Königsblaues Reisefieber
Urlaub ist, wenn Schalke spielt...

Altenberge -

Wer Reinhold Dehm zu Hause in Altenberge erwischen will, muss einen Termin vereinbaren. Oder vorab in den Spielplan gucken. Wenn Schalke kickt, ist der 72-Jährige mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in Deutschland und ganz Europa unterwegs. Oder er sitzt mit den anderen Mitgliedern seiner königsblauen Reisegruppe vor dem Fernseher - und schmiedet Pläne für die nächste Tour…

Freitag, 23.11.2018, 11:00 Uhr
Königsblaues Reisefieber: Urlaub ist, wenn Schalke spielt...
Waren zuletzt gemeinsam in Moskau (v.l.): Reinhold Dehm, Ehefrau Ludowika, Lothar Gilles und Sohn Marcus. Foto: Wilfried Gerharz

Was liegt denn da auf dem Tisch? Ein schwarz-gelber Flaschenöffner? „Nee“, schmunzelt Reinhold Dehm , „den könnt Ihr ruhig benutzen. Is‘ aus Afrika, hat meine Tochter mitgebracht.“ Also dann: Schnell ein Schlückchen nehmen. Gleich ist Anpfiff. Im Dehm‘schen Wohnzimmer herrscht echte Heimspiel-Atmosphäre, auch wenn die Knappen, wie heute, in der Fremde antreten. Die Miniatur-Arena, die im Regal unter dem Fernseher steht, leuchtet im Dämmerlicht, selbst das Teelicht auf dem Esstisch flackert hinter einem Windschutz mit Schalke-Emblem.

Seit UEFA-Cup-Sieg im Reisefieber

Am Bücherregal hängt die Fahne des Altenberger Fanclubs „Eurofighter‘97“ – beflockt mit den Worten, die jeder Schalke-Fan im Schlaf vorsingen kann: „...ein Leben lang...!“ Die ‘97er-Mannschaft trat damals einen unvergessenen Siegeszug durch Europa an, und Marcus Gilles (47), einer der Gäste in Dehms guter Stube, beschloss zu jedem Auswärtsspiel zu fahren oder zu fliegen, „so lange das Team noch im Wettbewerb ist“. Am Ende gewannen seine Jungs das Finale, Gilles war pleite - aber glücklich.

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Sorgt im Dehm'schen Wohnzimmer für echte Heimspiel-Atmosphäre: ein Nachbau der Schalke-Arena. Foto: Wilfried Gerharz

 Seitdem hat ihn das königsblaue Reisefieber gepackt, und nicht nur ihn allein: Wann immer möglich, machen sich Gilles, Ehefrau Nicole sowie Reinhold Dehm und Ehefrau Ludowika, genannt „Lu“, auf den Weg durch Europas Stadien. Gerade waren sie zusammen mit Gilles‘ Vater Lothar für ein paar Tage in Moskau, wo Schalke in der Champions-League 1:0 siegte, in der nächsten Woche geht’s nach Porto. Und sollte die Mannschaft im Achtelfinale „in einer attraktiven Stadt“ spielen, „müssen wir da auch hin“, sagt Dehm. „Den Termin haben wir vorsichtshalber reserviert.“ Genau andersherum verhält es sich mit der Taufe der Enkeltochter - „die muss natürlich so gelegt werden, dass das nicht mit dem Champions-League-Spielplan kollidiert“, grinst der 72-jährige Rentner.

"Das ist Emotion. Das muss so sein!"

Sekunden später vergeht ihm das Lachen: „Konoplyanka, schieß! Nun schieß‘ doch!“, brüllt er dem Fernseher entgegen. Doch Konoplyanka denkt nicht daran. Chance vertan. „Als wir noch einen Hund hatten, ist der immer zusammengeschreckt, wenn Reinhold so laut wurde“, erzählt seine Ehefrau. Trocken fügt sie hinzu: „Im Stadion sitzen immer 60.000 Trainer“, aber die beiden hier…“ - sie zeigt auf Gilles und ihren Gatten - „…das sind die schlimmsten“. Ihr Mann winkt lässig ab: „Das ist Emotion. Das muss so sein.“

Königsblaues Reisefieber: Mit Schalke auf Tour

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  • Einmal Schalker, immer Schalker: Die Altenberger Fans in Moskau vor einem riesigen Benedikt-Höwedes-Plakat. Höwedes spielt jetzt in Moskau.

    Foto: privat
  • Die kleine Schalke-Delegation aus Altenberge posierte in Moskau mit dem russischen Bären.

    Foto: privat
  • Fürs Vereinsalbum: Die Altenberger "Eurofighter" mit Fanclub-Fahne auf dem Roten Platz.

    Foto: privat
  • Foto: privat
  • Im Stadion: Schalke gewann bei Lokomotive Moskau mit 1:0.

    Foto: privat
  • Die Altenberger Schalke-Fans am südlichsten Punkt der USA in Key West. Anlass war das Wintertrainigslager des FC Schalke 04 im Jahr 2016 in Florida.

    Foto: privat
  • 2016 in Florida - die Altenberger Schalke-Fans kamen auch da der Mannschaft ganz nah.

    Foto: privat
  • Grassau am Chiemsee: Hier bereitete sich Schalke im Sommer 2014 auf die neue Saison vor.

    Foto: privat
  • Gruppenfoto mit einem Weltstar: Marcus und Nicole Gilles 2013 mit Raúl. Das Foto entstand im Wintertrainingslager in Katar.

    Foto: privat
  • Im sommerlichen Katar bereitete sich Schalke im Winter 2013 auf die Rückrunde vor.

    Foto: privat
  • Wenn Schalke spielt, ist das für Reinhold und Ludowika Dehm sowie Lothar und Marcus Gilles wie Urlaub.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Schalke, wohin das Auge blickt. Bei Familie Dehm dominiert Königsblau.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Schalke, wohin das Auge blickt. Bei Familie Dehm dominiert Königsblau.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
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  • Foto: Wilfried Gerharz

Schottische Erinnerungen

In der königsblauen Reisegruppe kümmert er sich um die Flüge, während Gilles die Tickets besorgt. Er ist Präsident der „Eurofighter“, dank seiner Fanclub-Beziehungen bestens vernetzt - und ein wandelndes Schalke-Lexikon. „Den Marcus kannst du nachts wecken“, sagt Dehm, „und der betet dir exakt vor, wer in welchem Spiel welches Tor geschossen hat“. Zum Beispiel 2004 in Edinburgh, als Schalke 1:0 bei Heart of Midlothian gewann. Torschütze: Lincoln. „Da haben uns nachts um vier einheimische Fans bis zum Hotel begleitet, weil kein Bus mehr fuhr“, erinnert sich Gilles, „das sind einmalige Erinnerungen“.

Schalke-Fans in BVB-Flieger

„Unvergessen“ seien auch die Trainingslager in Florida oder Katar, schwärmt Dehms Ehefrau Ludowika: Tagsüber Jeep-Safari und Kamelreiten, abends „blau-weiße Nacht“ mit Tuchfühlung zu den Stars: „Damals saß Trainer Jens Keller mit uns am Tisch.“ Schmunzeln muss sie in Erinnerung an einen Rückflug aus Nizza. Der nach einem Europaleague-Spiel mit Schalke-Fans gefüllte Flieger war nämlich ausgerechnet in den Vereinsfarben des Revier-Rivalen aus Dortmund lackiert. „Dem Kapitän war das so peinlich, dass er später einen ausgegeben hat…“

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