Theorie und Praxis
Immer mehr fallen durch die Führerscheinprüfung

Steinfurt -

Stoppschild ignoriert, Zebrastreifen überfahren, Vorfahrt nicht beachtet - immer mehr Fahranfänger fallen durch die Pkw-Führerscheinprüfung. Dafür gibt es vielfältige Gründe. Darunter: Schulstress, Prüfungsstress - und das Smartphone.

Mittwoch, 13.02.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 06:41 Uhr
Theorie und Praxis: Immer mehr fallen durch die Führerscheinprüfung
Wandtafel mit verschiedenen Verkehrsymbolen: In Deutschland scheitern immer mehr Fahrschüler an den Führerscheinprüfungen. Foto: Swen Pförtner/dpa

Immer mehr Fahranfänger scheitern an der Pkw-Führerscheinprüfung. Vor allem die Theorie macht Schwierigkeiten: 2017 fielen vier von zehn Bewerbern  durch, berichtet das Kraftfahrt-Bundesamt , so viele wie nie in den vergangenen zehn Jahren. Auch die praktischen Prüfungen werden häufiger zur Stolperfalle. Fast jeder dritte angehende Autofahrer (32 Prozent) musste die Prüfung wiederholen. Tendenz steigend. 

Fahrlehrer Alexander Leewe (Steinfurt) macht dafür eine „Vielzahl an Gründen“ aus. Der vielleicht bemerkenswerteste: Viele Fahrschüler hätten „Probleme mit der Orientierung“, sagt Leewe, selbst in kleineren Städten wie Steinfurt oder Ochtrup. „Wer sich nicht zurechtfindet, kann sich weniger gut auf schwierige Situationen im Verkehr konzentrieren - und erst recht nicht vorausschauend fahren.“ Verkehrspsychologen haben das Smartphone als Übeltäter in Verdacht. Früher schauten Jugendliche als Beifahrer nach draußen - heute aufs Handy. „Das könnte ein Teil des Problems sein“, bestätigt Leewe. 

Außerdem habe gerade das Turbo-Abi den Stress-Pegel der Schüler deutlich nach oben geschraubt. „Alles dreht sich nur noch um die Schule.“ Damit einher gehe ein wachsender Prüfungsstress. „Den empfindet die heutige Generation viel stärker.“ Bei Führerschein-Bewerbern mit Migrationshintergrund seien sprachliche Barrieren die größte Hürde. 

"Wer gut ausgebildet ist, kann beruhigt in die Prüfung gehen"

Dabei seien die Prüfungs-Anforderungen unverändert: „Unsere Fahrprüfer sind durch die Bank nette Typen“, versichert der Fahrlehrer. „Die wollen niemanden durchfallen lassen, sie erwarten nur, dass der Schüler sicher fährt.“ „So ist es“, bestätigt Rainer Camen vom TüV Nord. „Wer gut ausgebildet ist, kann nach wie vor beruhigt in die Prüfung gehen.“ Das gelte für die Theorie wie für die Praxis. Allerdings seien die Zeiten vorbei, in denen man die Prüfungsbögen für die Theorieprüfung auswendig lernen konnte. „Heute läuft das alles nur noch über den PC. Wer da bestehen will, muss die Verkehrsregeln tatsächlich begriffen haben.“ 

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Fahrlehrer Alexander Leewe. Foto: privat

Alexander Leewe macht sich moderne Technik zunutze, um seine Schüler bestmöglich auf die Praxis-Prüfung vorzubereiten: In Youtube-Videos erklärt er das richtige Fahrverhalten an den wichtigsten Knotenpunkten im Steinfurter Stadtgebiet. Eine 360-Grad-Kamera, fest im Auto verankert, liefert dazu fast dieselbe Perspektive, die auch der Fahrer hat. Wer will, könne zudem Fahrsimulatoren nutzen, um das Autofahren praktisch zu testen - und später teurere Fahrstunden zu sparen. „Das wird manchmal belächelt, kann aber eine riesige Hilfe sein. Dann weiß der Schüler in der ersten Fahrstunde zumindest schon grob, wie es geht.“

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