Geiselnahme in Sporthalle
Täter in Forensik eingewiesen

Lengerich -

43 Kinder und Jugendliche sowie zwei Betreuerinnen frei und körperlich unversehrt. Das war am Montagabend die wichtigste Nachricht, als die Geiselnahme in der Zweifach-Sporthalle an der Bahnhofstraße in Lengerich beendet war. Über die Tat und den Täter wurden am Dienstag immer mehr Details bekannt.

Dienstag, 08.01.2019, 12:35 Uhr aktualisiert: 08.01.2019, 21:26 Uhr
Geiselnahme in Sporthalle: Täter in Forensik eingewiesen
Mit einem Großaufgebot war die Polizei am Montagabend an einer Sporthalle in Lengerich vor Ort. Foto: Jens Keblat

Ein offenbar psychisch auffälliger Mann hatte die Mitglieder des Vereins RSG Teuto Antrup-Wechte gegen 17.15 Uhr in seine Gewalt gebracht und mit dem Zünden von versteckten Bomben gedroht. Spezialeinsatzkräfte der Polizei Münster nahmen den 25-Jährigen um 18.20 Uhr fest. Seine Opfer waren da bereits alle in Sicherheit.

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand hat der Beschuldigte die Turnhalle und die darin trainierende Gruppe wahllos für seine Tat ausgesucht“, wird Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt in einer Pressemitteilung zitiert. Auf Grundlage eines vorläufigen psychiatrischen Gutachtens hat die Staatsanwaltschaft Münster beim Amtsgericht Münster die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubs beantragt, erläuterte Botzenhardt. Das Amtsgericht ordnete die einstweilige Unterbringung des Mannes in einer forensischen Klinik an.

Täter war Patient in LWL-Klinik 

Im Lauf des Dienstags wurden zu dem Täter, der aus Tecklenburg kommen soll, immer mehr Details bekannt. Unter anderem bestätigte Thorsten Fechtner, dass der Mann Patient in der LWL-Klinik in Lengerich gewesen ist, „allerdings kein Forensik-Patient“, betonte der Pressesprecher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. In der Forensischen Psychiatrie werden psychisch kranke Straftäter behandelt und untergebracht. Weitere Angaben zu dem Fall machte Fechtner mit Hinweis auf den Patientenschutz nicht.

Großeinsatz: Geiselnahme in Sporthalle

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  • Am frühen Montagabend hat ein 25-jähriger Mann aus dem Kreis Steinfurt die Sporthalle in Lengerich betreten.

    Foto: Jens Keblat
  • Dort bedrohte er eine etwa 40-köpfige Übungsgruppe mit dem Zünden einer Bombe, teilte die Polizei mit.

    Foto: Jens Keblat
  • Der Mann hat die Kinder dann nach und nach gehen lassen.

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  • Kurze Zeit später ließ er auch die beiden Betreuerinnen der Kindergruppe frei.

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  • Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos konnten den Mann noch in der Sporthalle festnehmen.

    Foto: Jens Keblat
  • Bei der Geiselnahme wurde nach Informationen der Polizei niemand verletzt.

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  • Die betroffenen Kinder wurden nach ihrer Freilassung betreut.

    Foto: Jens Keblat
  • Die Polizei geht aktuell von einem Einzeltäter aus.

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  • Gerüchte, dass es noch einen zweiten Täter geben könnte, bestätigten sich somit nicht.

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  • Die Bahnhofstraße war für die Zeit der Spurensicherung gesperrt.

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Angeblich hat es einen Beschluss des Amtsgerichts Tecklenburg gegeben, den Mann einzuweisen. Laut Nachrichtenagentur dpa sollte das wegen Suizidgefahr vorläufig bis zum 8. Januar – also Dienstag – passieren. Unklar blieb, wieso der Mann sich bereits am Montag wieder frei bewegen konnte.

Hintergrund für den Klinik-Aufenthalt des 25-Jährigen ist ein Vorfall, der sich am 29. Dezember ereignet hat. Der 25-Jährige hatte gegenüber der Polizei in Ibbenbüren seinen Selbstmord mit Hilfe einer selbst gefertigten Bombe angekündigt. Beamte durchsuchten daraufhin das Hotelzimmer, das der Beschuldigte in Ibbenbüren gemietet hatte. Gefunden wurde dort nur handelsübliches Silvesterfeuerwerk, allerdings in großen Mengen. Die Behörden ordneten auf dieser Grundlage die vorläufige Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

Bei der RSG Teuto Antrup-Wechte steht montags von 15.45 bis 18.30 Uhr das gemeinsame Training von Schülern und Junioren an. Vier Altersklassen seien dann in der Zweifach-Sporthalle, sagte der Vereinsvorsitzende Eckhard Haverkamp gegenüber unserer Zeitung. Die Halle werde nicht abgeschlossen, damit unter anderem die Eltern ihren Kindern zuzuschauen können. Diese Situation hat der Täter offenbar ausgenutzt.

Mit Besteckmesser und Fernbedienung 

In das Gebäude soll er ausgerüstet mit einem Besteckmesser und einer Fernbedienung gekommen sein. Unter seinen Geiseln war auch die 19-jährige Tochter des RSV-Vorsitzenden. Eckhard Haverkamp berichtete, dass sie wie andere ihrer Sportkameradinnen nach ihrer Freilassung über Whatsapp die Eltern in Kenntnis gesetzt hätten, dass beim Training etwas passiert sei. „Allerdings ging daraus nicht klar hervor, was genau vorgefallen ist. Deshalb bin ich sofort hingefahren.“ Seiner Tochter sei wie vielen der RSV-Einradfahrerinnen zunächst nicht wirklich bewusst gewesen, was sich kurz zuvor in der Sporthalle abgespielt hatte.

„Nach einigen zusammenhangslosen Forderungen ließ der Täter zunächst die Kinder und Jugendlichen gehen. Die beiden 23-jährigen Betreuerinnen konnten kurze Zeit später ebenfalls die Halle verlassen“, schilderte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Montagabend das Geschehen. Dann griffen die Spezialkräfte der Polizei zu und überwältigten den 25-Jährigen im Eingangsbereich der Halle. „Der Mann hatte bei seiner Festnahme keine Waffen dabei. Sicherheitshalber haben Polizisten mit Sprengstoffspürhunden die Sporthalle abgesucht, jedoch keinen verdächtigen Gegenstand gefunden“, erklärte Polizeidirektor Martin Mönnighoff.

Einweisung in die Psychiatrie

Gegen ihren Willen können Menschen in Deutschland nur unter ganz bestimmten Bedingungen in eine Psychiatrie eingewiesen werden. In Paragraf 11 des nordrhein-westfälischen Landesgesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (PsychKG) heißt es deutlich: „Die fehlende Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, rechtfertigt allein keine Unterbringung.“  Der Gesetzgeber hat klar geregelt, dass jemand nur kurzfristig, in einer akuten psychischen Notsituation insbesondere zu seinem eigenen Schutz  untergebracht werden kann, beispielsweise wenn sich jemand Suizidabsichten hegt oder sich aufgrund einer psychischen Erkrankung selbst gefährdet. Binnen 24 Stunden muss die Unterbringung von einem Richter geprüft werden. 
Ein anderer Fall liegt vor, wenn psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter von Gerichten nicht in Justizvollzugsanstalten, sondern in Psychiatrien geschickt werden. Gerichte ordnen diesen sogenannten Maßregelvollzug an, sofern Betroffene schuldunfähig oder vermindert schuldfähig sind - und sofern im Falle einer psychischen Störung weitere „erhebliche rechtswidrige Taten” zu erwarten sind, die Opfer seelisch oder körperlich schädigen, sie erheblich gefährden oder einen schweren Schaden anrichten. So sagt es Paragraf 63 des Strafgesetzbuches.

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Hinweis: Der Pressekodex sieht vor, dass über Suizide und Suizidversuche zurückhaltend berichtet wird. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Grund für die Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen. 

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die  Telefonseelsorge   . Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. Ergänzend können Sie das Angebot der  Krisenhilfe Münster    (0251-519005) in Anspruch nehmen und dort bis zu zehn kostenlose persönliche Beratungstermine vereinbaren.

 

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