Weihnachtsbäume
Mehr als eine einfache Tanne

Münsterland -

Schlagen, aufstellen, schmücken, staunen: So ein Weihnachtsbaum macht im Advent viel mit – und er hat auch seine ganz eigene Kraft. Denn auf ihn mag keine Familie verzichten – und oft ist schon die Auswahl eine demokratische und nicht ganz unemotionale Angelegenheit. WN live haben Weihnachtsbaumzüchter aus dem Münsterland erzählt, was in den Wochen vor Weihnachten auf ihren Höfen geschieht und was die Bäume mit ihnen und ihren Kunden machen.

Dienstag, 11.12.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 11.12.2018, 11:41 Uhr
Weihnachtsbäume: Mehr als eine einfache Tanne
Foto: colourbox.de

Am Computer entwirft Annette Stegemann gerade die Geschenkgutscheine, die bald in den Druck gehen. Ihr Mann Hermann Josef hat die Bäume draußen rund um den Hof im Blick und sorgt sich um den Regen, der einfach nicht kommen mag. Noch immer ist das Erdreich knochentrocken. Die ersten Fichten sind braun und verdörrt. Dennoch: Die Lust auf die Saison ist spürbar. Spätestens mit dem ersten Adventswochenende beginnt bei Stegemanns das Weihnachtsfieber. Und ihre Kunden auf dem Hof lassen sich liebend gerne anstecken und entschleunigen. „Es kann schon mal sein, dass sie ein, zwei Stunden brauchen, um den richtigen Baum zu finden“, sagt Landwirt Stegemann. Andere streifen durch die Schonung und fällen ihren Favoriten nach intensiver Auswahl selbst. „Das hat Event-Charakter.“

Bäume machen kreativ

Die Weihnachtsbäume machen die Familie, die schon in dritter Generation Nordmanntannen und Fichten züchtet, kreativ. Zur Baumauswahl reichen sie einen Glühwein. Firmen bieten sie an, Kunden oder Mitarbeiter zum Weihnachtsbaumschlagen einzuladen und die historisch-gemütliche Tenne zu nutzen. Sie erinnern sich an die romantische Stimmung, die der Schnee am zweiten Advent des Vorjahres vor die Tenne zauberte. Vor allem aber sind es Aspekte wie Regionalität und Nachhaltigkeit, die die Kunden in die Borghorster Bauerschaft Ostendorf ziehen. „Ich säge nicht mehr ab, als ich auch wirklich verkaufen kann“, beschreibt Stegemann seine Haltung. Wer am 24. Dezember kurz vor knapp kommt, muss damit rechnen, dass er zur Auswahl mit in die Schonung muss.

Allerdings rät er in diesem Jahr ohnehin zur Gelassenheit: Wegen des trockenen Sommers müsse man damit rechnen, dass die Bäume eher als sonst ihre Nadeln verlieren. Sein Tipp:

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Hermann Josef Stegemann züchtet Weihnachtsbäume in Steinfurt. Foto: Bernd Schäfer

„Unser Advent ist anders“

Ein Umstand, der einen Trend zum Adventsbaum hat entstehen lassen. „Viele Kunden besorgen den Weihnachtsbaum recht früh, stellen ihn dann aber erst noch in den Garten, dekorieren ihn und holen ihn zu den Feiertagen ins Haus“, hat Dörte Püning beobachtet. Auch auf dem Hof ihrer Familie in Everswinkel beginnt mit diesem Wochenende der Hochbetrieb: Jede Menge Bäume auf dem Hof, ein Planwagen-Shuttle in die Schonung für diejenigen, die ihren Baum selbst aussuchen und schlagen wollen. Konzentrierte vier Wochen geht es bei Familie Püning einzig um die Tanne.

Weihnachtsbäume: Wissenswerte Zahlen

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  • Wie alt sind die meisten Weihnachtsbäume? Wie groß ist die größte Anbaufläche für Weihnachtsbäume in NRW? Und welche Tannen-Art wird am häufigsten verkauft? Zahlen, bitte! 

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„Unser Advent ist anders“, schmunzelt die zweifache Mutter und denkt neben viel Arbeit an viel Zeit mit den Angehörigen. Denn nicht nur ihr Mann, die Schwägerinnen und Schwiegereltern sind in den Verkauf und die Logistik eingebunden. Inzwischen sind auch ihre Verwandten im Boot. „Wir haben in dieser Zeit andere Adventsmomente. Das kann auch schon mal die Tasse Kaffee auf die Schnelle im Aufenthaltsraum sein, wenn es mal fünf Minuten ruhiger ist.“ Sie alle sind sich in diesen Wochen nah, arbeiten Hand in Hand, verbringen viel Zeit miteinander. Das schweißt zusammen. Jahr für Jahr.

Bauchkribbeln im Herbst

Ein Moment weit vor Weihnachten wecke bei ihnen allen die Vorfreude: „Wenn wir beginnen, die Bäume im Herbst zu etikettieren“, sagt Dörte Püning, habe das Streifen durch die Schonungen um den Hof etwas ganz Besonderes. Die Auswahl der Bäume, die im kommenden Advent geschlagen werden sollen, erfordere Zeit und Erfahrung und lasse „das erste Bauchkribbeln entstehen“.

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Vor Beginn der Saison markieren Züchter die Bäume, die gefällt und gekauft werden sollen, je nach Preis mit verschiedenen Etiketten. Foto: colourbox.de

In diesem Jahr habe der Augenblick aber auch etwas Skurriles an sich gehabt, als sie im T-Shirt bei sommerlichen Temperaturen durch die Reihen liefen. Nur kurze Zeit später hätten auch die ersten Kunden ihre Runden zwischen den Nordmännern und Fichten gedreht, um ihre Favoriten auszusuchen. Manche Exemplare sind mit Namensschildern reserviert, andere zieren Kinderbilder. „Mancher Gast entwickelt fast eine Beziehung zu seinem Baum“, erzählt die Betriebsleiterin. Und so sei der Tag des Weihnachtsbaumkaufs vielen einen Ausflug mit der ganzen Familie wert. „Sie möchten einen schönen Tag hier verbringen und Advents-Atmosphäre schnuppern.“

Und auch wenn vor allem das Wochenende vor dem Heiligen Abend immer wieder trubelig ist und Schnee und Nässe wie im vergangenen Jahr jede romantische Stimmung dämpfen, nennt Dörte Püning es „positiven Stress“, was sich meist erst an den Festtagen auswirkt. Denn wenn die Anspannung nachlässt, kommt die Müdigkeit. „An Weihnachten schlafen wir alle gut“, erklärt sie lachend.

 

So bleibt der Weihnachtsbaum länger frisch

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  • Der erste und wichtigste Schritt ist getan: Der Weihnachtsbaum ist gekauft. Damit er auch noch an Weihnachten so frisch aussieht wie am ersten Tag, müssen ein paar Dinge beachtet werden. Hier sind die sechs wichtigsten *Pflegetipps:


    * Quelle: Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger

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  • Bewahren Sie den Baum nach dem Kauf im Netz an einer sonnen- und windgeschützten Stelle im Freien oder in einer kühlen Garage auf.

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  • Um das Austrocknen zu verhindern, ist es vorteilhaft, den Baum in einen Eimer Wasser zu stellen.

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  • Am besten ist es, den Baum einen Tag vor dem Schmücken aufzustellen. Er braucht diese Zeit, um die Äste wieder in die richtige Position zu bringen. Erst dann sollte man ihn schmücken.

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  • Den Baum mit Netz in den Weihnachtsbaumständer stellen und dann das Netz von unten nach oben aufschneiden und abnehmen.

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  • Ein etwa zwei Meter hoher Weihnachtsbaum benötigt bis zu zwei Liter Wasser am Tag. Deshalb ist es günstig, einen Baumständer mit Wasserbehälter zu wählen. Ideal ist es, den Baum vor dem Aufstellen zwei bis drei Zentimeter frisch anzuschneiden und täglich zu gießen.

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  • Die größte Gefahr des Nadelns besteht, wenn der Baum unmittelbar vor die Heizung oder den Kamin gestellt wird.

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Zum Thema

Besser mit Ballen?

Die Waldschutz-Organisation Robin Wood rät ab von Weihnachtsbäumen im Pflanztopf. „Meist sind die Wurzeln der Bäume stark verletzt, weil sie kurz vor der Auslieferung mit dem Spaten für den Topf passend gemacht werden“, heißt es in einem Statement der Initiative. Zudem seien die Bäume aus der Winterruhe gerissen, wenn sie ins Warme gestellt werden. „Etliche erfrieren dann später oder wachsen nicht mehr richtig an.“ Robin Wood verweist als Alternative auf die steigende Zahl an Öko-Erzeugern, die Siegel wie Demeter, Bioland, das EU-Bio-Siegel oder ein FSC-Zertifikat tragen. Sie verzichten auf den Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngern. |  Weitere Informationen von Robin Wood zu ökologisch zertifizierten Weihnachtsbäumen

Saatgut aus Georgien

Weil sie ein besonders schönes Wuchsbild haben, stammt das Saatgut für die meisten Nordmanntannen aus Georgien. Dort werden die Zapfen in bis zu 60 Metern Höhe von Hand gepflückt, das Saatgut gewonnen und an Baumschulen verschickt. Nach zwei Jahren in der Baumschule gehen die kleinen Pflanzen zu den Züchtern. Bis sie zwei Meter hoch sind, vergehen laut Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger bis zu 14 Jahre. 

Online bestellen?

Laut Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wächst die Zahl der Weihnachtsbäume, die online gekauft werden, stetig, aber auf niedrigem Niveau. Inzwischen liefern die Anbieter sogar fertig geschmückte Bäume an den Wunschort. Viele regionale Betriebe haben den Trend für sich umgesetzt und bieten ebenfalls Liefermöglichkeiten und „Tannen-Taxis“ an. 

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Berühmte Bäume im Advent

Ihr Glanz strahlt weiter als das Licht ihrer Kerzen: Weltweit gibt es eine Handvoll Weihnachtsbäume, die Promi-Status haben. Sie stehen für die Weihnachtsstimmung in einer ganzen Stadt. Ihr Strahlen erhellt Weltmetropolen und macht sie zu Anziehungspunkten in der vorweihnachtlichen Zeit – für das Weihnachtsshopping oder einfach nur zum Anschauen und Genießen. [ Weitere Promi-Status-Weihnachtsbäume finden Sie hier ]

Top Five : Die schönsten Weihnachtsbäume weltweit

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  • 1. Platz: Galeries Lafayette, Paris, Frankreich – Ein Schmuckstück im Zentrum – Jahr für Jahr mit einem neuen Motto. In diesem Jahr geht es um Kinderhelden.

  • 2. Platz: Puerta del Sol, Madrid, Spanien – Über Tag ist das kegelförmige Drahtgeflecht dezent, bei Dunkelheit leuchtet das 35 Meter hohe Gebilde  in vielen Facetten.

  • 3. Platz: Federation Square, Melbourne, Australien: 3500 Gramm Legosteine sind das Baumaterial des grün-roten Exemplars.

  • 4. Platz: Domplatz, Vilnius, Litauen: Immer neu interpretiert wird der Weihnachtsbaum in Vilnius. Buden sind im Rondell um ihn herum angeordnet.

  • 5. Platz: Rockefeller Center, New York, USA: eine Institution seit 1933.

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