Schlüsseljahr für Papst Franziskus
Sexuelle Gewalt: Gipfel in Rom und weitere Ermittlungen in Münster

Münster/Vatikanstadt -

Das Jahr 2019 könnte nach Ansicht von Vatikan-Experten zu einem Schlüsseljahr für die Amtszeit von Papst Franziskus und seine Reformfähigkeit werden. Zumal gleich zu Beginn der Gipfel zum Thema „Sexuelle Gewalt“ ansteht. 

Mittwoch, 23.01.2019, 11:00 Uhr
Papst Franziskus steht 2019 wie selten zuvor im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Ende Februar will er die Vorsitzenden der weltweiten Bischofskonferenzen im Hinblick auf eine harte Linie gegen jede sexuelle Gewalt in der Kirche einnorden. Ob es dabei auch zu grundlegenden Reformen kommt?
Papst Franziskus steht 2019 wie selten zuvor im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Ende Februar will er die Vorsitzenden der weltweiten Bischofskonferenzen im Hinblick auf eine harte Linie gegen jede sexuelle Gewalt in der Kirche einnorden. Ob es dabei auch zu grundlegenden Reformen kommt? Foto: dpa

„Ziel ist, dass alle Bischöfe klar verstehen, was sie tun müssen, um dem weltweiten Problem des Kindesmissbrauchs vorzubeugen und es zu bekämpfen“, erklärte Vatikan-Sprecher Alessandro Gisotti. Papst Franziskus wünsche sich „keine akademische Konferenz“, sondern ein von „Gebet und Einsicht“ geprägtes Treffen.

Diesem Ziel dient offenbar auch, dass sich die Bischöfe vor ihrer Reise nach Rom einzeln mit Opfern treffen sollen. „Der erste Schritt ist das Eingeständnis der Wahrheit dessen, was geschehen ist“, heißt es zur Begründung in einem Schreiben des Organisationskomitees an die Oberhirten. Begegnungen mit Opfern würden dazu beitragen, das durch Kleriker zugefügte Leid authentisch zu vermitteln. Außerdem müssen Bischöfe und Ordensobere einen Fragebogen über Missbrauch durch Geistliche in ihren Bistümern ausfüllen. Rom möchte sich ein vollständiges Bild der Situation der Kirche machen. Zu dem Treffen vom 21. bis 24. Februar in Rom reisen die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der ganzen Welt an. Die Erwartungen sind immens, dass die katholische Kirche endlich einen Ausweg aus der schweren Glaubwürdigkeitskrise findet. Der Papst will bei allen Sitzungen dabei sein.

Fall Hein Pottbäcker soll exemplarisch aufgearbeitet werden

Die von nicht wenigen Kirchenbeobachtern geäußerte Vermutung, der Gipfel könnte grundlegende Reformen im Hinblick auf die zölibatäre Lebensform der Priester oder gar eine Revolution mit spürbar erweiterten Leitungsfunktionen von Frauen in der Kirche bringen, scheint verfrüht. Immerhin hatte Münsters Bischof Felix Genn kürzlich zu einer Abkehr vom Klerikalismus aufgerufen und ein neues Verhältnis von Laien und Priestern, Haupt- und Ehrenamtlichen, Männern und Frauen in der Kirche angemahnt. Priester und Bischöfe müssten „an vielen Stellen Macht und Einfluss abgeben“, forderte Genn. Priorität hat für Papst Franziskus, dass die Bischöfe eingenordet werden und wissen, welche Regeln und Gesetze angewandt werden müssen, um Missbrauch zu verhindern, um für die Opfer zu sorgen und um sicherzugehen, dass Fälle nicht vertuscht werden.

Das Bistum Münster ist derweil damit beschäftigt, die Scherben des jahrzehntelangen Vertuschungs- und Versetzungsskandals aufzukehren, der im November in Rhede publik wurde – wie ausführlich berichtet – und dem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung jetzt eine komplette Seite widmete. Der Fall des 2007 verstorbenen pädokriminellen Kaplans und späteren Pfarrers Heinz Pottbäcker, der 1967 in Waltrop erstmals straffällig wurde, vorbestraft war, mehrfach therapiert und ermahnt und dann zwischen Münsterland (Bösensell, Rhede) Ruhrgebiet und Niederrhein verschoben und versteckt wurde, soll, glaubt man dem Bistum Münster, exemplarisch aufgearbeitet werden.

Neue Stelle eines Interventionsbeauftragten

Wer wusste was? Wer hat Entscheidungen getroffen, versäumt oder sogar gezielt die Gefahr, die von Pottbäcker für Kinder und Jugendliche ausging, vertuscht? Aus den Personalakten geht nach Mitteilung von Bistumssprecher Stephan Kronenburg bislang lediglich die direkte Verantwortung des damaligen Generalvikars Reinhard Lettmann hervor, der Pottbäcker versetzte.

Weitere Generalvikare mit Personalverantwortung waren Hermann Josef Spital, der spätere Bischof von Trier (+ 2007) sowie Heinz Janssen (86), emeritierter Weihbischof am Niederrhein, der aber laut Kronenburg aus gesundheitlichen Gründen nicht befragt werden kann, sowie Werner Thissen, der 2014 als Erzbischof von Hamburg emeritiert wurde.

Das Bistum will nun ein Rechtsanwaltsbüro mit der externen Aktenprüfung beauftragen. Gesucht werde dann nach Personalkonferenz-Protokollen, in denen es um Versetzungen geht, aber auch nach Korrespondenzen zwischen Generalvikariat und Pfarreien.

Die neue Stelle eines Interventionsbeauftragten beim Bistum, die mit Frist zum 4. Januar ausgeschrieben wurde, soll in Kürze besetzt werden. Dessen Aufgabe wird es sein, Missbrauchsmeldungen nachzugehen, sich mit Opfern zu treffen und Aufklärungsarbeit sowie Hilfsangebote zu koordinieren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6339945?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Polizei muss Haltverbotsschilder aufstellen
Der Hansaring wird am Freitag (20. September) zur autofreien Zone.
Nachrichten-Ticker