Missbrauch
Genn: „Versetzungen sind mir ein Rätsel“

Rhede/Münster -

Die Zahl der Kirchenaustritte im Bistum Münster ist in den vergangenen Monaten offenbar ungewöhnlich stark angestiegen. Und Bischof Felix Genn zeigt in einem Interview sogar ein gewisses Verständnis.

Donnerstag, 24.01.2019, 16:44 Uhr aktualisiert: 24.01.2019, 16:51 Uhr
Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn Foto: Gunnar A. Pier

Münsters Bischof Felix Genn hat Verständnis dafür, dass Katholiken der Kirche nach dem Missbrauch durch den Priester Heinz Pottbäcker den Rücken kehren: „Ich kann die Leute völlig verstehen, die sagen: Jetzt ist Schluss mit diesem Laden“, sagte er in einem Interview mit dem WDR . Trotzdem bat er Kirchenmitglieder darum, eine andere Entscheidung zu treffen.

Dem Fernsehbeitrag zufolge haben sich mittlerweile mehr als 20 Menschen einer Selbsthilfegruppe in Rhede angeschlossen, die nach eigenen Angaben ebenfalls von Pottbäcker missbraucht worden sind. Bei den Ansprechpersonen des Bistums sind es nach Angaben eines Sprechers bislang elf.

„Phänomen Pädophilie nicht erkannt“

Genn bezeichnete es als ein „Rätsel“, dass Pottbäcker, der 2007 gestorben ist und unter anderem in Rhede, aber auch in Senden-Bösensell und Münster gearbeitet hat, trotz einer Verurteilung wegen „Unzucht mit einem abhängigen Kind” 1968 immer wieder versetzt wurde. Offenbar sei das „Phänomen Pädophilie überhaupt nicht erkannt worden“, sagte der Bischof. Und: „Wenn ich es zu verstehen suche, dann kann ich mir das nur so vorstellen, dass die gesagt haben: Der hat seine Strafe abgebüßt wie jeder andere Täter auch. Jetzt kann der wieder resozialisiert werden.“

Pottbäcker hat zwischen 1971 und 1973 in Rhede mehrere Kinder sexuell missbraucht. Trotz der Verurteilung hatte ihn der damalige Generalvikar und spätere Bischof Reinhard Lettmann dorthin versetzt. Obwohl sich Pottbäcker Kindern und Jugendlichen nicht nähern durfte, hielt er sich nicht daran. Schnell soll er bei seiner Arbeit neue Opfer gefunden haben. 1983 musste er laut Bistum eine Geldstrafe wegen sexueller Handlungen mit Jungen über 12.500 Mark zahlen.

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