359 Einrichtungen mit 4900 Ehrenamtlichen
Büchereien des Bistums trotzen dem Trend

Münsterland -

In dieser modernen Welt mit Hörbuch-Downloads, Online-Buchhandlungen und E-Books auf dem ­Tablet-Computer behauptet sich tapfer eine über 100 Jahre alte Institution: die katholischen öffentlichen Büchereien. 359 Einrichtungen betreibt das Bistum Münster. Und für die Zukunft gibt es bereits viele interessante Ideen.

Sonntag, 11.11.2018, 14:30 Uhr aktualisiert: 11.11.2018, 15:00 Uhr
7200 Medien, hauptsächlich Bücher, gibt es in der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Sendenhorst. Henrike Illigens (12) gehört zu den Stammkunden.
7200 Medien, hauptsächlich Bücher, gibt es in der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Sendenhorst. Henrike Illigens (12) gehört zu den Stammkunden. Foto: Gunnar A. Pier

Um kurz vor vier kommt Henrike rein. Die Zwölfjährige braucht Lesestoff. „Lohnt ja nicht, was zu kaufen, wenn man Bücher ausleihen kann.“ Etwa einmal im Monat taucht sie in der Katholischen Öffentlichen Bücherei St. Martin in Sendenhorst auf und stöbert am liebsten in den Regalen mit „Conni“-Büchern und den „Drei !!!“. Damit ist sie in guter Gesellschaft: Fast 135 000 Besucher nutzten im Jahr 2017 die 359 Büchereien des Bistums Münster. Die Tendenz ist zwar fallend – doch die hauptsächlich ehrenamtlich geführten Einrichtungen sind noch lange nicht am Ende.

Die Büchereien der Katholischen Kirche haben eine ellenlange Tradition. So manche gibt es schon seit mehr als 100 Jahren. „Sie sind ein sehr niedrigschwelliges Angebot, um Menschen zu erreichen, die sonst nicht viel mit der Kirche zu tun haben“, erklärt Aki Wantia , die seit Oktober die zuständige Fachstelle im Generalvikariat leitet. Zudem habe die Kirche einen Bildungsauftrag.

Und der erfährt durch die Büchereien Leben. Das Gros ist in Pfarrzentren untergebracht. Kurze Wege, kostenlose Ausleihe und ein Angebot, das oft überschaubar ist – aber dennoch aktuell. Gedruckte Bücher, vornehmlich Romane und vor allem Kinderbücher, machen noch immer den Bärenanteil aus, doch Zeitschriften, CDs, DVDs und eBooks holen auf.

Die Bücherei in Sendenhorst gehört zu den größeren, Wantia spricht gar von „sensationellen“ Ausleihzahlen. Gut 28 000 Medien gingen 2017 über die Theke. Das ist nur möglich durch das Engagement des Teams aus 16 Erwachsenen und acht Jugendlichen, die allesamt ehrenamtlich arbeiten. Rund 4900 sind es bistumsweit – neben gerade mal rund 40 Hauptamtlichen.

Fleißig - auch wenn die Bücherei geschlossen ist: Herma Teslau (links) und Leiterin Andrea Pohlmeyer in der KÖB St. Ludgerus Rheine-Elte.

Fleißig - auch wenn die Bücherei geschlossen ist: Herma Teslau (links) und Leiterin Andrea Pohlmeyer in der KÖB St. Ludgerus Rheine-Elte. Foto: Gunnar A. Pier

So wird man ehrenamtliche Mitarbeiterin

Gabriele Schlüter ist seit 27 Jahren Leiterin der Sendenhorster Bücherei. Sie war seinerzeit im Pfarrgemeinderat, für die Bücherei wurde jemand gesucht, die damalige Hauptschul-Lehrerin für Englisch, Biologie und Religion war interessiert – so kommt das dann. „Der Kontakt mit Menschen“ reize sie. Und der Umgang mit Büchern.

Denn die Ehrenamtlichen sorgen nicht nur für die fünf wöchentlichen Öffnungsstunden, Führungen für Kita-Gruppen und Veranstaltungen, sondern suchen auch die Neuanschaffungen aus. Rund 9000 Euro können sie in Sendenhorst dafür pro Jahr ausgeben – genug für etwa 700 Medien.

Besuch in Rhein-Elte

In ganz anderen Dimensionen rechnen sie 59 Landstraßenkilometer nördlich im beschaulichen Rheine-Elte. „Eine kleine, aber sehr feine Bücherei“, sagt Fachstellenleiterin Aki Wantia: Die rund 2200 Einwohner des Örtchens vor den Toren von Rheine haben im vergangenen Jahr für 2750 Ausleihen gesorgt. Doch hier, wo die meiste Infrastruktur im Laufe der Jahre verschwunden ist, gibt es mehr noch als in größeren Gemeinden eine weitere Funktion: „Besonders für Ältere ist es wichtig, einen Ort zu finden, wo man hingehen kann“, beschreibt Leiterin Andrea Pohlmeyer.

Drei Stunden pro Woche öffnet die Bücherei im Raum des Pfarrbüros, dann werden die Bücherregale auseinandergeschoben und jeder darf kommen, gucken, quatschen – und muss nichts kaufen. Ein Ort der Begegnung.

Gabriele Schlüter (rechts) ist seit 27 Jahren Leiterin der Sendenhorster Bücherei.

Gabriele Schlüter (rechts) ist seit 27 Jahren Leiterin der Sendenhorster Bücherei. Foto: Gunnar A. Pier

Blick in die Zukunft

In dieser Idee sieht Aki Wantia auch die Zukunft der kirchlichen Büchereien. „Mehr Ausleihen wären schön“, gibt sie zu. Aber: „Wir möchten die Bibliotheken auch als Ort etablieren, wo man sich aufhalten kann, ohne eine Verpflichtung einzugehen.“ Sitzen, lesen, vielleicht sogar ein bisschen arbeiten: gerne. Und vielleicht werden irgendwann auch mal zusätzlich ganz andere Dinge verliehen. Wantia denkt an den Akkuschrauber, den mancher nur einmal im Jahr braucht.

An drei Stunden in der Woche werden im Pfarrbüro Rheine-Elte die Regale auseinandergeschoben. Dann öffnet die Katholische Öffentliche Bücherei St. Ludgerus.

An drei Stunden in der Woche werden im Pfarrbüro Rheine-Elte die Regale auseinandergeschoben. Dann öffnet die Katholische Öffentliche Bücherei St. Ludgerus. Foto: Gunnar A. Pier

Doch noch gibt‘s nur Medien. Henrike Illigens, die Zwölfjährige in Sendenhorst, ist nach gut zehn Minuten fündig geworden. „Meine beste Freundin, der Catwalk und ich“ hat sie ausgesucht. Muss ja nicht immer „Conni“ sein.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6178173?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Nachrichten-Ticker