Fastenzeit
Familie Bolte versucht sich im Müllverzicht

Rheine -

Manche verzichten von Aschermittwoch bis Ostern auf Süßigkeiten, andere auf Alkohol. Birgitta Bolte hat mit ihrer Familie Müll entsagt. Aus dem Projekt in der Fastenzeit vor zwei Jahren ist ein Lebensmotto geworden.

Donnerstag, 07.03.2019, 17:02 Uhr aktualisiert: 11.03.2019, 08:55 Uhr
So wenig Müll wie möglichmöchte Familie Bolte erzeugen. Angefangen hat das Projekt in der Fastenzeit – es wurde zum Lebensmotto. dpa
So wenig Müll wie möglichmöchte Familie Bolte erzeugen. Angefangen hat das Projekt in der Fastenzeit – es wurde zum Lebensmotto. dpa

Als die Verkäuferin in der Bäckerei Maren den klebrigen Amerikaner nicht über die Theke reichen will, ohne ihn in eine Papierhülle zu wickeln, stampft die Sechsjährige wütend auf. Und macht unmissverständlich klar: „Ich will dein blödes Papier nicht.“ Die Verkäuferin gibt nach und übergibt das Gebäck ohne Papier.

Marens Mutter Birgitta Bolte schmunzelt, als sie die Anekdote erzählt: „Wir waren dann alle drei glücklich, weil wir das müllfrei hinbekommen haben.“ Denn genau das ist seit zwei Jahren das Ziel von Familie Bolte. Mutter Birgitta, Vater Albert sowie die Töchter Maren und Tabea wollen Müll vermeiden.

Fasten seit der Jugend

Angefangen hat alles mit der Fastenzeit. Birgitta und Albert Bolte stammen aus katholischen Elternhäusern. Zwischen Aschermittwoch und Ostern zu fasten, ist ihnen nicht fremd. Birgitta Bolte hat mal auf Süßigkeiten, mal auf Alkohol verzichtet. Bereits als Jugendliche fastete sie. Vor zwei Jahren wollte die freiberufliche Lektorin aus Rheine etwas Neues wagen. Für 40 Tage nicht den Klassikern entsagen, sondern andere Wege gehen.

Beim Googlen stieß sie auf das Plastikfasten. Ein Thema, an dem sie Gefallen fand. Bolte trat Facebook-Gruppen bei und folgte bei Instagram Menschen, die versuchen, müllfrei zu leben. Sie wälzte Bücher und sah den Dokumentarfilm „Plastic Planet“, eine Art Standardwerk unter Anhängern der Zero-Waste-Bewegung, also Menschen, die Müll vermeiden.

BirgittaBolte

Birgitta Bolte Foto: Vera Szybalski

Ich mache das nicht nur, weil es mir Spaß macht. Die Erde ist an einem Punkt, wo wir alle umdenken müssen.

Birgitta Bolte

Welche Probleme der Plastikabfall bereitet, ist seit Monaten in aller Munde. Bilder von Seevögeln, die sich in Kunststoff verfangen haben oder einer Plastiktüte, die im Meer neben einer Schildkröte schwimmt, sind in zahlreichen Medien zu entdecken. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind für die Zero-Waste-Anhänger Triebfedern. „Wir haben nur diesen einen Planeten“, sagt Bolte. „Ich mache das nicht nur, weil es mir Spaß macht. Die Erde ist an einem Punkt, wo wir alle umdenken müssen.“

Die 42-Jährige hadert damit, dass zwar das Bewusstsein für die Sache gestiegen ist, aber viele trotzdem nicht handeln: „Alle sprechen davon, dass wir ein Problem mit Plastik haben. Da müsse die Politik und die Wirtschaft unbedingt was tun.“ Nur selbst aktiv würden die Wenigsten. „Wenn man die Industrie fragt, sagen die, der Kunde will die Verpackungen.“ Bolte schlägt vor, die Verpackungen einfach mal im Laden zu lassen. Oder die Supermärkte nicht anzusteuern. Eine Abstimmung mit den Füßen.

Vorträge über "Zero Waste"

Bolte hält mittlerweile Vorträge zum Thema Zero Waste, schreibt Kolumnen und ist in den sozialen Netzwerken unterwegs. Wie schwer es ist, Menschen von ihrem Lebensstil zu überzeugen, sieht sie in ihrem Umfeld. Ihren Töchtern stecken die Nachbarn immer noch verpackte Süßigkeiten zu. „Ich will nicht missionieren“, sagt die Rheinenserin. „Theoretisch müsste ich mit jedem in meinem Umfeld auf Konfrontation gehen. Das will ich nicht. Das ist unglaublich anstrengend.“

Ihre Familie musste Birgitta Bolte nicht lange überzeugen. Ihr Mann war schnell einverstanden, ihre Töchter waren damals vier und sieben Jahre alt. Sie haben einfach mitgemacht. „Denen ist das erst aufgefallen, als es ein Shampoostück gab. Das fanden die total spannend. Negativ wird es nur, wenn es um Süßigkeiten geht.“ Die lassen sich nicht so einfach ohne Verpackung kaufen. „Ich bin sehr streng mit mir“, sagt Bolte. „Wenn mir jemand eine Süßigkeit in einer Plastikverpackung anbietet, lehne ich ab.“ Bei ihren Kindern reagiert sie anders, ist nicht so streng.

Klimafasten: Fasten für ein besseres Klima

Es ist ein Trend, der ganz offensichtlich dem Klimawandel geschuldet ist: Klimafasten. Damit ist nicht gemeint, auf das Klima zu verzichten. Ganz im Gegenteil. Zahlreiche evangelische Landeskirchen und auch die Jugend des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) rufen zu dem Fasten für das Klima auf. Ohne Plastik oder Palmöl leben, auf Fleisch- oder sogar alle Tierprodukte verzichten, den Stromverbrauch senken oder nur noch mit dem Fahrrad fahren – es werden viele Möglichkeiten vorgeschlagen, um die Fastenzeit dem Klima zu widmen. Unter „#Klimafasten“ haben bereits in den vergangenen Jahren viele Menschen ihre Erfahrungen im Internet geteilt.

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Klimafasten als neue Idee

Die Fastenzeit nutzt Birgitta Bolte, um die Nachlässigkeiten, die sich in der Zwischenzeit bei ihren Vorhaben eingeschlichen haben, zu verringern. Es fällt ihr schwer, auf das Auto zu verzichten, während der Fastenzeit will sie es dennoch versuchen. Ihre Töchter haben sich für die Fastenzeit auch etwas überlegt. Sie wollen das Nutella weglassen. „Ob sie das schaffen, weiß ich nicht. Aber ich bin nicht dogmatisch.“

Wie lange die beiden auf die Nuss-Nougat-Creme verzichten, ist unklar. Vielleicht wird es so wie vor zwei Jahren. Da hatte die Fastenzeit kein Ende. Dass die Müllvermeidung nicht nur eine vierzigtägige Probe bleibt, wurde bei Familie Bolte eigentlich nie diskutiert. „Das hat sich einfach so ergeben. Der Ersatz funktioniert so gut, dass es kein Problem ist“, sagt Bolte. „Für mich ist das ein Lebensmotto geworden.“

Auch ihre Familie zieht voll mit, nicht nur wenn es darum geht, Amerikaner zu kaufen. Um zu sehen, ob es ihnen auch gelingt, Müll zu vermeiden, hat Birgitta Bolte im vergangenen Jahr die gelben Säcke gezählt, die die Familie verbraucht hat. Es waren vier.

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