Missbrauchsopfer brechen ihr Schweigen
„Als Kind sucht man Fehler bei sich selbst“

Rhede -

Noch heute quälen ihn Albträume. „Sexueller Missbrauch ist einer der gravierendsten Eingriffe ins Leben“, sagt der Rheder, der die Diskussion um Missbrauch durch einen Priester in Rhede ins Rollen gebracht hat. Vor fast 40 Jahren war er Messdiener in der Gemeinde „Zur Heiligen Familie“ und eines der Opfer des damaligen Kaplans Heinz Pottbäcker. 

Donnerstag, 29.11.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 29.11.2018, 07:17 Uhr
Missbrauchsopfer brechen ihr Schweigen : „Als Kind sucht man Fehler bei sich selbst“
Kinder schämen sich für den Missbrauch, geben sich selbst die Schuld - und erzählen niemanden von ihrem Leid. Foto: Nicolas Armer/dpa

Heute ist er in den 50ern, verheiratet, hat Familie. „Ich weiß, was es heißt, psychisch am Ende zu sein“, sagt er. Inzwischen spricht er über die Übergriffe, die er als Kind ertragen musste, lange konnte er das nicht.

Im Ferienlager, bei Messdienertreffen, in der Kirche, es sei überall passiert. Am Anfang seien es Umarmungen gewesen, mal ein Küsschen. „Irgendwann ist seine Hand runtergerutscht in die Hose“, erzählt er. Der Kaplan habe ihn lange und oft sexuell missbraucht.

Schweigen und Verdrängen  

Erzählt habe er davon lange niemandem. Den Eltern nicht und auch sonst keinem. „Man ist voller Scham. Als Kind sucht man den Fehler bei sich selbst.“ Dann habe er die Vorfälle lange verdrängt. „Ich war nicht in der Lage, darüber zu reden.“ Seinen Peiniger beschreibt er als „kleinen, sehr sympathischen Menschen, der in Rhede viele Anhänger hatte“.

Nach ein paar Jahren der Verdrängung hätten ihn die Vorfälle eingeholt, erzählt der Rheder unserer Zeitung. Er sei sehr krank geworden, habe posttraumatische Belastungsstörungen erlitten, sei viele Jahre in Therapie gewesen. Die letzte habe er im Frühjahr beendet.

Veröffentlichung als Schritt zur Aufarbeitung 

Den ersten Kontakt zur Kirche suchte der Rheder schon vor Jahren, hatte seitdem immer wieder mit dem Bistum zu tun. Dass es Pottbäckers Missbrauch jetzt öffentlich macht, passiert auch auf seinen Wunsch. „Das geht nicht gegen die Kirche“, sagt der Mann. Er wolle das Thema „im vernünftigen Rahmen“ und möglichst mit anderen Betroffenen aufar­beiten.

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