Urteil im Mordprozess
Lange Haftstrafen für Jugendliche nach lebensgefährlichen Schüssen

Westerkappeln/Münster -

Waren die lebensgefährlichen Schüsse auf einen 22-Jährigen in Westerkappeln heimtückisch geplant oder eine „absolute Spontanreaktion“? Diese Frage hatte das Landgericht Münster am Montag zu entscheiden. Die drei jugendlichen Angeklagten erhielten lange Haftstrafen.

Montag, 17.12.2018, 12:13 Uhr aktualisiert: 17.12.2018, 12:20 Uhr
Urteil im Mordprozess: Lange Haftstrafen für Jugendliche nach lebensgefährlichen Schüssen
Die Angeklagten (16, 17 und 18 Jahre alt) wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt. Foto: Frank Klausmeyer

Drei junge Männer sind am Montagvormittag am Landgericht Münster zu mehrjährigen Jugendhaftstrafen wegen gemeinschaftlichen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Sechs Jahre und drei Monate muss der 17-jährige Hauptangeklagte in Haft, die beiden mitangeklagten 18-Jährigen erhielten Haftstrafen von vier beziehungsweise fünf Jahren. 

In allen Fällen wirkten sich die vollen Geständnisse der drei Angeklagten, die sich nur in Nuancen voneinander unterschieden hätten, strafmildernd aus, begründete das Gericht das Urteil. Strafverschärfend sei hingegen die „klare Tötungsabsicht” gewesen. 

Grube schon ausgehoben

Während der Verhandlung hatte der zur Tatzeit 16-Jährige gestanden , in der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag einen 22-jährigen Mann in seiner Wohnung durch ein Fenster niedergeschossen zu haben. Er räumte ein, dass er den 22-Jährigen habe „kalt machen“ wollen. Das Opfer schwebte anfangs in Lebensgefahr. Auf einem Spielplatz hatten die Angeklagten schon eine Grube ausgehoben, in der die Leiche des Opfers verscharrt werden sollte. 

Die Verteidiger des Hauptangeklagten hatten darauf plädiert, dass ihr Mandant nicht wegen Mordes zu verurteilen sei, da der junge Mann nicht heimtückisch auf einen arg- und wehrlosen Mann geschossen habe. Schließlich habe der 22-Jährige ein Messer griffbereit neben dem Bett liegen haben. Dem folgte das Gericht, ein anderes Argument verfing hingegen nicht.

Spielplatz Frank Klausmeyer

Auf diesem Spielplatz an der Timpenstraße sollte die Leiche des Opfers verscharrt werden. Foto: Frank Klausmeyer

Keine „absolute Spontanreaktion“

Der Hauptangeklagte hatte vor Gericht ausgesagt, dass er dem 22-Jährigen lediglich eine „Abreibung“ verpassen wollte, weil dieser seine Cousine sexuell belästigt und ihr Drogen verkauft habe. „Das hat wohl den Beschützerinstinkt in ihm geweckt“, meinte einer der beiden Verteidiger. Die  drei Schüsse seien eine „absolute Spontanreaktion“ gewesen , so der Anwalt. 

Das Gericht war hingegen davon überzeugt, dass allen drei Jugendlichen klar gewesen sei, dass das Opfer umgebracht werden sollte. 

„Alleine hätte keiner der Angeklagten die Tat ausgeführt”, begründete das Gericht das Urteil gegen das Trio, allerdings sei der Jüngste „eindeutig Chef im Ring” gewesen. Zudem wird ihm zusätzlich die Anstiftung zum versuchten Mord zu Last gelegt. Nach der Tat hatte der heute 17-Jährige nach Überzeugung des Gerichts einen 19-Jährigen aufgefordert, das im Krankenhaus liegende Opfer umzubringen.

Fenster Katja Niemeyer

Durch dieses Seitenfenster wurde auf den 22-Jährigen geschossen. Foto: Katja Niemeyer

Der Staatsanwalt hatte eine Haftstrafe von acht Jahren wegen versuchten Mordes für den Hauptangeklagten sowie Strafen von sechs bzw. vier Jahren und zehn Monaten für die beiden Mitangeklagten gefordert.

In dem in diesem Fall angewandten Jugendstrafrecht wäre sowohl für versuchten Mord als auch für versuchten Totschlag eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren möglich.

Bluttat in Westerkappeln

1/7
  • Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Tätern.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Tätern.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Die Spurensicherung ist auch am Dienstag noch im Einsatz.

    Foto: Katja Niemeyer
  • In dem Haus befindet sich die Wohnung, in der der 22-jährige Westerkappelner niedergeschossen wurde.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Ein Fenster zu der Wohnung ist beschädigt.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Tätern.

    Foto: Katja Niemeyer
  • Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Tätern.

    Foto: Katja Niemeyer
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6263992?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F6265304%2F
Bürgerbus kollidiert mit Auto
Vier Schwerverletzte: Bürgerbus kollidiert mit Auto
Nachrichten-Ticker