Vortragsabend zum Thema Salafismus
Fanatismus ohne Religion

Münster -

Salafismus, Gotteskrieger: zwei Worte, ein Schreckensbild. Mit dem Prof. Thorsten Müller von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Hagen am Dienstagabend in Münster ein wenig aufräumte. Salafismus habe im Kern wenig mit Re­ligi­on zu tun. Die sei Vehikel und Um­mantelung.

Mittwoch, 28.11.2018, 18:20 Uhr aktualisiert: 28.11.2018, 20:39 Uhr
Prof. Thorsten Möller
Prof. Thorsten Möller Foto: Ani

In Wahrheit gehe es den ins Ultra-Islamistische Abgedrehte um Aner­kennung. Die die in Deutschland lebenden Salafisten anderswo offenbar nicht erführen. „Was ein besonderes Licht auf die Integrationsbemühungen der vergangenen Jahre wirft“, so der Politikwissenschaftler.

„Deutsche IS-Kämpfer und die Bedrohung durch den Salafismus in Deutschland.“ Unter diesen Titel hatte Müller seinen kurzweiligen Beitrag gestellt. Er fand im Rahmen der Wintervorträge statt, die die Deutsch-Atlantische Gesellschaft, die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Deutsch-Niederländische Korps organisieren. Das Interesse war groß.

10.000 Salafisten leben in Deutschland 

So wie die Gefahr. Vor Jahren, so Müller, hätte die Terrororganisation Islamischer Staat die in Europa radikalisierten Muslime noch aufgefordert, in den Irak oder nach Syrien zu gehen, um dort für den IS zu kämpfen. „Inzwischen fordert er die Leute auf, Anschläge in Eu­ropa auszuüben.“

Etwas mehr als 10 000 Salafisten leben in Deutschland – bei knapp 4,5 Millionen Muslimen eine überschaubare Zahl. „15 bis 20 Prozent von ihnen sind gewaltbereit“, so Müller. Am radikalsten seien übrigens die Konvertiten.

Radikalisierung durch die Szene 

Die Radikalisierung der zumeist jungen Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren erfolge nicht – wie oft kommuniziert – in erster Linie über das Internet, sondern vor alle durch die Szene (40 Prozent), die durch Aktionen wie „Lies“, im Rahmen derer kostenlos Koran-Ausgaben verteilt wurden, ihre künftigen Jünger ansprächen.

61 Prozent der in Deutschland lebenden Salafisten wurden auch hier geboren. „Wie kann jemand, der hier lebt, das Land so hassen, dass er es vernichten möchte?“ Gute Frage, schwie­rige Antwort: Die aber auch mit dem Versagen von Integration zu tun habe, befand Müller. Und schlug den Bogen zum Anfang.

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