Jagdrecht
Bauernpräsident fordert mehr Schutz vor Wölfen

Münster -

Im öffentlichen Streit um die Rückkehr des Wolfes nach NRW sieht der westfälisch-lippische Bauernpräsident Johannes Röring Gefahren für den Menschen. „Es muss befürchtet werden, dass letztendlich Menschen durch den Wolf zu Schaden kommen“, sagte Röring in Münster.

Freitag, 11.01.2019, 21:30 Uhr
 WLV-Präsident Johannes Röring
Ein Wolf steht in einem Gehege des Biotopwildpark Anholter Schweiz in Isselburg. Foto: dpa

Die westfälischen Bauern blicken auf ein gemischtes Erntejahr zurück. Während die Milchbauern gute Preise erzielen konnten, setzte der niedrige Schweinepreis die im Münsterland traditionell stark vertretenen Tierhaltungsbetriebe unter Druck. „Wir haben regional ganz unterschiedliche Betriebsergebnisse“, sagte Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) in Münster. Die Dürre und Trockenheit im Sommer 2018 sorgten gerade im Norden und Osten Deutschlands für erhebliche Ausfälle beim Getreide- und Ackerbau. Die Landwirte fordern zudem einen besseren Schutz vor Wölfen.

Kritik an „falsch verstandener Wolf-Schutzromantik“

„Das Jagen dieser Tiere muss auch in Westfalen rechtlich möglich sein“, so Röring. Gerade Weidenutztiere seien extrem gefährdet, Opfer einer „falsch verstandenen Wolf-Schutzromantik“ zu werden. Der Bauernpräsident, der auch für die CDU im Bundestag sitzt, verwies auf eine Resolution seines Verbandes. Darin wird die NRW-Landesregierung zu einem kritischeren Umgang mit Wölfen aufgefordert. Bereits 2017 hatte der Bauernverband eine Regulierung des Wolfsbestandes und damit einen begrenzten Abschuss gefordert.

In Nordrhein-Westfalen sind seit wenigen Wochen zwei Gebiete als Wolfsland ausgewiesen. Rund um Schermbeck am Niederrhein und in der Senne bei Bielefeld haben sich weibliche Wölfe niedergelassen. Dort werden jetzt Schutzmaßnahmen für Schafe und Ziegen zu bis zu 80 Prozent der Kosten gefördert. Entschädigungen für Tierrisse durch Wölfe werden zu 100 Prozent gezahlt. Der Wolf genießt laut Bundesnaturschutzgesetz allerhöchsten Schutz und darf nicht gejagt werden.

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WLV-Präsident Johannes Röring Foto: Gunnar A. Pier

Widerspruch vom Umweltministerium

Ein Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt, Klima und Verbraucherschutz (Lanuv) wies Rörings Darstellung zurück. „Wissenschaftlich ist klar belegt, dass der Wolf sich aus seinem natürlichen Verhalten heraus dem Menschen nicht nähert. Ganz im Gegenteil, er läuft weg“, sagt Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann. Anders sei es, wenn Wölfe durch den Menschen zum Beispiel an Raststätten von Menschen angefüttert werden. „Wenn so ein Wolf bettelt, kann es passieren, dass er auch mal zuschnappt.“ Daher appelliert Deitermann, dass Menschen den Kontakt zum Wolf in solchen Situationen immer meiden sollten.

Verhaltenstipps bei einer Wolfsbegegnung

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  • Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einem Wolf in freier Wildbahn begegne? Das NRW-Umweltministerium gibt für den „äußerst unwahrscheinlichen“ Fall folgende Tipps:

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nicht versuchen, sich dem Wolf zu nähern, ihn anzufassen oder zu füttern!

    Das Bild zeigt „Wolfsflüsterer“ Jos de Bruin im Naturwildpark „Granat“ in Haltern-Lavesum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nicht weglaufen, am besten stehen bleiben und abwarten, bis sich der Wolf zurück zieht.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Wenn man selbst den Abstand vergrößern will, langsam zurück ziehen.

    Foto: Bernd Thissen (dpa)
  • Man kann den Wolf auch vertreiben, indem man auf sich aufmerksam macht, zum Beispiel, indem man das Tier laut anspricht, in die Hände klatscht oder mit den Armen winkt.

    Foto: Julian Stratenschulte (dpa)
  • Da Wölfe die Nähe des Menschen mieden, sei es selbst in einem Gebiet, in dem Wölfe ihr Revier haben, äußerst unwahrscheinlich, ein Tier zu Gesicht zu bekommen, betont das Umweltministerium.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor allem bei jungen und unerfahrenen Wölfen könne es aber vorkommen, dass die Neugier stärker sei, als die Furcht.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Jede Sichtung eines Wolfs sollte möglichst bald an das zuständige Landesumweltamt gemeldet werden – in NRW unter der Nummer 02361-3050 (werktags) bzw. 0201-714488 (außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende) oder per E-Mail wolf_nrw@lanuv.nrw.de erreichbar.

    Foto: Gunnar A. Pier

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages spricht in einem Bericht zu Angriffen von Wölfen auf Menschen von einem „sehr, sehr geringen Risiko“. In den vergangenen 50 Jahren seien in Europa und Russland zusammen acht Menschen von Wölfen getötet worden, die keine Tollwut hatten. In Europa leben demnach nach Schätzungen aktuell 20.000 Wölfe, in Russland 40.000.

Schutzmaßnahmen sinnlos?

Röring nannte Schutzzäune und Schutzhunde sinnlos. „Unsere Mitglieder wollen ihre Tiere im Herbst wieder gesund in die Ställe bringen und keine Entschädigungen für gerissene Tiere“, sagte Röring. Auch hier widersprach Deitermann: „Die Erfahrungen aus anderen Bundesländer zeigen deutlich, dass durch Präventionsmaßnahmen Nutztierrisse zurückgegangen sind.“

Gutachten zum Wolf in Westfalen vorgestellt

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  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Allwetterzoo friedliche Besuchermagneten: Timberwölfe.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Dr. Matthias Quas (WLV-Vertreter im Landesjagdbeirat NRW), Laura Jacobs (WLV-Pressestelle), Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (Diplom-Biologe, Professor für Zoologie an der FU Berlin), Johannes Röring (Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands), Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) und Jürgen Reh (Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Verbandes der Jagdg...) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (Diplom-Biologe, Professor für Zoologie an der FU Berlin), Johannes Röring (Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands), Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

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  • Johannes Röring (Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

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  • Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (Diplom-Biologe, Professor für Zoologie an der FU Berlin) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Allwetterzoo friedliche Besuchermagneten: Timberwölfe.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Allwetterzoo friedliche Besuchermagneten: Timberwölfe.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Allwetterzoo friedliche Besuchermagneten: Timberwölfe.

    Foto: Gunnar A. Pier
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