Prozess um Mordfall Salzgitter fortgesetzt
Westerkappelner soll mit dem IS sympathisiert haben

Westerkappeln/Braunschweig -

Hat der Angeklagte aus Westerkappeln im Prozess um die Tötung einer vierfachen Mutter in Salzgitter sich womöglich durch den islamischen Satz „Tötet die Ungläubigen“ legitimiert gefühlt, ja geradezu aufgerufen ? Eine Islamwissenschaftlerin hat vor dem Landgericht Braunschweig am Freitag dazu als Zeugin ausgesagt und diese Interpretation nahe gelegt.

Freitag, 18.01.2019, 18:10 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 18:40 Uhr
Der angeklagte Westerkappelner – hier verdeckt beim Prozessauftakt – wurde jetzt von einer Expertin als dschihadistisch-salafistisch inspiriert beschrieben.
Der angeklagte Westerkappelner – hier verdeckt beim Prozessauftakt – wurde jetzt von einer Expertin als dschihadistisch-salafistisch inspiriert beschrieben. Foto: Verena Mai

Hat der Angeklagte aus Westerkappeln im Prozess um die Tötung einer vierfachen Mutter in Salzgitter sich womöglich durch den islamischen Satz „Tötet die Ungläubigen“ legitimiert gefühlt, ja geradezu aufgerufen ? Eine Islamwissenschaftlerin hat vor dem Landgericht Braunschweig am Freitag als Zeugin ausgesagt. Und was sie aus Chatverläufen und verschickten Bildern sowie den Aussagen der Familie des Opfers über deren Ex-Lebensgefährten erfuhr, legt diese Interpretation nahe.

Todesstrafe für „Ungläubige“?

Denn der Westerkappelner hatte seine damalige Frau, mit der er nach nicht deutschem recht verheiratet war, nach den Aussagen als Ungläubige bezeichnet. In seiner demnach immer radikaleren religiösen Überzeugung kritisierte er den Lebensstil seiner Frau, sie sollte Kopftuch tragen, zu Hause bleiben und nicht arbeiten gehen, Hosen waren für die verpönt. „Im islamischen Recht wird der Abfall vom Glauben mit der Todesstrafe belegt“, sagte die junge Wissenschaftlerin. Ob es sich um eine Legitimation oder sogar ein Gebot handle, fragte eine Richterin nach. Ein Gebot, sagte die Zeugin.

Allerdings müsse zuvor eine Verwarnung erfolgen und es die Möglichkeit zur Reue geben, gab die Frau zu bedenken. Einer der Nebenkläger fragte daraufhin, ob das Ermahnen und Schwören lassen auf den Koran, das der Angeklagte seiner Frau abverlangt haben soll, so eine Legitimation sein könne. Dann sei nach den Gesetzen der Scharia die Todesstrafe zu vollziehen, wenn sich danach nichts getan habe, bejahte die Islamwissenschaftlerin.

Der Westerkappelner hatte laut Anklageschrift die seinerzeit von ihm getrennt lebende Frau im Mai 2018 in Salzgitter vor den Augen ihrer vier Kinder erschossen und ihre Schwester schwer verletzt.

Besucher einer polizeibekannten Moschee

Der Angeklagte war nach den Ausführungen der Wissenschaftlerin Besucher einer polizeibekannten Moschee in Ibbenbüren, aus der mindestens drei Mitglieder offenbar mit dem Wissen des Imams nach Syrien ausgereist sind, in der salafistische Überzeugungen gepredigt und häusliche Gewalt legitimiert werde.

Die Islamwissenschaftlerin zeichnete das Bild eines dschihadistisch-salafistisch inspirierten Mannes, eines IS-Sympathisanten, der laut der Familie des Opfers zudem nach Syrien gehen wollte, weil er sich dazu verpflichtet gefühlt haben soll.

Da meldete sich zum ersten Mal der Angeklagte im laufenden Verfahren zu Wort und wollte von der Wissenschaftlerin eine Definition für „Dschihadist“ hören, um ihre Erklärung mit dem Ausruf „abgelehnt“ abzutun und eine richterliche Ermahnung zu kassieren. Als er auch bei ihrer verlangten Erklärung für „Salafist“ zu einer Gegenrede anhob, bremste ihn sein Verteidiger.

Chef: Angeklagter litt unter Trennung

Der Waffensachverständige bestätigte, dass die am Tatort gefundenen drei Patronenhülsen aus der umgebauten Signalwaffe stammen, die der Angeklagte wohl zur Tat mitgebracht hat. Auch das Geschoss aus dem Kopf des Opfers sei aus diesem Revolver abgeschossen worden. Der Experte versicherte, dass sich auch aus dieser Waffe, bei der der Transport der Trommel offenbar wegen des Umbaus gestört ist, kein Schuss lösen könne, ohne dass sich ein Finger am Abzug befinde.

Der Arbeitgeber des Angeklagten wurde zuletzt als Zeuge gehört. Der Angeklagte sei sehr nett, versicherte der Zeuge, er habe ihn später sogar in Vollzeit einstellen wollen. Er berichtete, dass der Angeklagte sehr darunter gelitten habe, dass er seine Kinder nicht sehen konnte, weil seine Frau ihn verlassen hatte, er habe sogar geweint deswegen.

Auch von dem Sorgerechtsprozess in Tecklenburg wusste der Chef, telefonierte sogar mit dem Angeklagten am gleichen Tag, um sich über das Ergebnis zu informieren. „Umgangsrecht – das ist doch super“, will er gesagt haben, doch der Angeklagte sei nicht zufrieden gewesen. Wenige Stunden später fuhr er nach Salzgitter.

Mit Todesangst im Frauenhaus

Nachgereicht wurde im Gericht noch die Gefährdungs-Selbsteinschätzung der getöteten vierfachen Mutter, die sie damals im Frauenhaus abgegeben hatte. Sie sei mehrfach in der Schwangerschaft geschlagen worden, hatte sie dort angegeben, ein Kind sei auch mit einem Gürtel malträtiert worden von ihrem Ex-Lebensgefährten. Es bestehe eine Tötungsabsicht, hatte sie angekreuzt. Und bei der Einstufung ihrer eigenen Gefährdung wählte sie die zweithöchste Kategorie.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6330702?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Preußen sind gegen Großaspach frei vom ganz großen Druck
Sandrino Braun (l.) ist in der zweiten Saisonhälfte aus der Preußen-Elf nicht wegzudenken.
Nachrichten-Ticker