterland e.V. als Dachorganisation der Region, die Bezirksregierung und ebenso die Euregio. Uns trennen zwar auf der Landkarte häufig viele Kilometer, wir haben aber zahlreiche Gemeinsamkeiten und stehen vor ganz ähnlichen Herausforderungen. Uns allen geht es darum, unsere Region fit für die Zukunft zu machen und gleichermaßen als Standort der mittel­ständischen Wirtschaft und als Lebensraum für die Menschen attraktiv zu halten.

Wie geht es konkret weiter?

Zwicker: Wir wollen den „Regionale“-Nachfolgeprozess so aufsetzen, dass wir in den kommenden 14 Monaten gemeinsam Inhalte und Strukturen der interkommunalen Kooperation zu den wichtigsten Themen definieren. Wir haben mit den ­Büros „projaegt“ aus Ahaus und „Planinvent“ aus Münster, die sich mit Prozessen dieser Art gut auskennen und schon viele Kommunen im Münsterland zum Beispiel beim Leader-Programm begleitet haben, in Abstimmung mit den anderen Münsterlandkreisen und der Stadt Münster Dienstleister beauftragt, die uns bei dem weiteren Vorgehen unterstützen. Am Ende könnte schließlich eine Art „Münsterland-Strategie“ entstehen. Diese könnte dann auch als inhaltliche Grundlage für mögliche Bewerbungen in überregionalen Förderprogrammen wie zum Beispiel einer vom Land NRW finanziell mitgetragenen „Münsterland-Regionale“ dienen. Hiervon würden die Menschen in der Region sicherlich profitieren.

Wo sehen Sie die großen Münsterland-Themen?

Zwicker: Bei der Verbesserung der Infrastruktur, der Fortentwicklung der Mobilität in den ländlichen Räumen, der Sicherstellung der Daseinsvorsorge, der Gestaltung des Landschaftswandels, der Fachkräftegewinnung und der Vorbereitung auf die wachsende Digitalisierung. Es gibt viele Gebiete, auf denen wir im Münsterland an einem Strang ziehen müssen und keine Kleinstaaterei betreiben dürfen. Wir müssen uns noch stärker als etwas Gemeinsames begreifen. Bei der Komplexität der Themen sind die vorhandenen Systeme vielfach zu klein. Digitalisierung oder wirtschaftliche und landschaftliche Entwicklung hören nicht an Gemeinde- oder Kreisgrenzen oder auch Landesgrenzen auf. Es ist zweifellos etwas Besonderes, dass eine ganze Region auf eine Stadt wie Münster ­fixiert ist und deren Namen trägt, aber es existiert in der Wirklichkeit eine intensive Wechselbeziehung zwischen Stadt und Land. Wir brauchen uns ge­genseitig.

Welche Rolle spielt im ­Zusammenhang mit einer „Münsterland-Regionale“ der Markenbildungsprozess?

Zwicker: Er wird wichtig sein. Am Ende muss die Marke mit den Kern­aussagen aber auch tatsächlich gelebt werden und Teil einer Münsterland-Strategie sein. Dies wird langfristig besonders gut gelingen, wenn die Marke auf einer Münsterland-Strategie fußt, die in der Region inhaltlich gemeinsam entwickelt und getragen ist. Unser Hauptziel, muss es sein, im Wettbewerb der Regionen den Anschluss zu behalten. Die Voraus­setzungen sind da. Der ­„Regionale“-Nachfolgeprozess wird ein wichtiger Baustein sein, um uns noch besser aufzustellen.

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