Eltern im Bring- und Abholstress
Nur wenige NRW-Kitas bieten vor 7 und nach 17 Uhr Betreuung an

Düsseldorf -

Vor sieben Uhr morgens und nach 17 Uhr am Nachmittag finden Eltern in NRW nur wenige Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder. Oft sind sie im Bring- und Abholstress. Von landesweit 9567 Kindergärten haben im Kita-Jahr 2017/18 lediglich 287 zwischen sechs und 6.45 Uhr ihre Türen geöffnet, fast die Hälfte aller Einrichtungen (4943) beginnt danach den Tag um sieben Uhr. Bis einschließlich 7.30 Uhr starten weitere 4169 Kitas ihr Betreuungsangebot. Die Zahlen nennt Familienminister Joachim Stamp (FDP) in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf eine SPD-Anfrage.

Dienstag, 12.02.2019, 17:16 Uhr aktualisiert: 12.02.2019, 19:10 Uhr
Betreuung in der Kita: NRW-SPD ist unzufrieden mit den Angeboten im Land.
Betreuung in der Kita: Die NRW-SPD ist unzufrieden mit den Angeboten im Land. Foto: Gunnar A. Pier

Nachmittags schließen die ersten 454 Kitas schon vor 16 Uhr, die meisten von ihnen sogar vor 14.30 Uhr. In fast drei Viertel der Kindergärten (7008) endet die Betreuungszeit zwischen 16 und 16.30 Uhr. In der folgenden halben Stunde bis zum klassischen „Büroschluss“ um 17 Uhr schließen weitere 1724 Einrichtungen. Richtig eng wird es für Eltern, die bis 18 Uhr noch eine Betreuung für ihre Kinder brauchen: Nur 368 bieten das an, davon decken 75 sogar die Zeit bis 20 und sechs bis 22 Uhr ab.

Unzufriedenheit der Eltern mit den Betreuungszeiten

Für Dennis Maelzer , der als familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion die Kleine Anfrage gestellt hat, spiegeln die Angaben die Unzufriedenheit der Eltern mit den Betreuungszeiten wieder: „Nur vier Prozent der Kitas haben in NRW nach 17 Uhr noch geöffnet. Wir wollen, dass für alle Eltern in Nordrhein-Westfalen eine Kita mit Öffnungszeiten von sieben bis 18 Uhr wohnortnah zu erreichen ist.“ Jedes Kind solle aber nicht länger neun Stunden in der Kita sein.

Die Lage im Münsterland

Im Münsterland müssten viele Kitas ihr Angebot umstellen. Bis 18 Uhr bieten nach Meldung der Jugendämter nur vereinzelte Kitas in den vier Kreisen Betreuung an, selbst in Münster sind es nur fünf. Nur in Gronau öffnet eine Einrichtung bis 19 Uhr.

Aus der Antwort geht auch hervor, dass mit rund 6600 die Mehrzahl der Kitas mehr als 20 Tage im Jahr schließt. „Dies ist für viele Eltern, insbesondere für Alleinerziehende ein Problem“, moniert Maelzer. Er will 20 Tage als Richtwert festlegen. Ohne deutlich mehr Geld und Personal bleibe es aber bei starren Buchungszeiten.

Kommentar zum Thema

Jetzt liegt in Zahlen vor, was jedes Jahr und Tag für Tag viele Eltern vor immense Organisationsprobleme stellt: Die in den Kitas angebotenen Betreuungszeiten setzen sie unter massiven Stress, um ihre Kinder rechtzeitig vor Arbeitsbeginn zum Kindergarten zu bringen und sie vor Toresschluss abzuholen. Für Beschäftigte im Schichtdienst der Krankenhäuser oder im Einzelhandel ist Kinderbetreuung schon nicht mehr ohne zusätzliche Hilfe zu organisieren. Das trifft besonders Alleinerziehende und Familien, die das Einkommen beider Elternteile brauchen.

Natürlich ist es kaum die Idealvorstellung der Eltern, dass kleine Kinder morgens früh völlig verschlafen im Kindergarten abgegeben werden oder erst abends nach Hause kommen. Aber es ist aus der Zeit gefallen, dass Kommunen keine auf die Lebens- und Arbeitsrealität vieler Familien abgestimmten Betreuungsangebote schaffen. Wo Fachkräfte gebraucht werden, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Familienminister Joachim Stamp sollte darum die begonnene Reform des Kinderbildungsgesetzes nutzen, um die Betreuung zu modernisieren. Klar: Es braucht mehr Personal, also mehr Geld. Aber ohne geht es nicht. (Von Hilmar Riemenschneider)

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6387187?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
So will das Münsterland die Raupenplage bekämpfen
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen allergische Hautreaktionen auslösen.
Nachrichten-Ticker