Prozess in Osnabrück
Tödliche Schläge gegen Neugeborenes - Vater gibt Tat zu

Osnabrück -

Der eigene Vater ist wohl für den Tod eines erst vier Tage alten Säuglings verantwortlich: Aus Panik heraus habe er seinem Kind mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen, gesteht er zum Prozessauftakt ein.

Mittwoch, 07.11.2018, 14:06 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.11.2018, 12:11 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 07.11.2018, 14:06 Uhr
Prozess in Osnabrück: Tödliche Schläge gegen Neugeborenes - Vater gibt Tat zu
Verteidiger Frank Otten (l) blickt auf seinen Mandanten (2.v.r, verdeckt) der von Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt wird. Foto: dpa

Unter Tränen räumt der junge Mann die schreckliche Tat ein. Er gesteht die tödlichen Schläge gegen seinen gerade erst geborenen Sohn. Beim Versuch, sein von der Entbindungsstation geholtes Baby zu baden sei er in Panik geraten und habe mit der flachen Hand gegen den Kopf des vier Tage alten Kindes geschlagen. „Ich weiß nicht, was ich da getan habe“, beteuert der 25-Jährige mehrfach am ersten Verhandlungstag am Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Vater Totschlag vor.

Die Tat ereignete sich am 15. Mai in einer Wohnung im Osnabrücker Stadtteil Hellern. Gerade erst hatte der junge Vater die Mutter - seine Freundin - und das frisch geborene Kind von der Entbindungsstation in die gemeinsame Wohnung geholt. Dort habe er seinen kleinen Sohn in einem Waschbecken waschen wollen - der Kopf des Kleinen habe auf seinem Unterarm gelegen, schildert er den Richtern. Dann habe er das Kind aufrichten und in ein Handtuch wickeln wollen. Der Junge sei ihm aus der Hand geglitten.

Der drogenabhängige Vater schilderte unter Schluchzen im Gericht, wie ihn in der Situation die Panik ergriff. Das Kind habe reglos gewirkt, sagt er - anscheinend wollte er es mit den Schlägen wieder munter machen. Aber der kleine Junge sei daraufhin noch apathischer gewesen als vorher. Das Kind habe geröchelt, und im Hals sei Blut zu sehen gewesen. Dieses habe er mit dem Finger entfernen wollen und habe dazu den Hals festgehalten. „Damit habe ich noch mehr Schaden angerichtet“, erzählte der junge Mann weinend. Heulend habe er auf dem Wohnzimmersofa gesessen, das reglose Kind ins Handtuch eingewickelt.

Der junge Vater rief seine Großmutter und einen Krankenwagen. In einer Kinderklinik starb der kleine Junge am 22. Mai an seinen schweren Verletzungen. Die Ärzte stellten unter anderem zahlreiche Hämatome an dem kleinen Jungen fest.

Der Polizei erzählten die Eltern zunächst, dass beim Spazierengehen auf einer Wiese bei der Autobahnauffahrt Hellern ein fremder Hund das Kind verletzt habe. Den Ermittlern war aber schnell klar, dass das nicht stimmte. Seine Freundin habe diese Geschichte der Polizei erzählt, sagte der Angeklagte. Das sei nicht abgesprochen gewesen. Er selber besitzt zwei Hunde, die in der Wohnung leben. Die hätten das Kind beim Eintreffen neugierig beschnüffelt und es sonst in Ruhe gelassen. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen gegen die Mutter eingestellt, weil sie nichts von den Verletzungen des Kindes mitbekommen haben soll.

Der junge Mann hatte keine leichte Kindheit. Sein Vater, ein britischer Soldat, habe seine Mutter mit ihm und seiner zwei Jahre älteren Schwester alleine zurückgelassen, als er sechs Jahre alt war. Sein Stiefvater, auch ein britischer Soldat, sei wie ein richtiger Vater für ihn gewesen, erzählt er. Aber der Soldat starb im Irakkrieg drei Jahre später - eine traumatische Erfahrung für das kleine Kind.

In der Grundschule habe er Probleme mit den Lehrern gehabt. Von der Realschule wechselte er zur Hauptschule, verließ die Schule aber in der achten Klasse ohne Abschluss. „Ich hatte viele Probleme mit Drogen.“ Im Alter von 14 Jahren habe er sich so betrunken, dass er mit mehr als vier Promille ins Koma fiel. Das sei ein Suizidversuch gewesen, sagt er. Anlass war ein Streit mit seiner Mutter, die offenbar nicht mit ihm klar kam und ihm gesagt habe: „Dann sauf dich doch zu Tode.“

Als sein Sohn im Krankenhaus zur Welt kam, war er nicht dabei - er sei verständigt worden, habe es aber nicht rechtzeitig geschafft. Wegen seines Drogenkonsums habe er sich ohnehin von dem kleinen Kind eher fernhalten wollen. Er besuchte aber die Mutter und seinen neugeborenen Sohn, und fuhr anschließend mit Freunden zusammen mehrere Tage lang nach Hamburg, zu einem Festival und dem Hafengeburtstag. Dort habe er ständig Drogen genommen und nicht geschlafen. Von dieser Tour kam er am selben Tag zurück, an dem der sein Kind und seine Freundin aus dem Krankenhaus abholte.

Bis Mitte Januar sind für den Prozess sieben Fortsetzungstermine anberaumt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6172746?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Öffnungszeiten in Enschede bereiten deutschen Nachbarn Bauchschmerzen
Verkaufsoffene Sonntage sind in den Niederlanden nicht generell vorgesehen. Die Kommunen entscheiden darüber selbst., die Mitarbeiter der Geschäfts sind wiederum berechtigt, die Arbeit am Sonntag abzulehnen,
Nachrichten-Ticker