Probleme mit der Post-Zustellung
„Die Situation ist ganz schlimm“

Tecklenburg-Brochterbeck -

Der Unmut über die Post-Zustellung hat sich über lange Zeit aufgestaut. Was die Bewohner der Bauerschaft Holthausen besonders empört: Besserung scheint nicht in Sicht. Dass eine zweite Mahnung vor der Rechnung zugestellt wird, eine Bewerberin eine Absage erhält, weil sie nicht zum Bewerbungsgespräch erschienen ist (die Einladung hatte sie nicht erreicht) – trauriger Alltag.

Samstag, 09.02.2019, 06:20 Uhr aktualisiert: 09.02.2019, 14:46 Uhr
Wieder keine Post: Dass die Briefkästen und Zeitungsrollen in Holthausen leer bleiben, ist für (von links) Ewald und Hildegard Schulte-Laggenbeck sowie Christa Roloff längst zur unschönen Normalität geworden.
Wieder keine Post: Dass die Briefkästen und Zeitungsrollen in Holthausen leer bleiben, ist für (von links) Ewald und Hildegard Schulte-Laggenbeck sowie Christa Roloff längst zur unschönen Normalität geworden. Foto: Mareike Stratmann

Im April 2017, sagt Hildegard Schulte-Laggenbeck beim Blick auf diverse Schriftwechsel in ihrem orangefarbenen Ordner, hat alles begonnen. Da setzte sie sich zum ersten Mal mit dem Kundenservice der Deutschen Post in Verbindung, um ihren Unmut über eine nicht ordnungsgemäße Postzustellung los zu werden. „Damals kam das Landwirtschaftliche Wochenblatt plötzlich nicht mehr regelmäßig – manchmal verspätet, manchmal gar nicht“, erinnert sich ihr Mann Ewald. Nachbarin Christa Roloff nickt. Auch sie kann ein Lied davon singen. Und mit den Dreien scheinbar auch die übrigen rund 30 Haushalte in Holthausen, wie sie erzählen.

Jetzt, Anfang Februar 2019, sind sie mit ihrem Latein am Ende. Denn seit einem halben Jahr ist die Situation „ganz schlimm“, sagt Hildegard Schulte-Laggenbeck und schiebt der Redakteurin einen Brief über den Tisch. „Sehen Sie, dieser Brief von der Krankenkasse ist am 10. Dezember abgestempelt, aber erst am 8. Januar zugestellt worden.“ Und das ist nicht alles: Nachbar Andreas Hüsener berichtet, dass er eines Tages eine „zweite Mahnung“ im Briefkasten hatte. Eine dazugehörige Rechnung oder auch die erste Mahnung hat er bis heute nicht gesehen. „Die Mahnung kam von einer Firma, mit der wir seit Jahren gut zusammenarbeiten. So etwas ist natürlich peinlich“, ärgert er sich. Von den fälligen Mahngebühren ganz zu schweigen.

Die Vorfälle, die die drei Anwohner aus Holthausen aus eigener Erfahrung oder aus Erzählungen von Nachbarn auflisten, sind in der Tat haarsträubend. Dass Totenbriefe erst nach der Beerdigung zugestellt wurden, haben mehrere Familien erlebt. Dass man einzelnen Rechnungen hinterher telefoniere, um auf der sicheren Seite zu sein – alles schon vorgekommen. Dass aber Bewerbungsunterlagen zurückgeschickt wurden mit dem Hinweis, dass die Bewerberin ja nicht zum Gespräch erschienen sei, schlägt dem Fass den Boden aus. „Denn die Einladung zu besagtem Termin“, so Hildegard Schulte-Laggenbeck und Christa Roloff über einen Fall aus der Nachbarschaft, „ist nie angekommen.“

Bewohner der Bauerschaft sind sauer

Fehlende Rechnungen, zu spät oder auch falsch zugestellte Briefe: In den vergangenen Monaten haben die Bewohner der Bauerschaft so einiges erlebt. Sie sind sauer: Auch, weil sie sich von der Deutschen Post im Stich gelassen fühlen. „Auf Nachfrage gibt’s dann – wenn überhaupt – immer wieder dieselben Standardantworten, man bitte um Entschuldigung und gelobe Besserung“, fasst Ewald Schulte-Laggenbeck den regen Schriftverkehr mit dem Unternehmen zusammen. „Einen zuständigen Mitarbeiter haben wir nie ans Telefon bekommen. Da fühlt man sich irgendwann nicht mehr für voll genommen.“

Auch unsere Zeitung nimmt Kontakt mit der Deutschen Post auf. Pressesprecher Rainer Ernzer geht den Problemen nach. Er bestätigt, dass die Situation im Zustellbereich Lengerich, von wo aus auch Tecklenburg und dessen Außenbereiche bedient werden, „aufgrund eines erhöhten Krankenstandes nach wie vor angespannt ist. Angesichts unseres derzeit fragilen Personalkorsetts kann es in der Tat zu Verzögerungen kommen“, bedauert er. Allerdings spricht Ernzer „von einzelnen Tagen, nicht ganzen Wochen“. Wie es zu derartigen Verzögerungen kommen kann oder dass Briefe gar nicht zugestellt werden: Der Pressesprecher kann es sich nicht erklären, hat aber den zuständigen Chef in Osnabrück in Kenntnis gesetzt, wie er sagt.

Das Prinzip „first in – first out“

Komme es zu Problemen, in deren Folge die Briefe nicht am entsprechenden Tag zugestellt werden könnten, greife bei der Post das Prinzip „first in – first out“. Was so viel heißt, dass liegengebliebene Briefe am Folgetag als erstes ausgetragen würden. Der Briefträger mache also quasi da weiter, wo er am Vortag aufgehört habe. Dass dieses in Holthausen vorgekommen ist und weiterhin vorkomme, will Ernzer überhaupt nicht leugnen. Er sagt aber auch, dass „wir mit Hochdruck daran arbeiten und für den Bereich Lengerich gerade erst drei neue Zusteller hinzubekommen haben. Weitere befinden sich derzeit in der Einweisung.“

„Die Kollegen, die da sind, tun alles, was geht. Aber sie stoßen an ihre Grenzen“, bestätigt er. Mit der Erweiterung des Teams hofft er, dass die Zustellung bald wieder zufriedenstellend laufe. „Zumindest in dieser Woche war die Situation in Lengerich und Tecklenburg stabil“, so der Pressesprecher. In Holthausen bleibt indes nur das Prinzip Hoffnung. Hoffnung auf eine dauerhaft funktionierende Zustellung. Allein der Glaube daran, der fehlt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6379652?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Zwei Unfälle mit Betrunkenen ohne Führerschein – ein Schwerverletzter
Polizeieinsätze am Freitagabend: Zwei Unfälle mit Betrunkenen ohne Führerschein – ein Schwerverletzter
Nachrichten-Ticker