Ein neues Mitmach-Projekt im LWL-Museum Haltern
Die Römer sind auf dem Vormarsch

Haltern -

„Uno, due, tre, quattro“ – das ist  natürlich Italienisch, nicht Latein. Gleichwohl funktioniert der Marschbefehl bei römischen Legionären. Besser jedenfalls als das Marschieren. Egal: Ralf Koritko, Niels-Benjamin Hahn und Carsten Kraft haben Spaß an diesem Tag.

Samstag, 23.03.2019, 14:00 Uhr
Angriff!Grimmig gucken können die Freizeit-Legionäre Ralf Koritko, Carsten Kraft und Niels-Benjamin Hahn (v.l.) schon. Wilfried Gerharz Wilfried Gerharz
Angriff! Grimmig gucken können die Freizeit-Legionäre Ralf Koritko, Carsten Kraft und Niels-Benjamin Hahn (v.l.) schon. Foto: Wilfried Gerharz

Mit Schild, Speer, Schwert, Wams und Helm stapfen sie auf dem Wall vor dem hölzernen Westtor entlang, suchen den Gleichschritt und haben jede Menge Spaß dabei. Koritko, Hahn und Kraft sind drei von 25 neuen Legionären, die künftig im Römermuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Haltern am See Dienst tun – und möglichst authentisch vermitteln, wie es sich vor etwas mehr als 2000 Jahren dort so lebte.

Das LWL-Römermuseum in Haltern ist vor allem aus einem Grund besonders: Es thront quasi über dem, was es zum Inhalt hat. Nach allem, was die Forschung zutage gefördert hat, scheint festzustehen, dass sich dort das Kastell Aliso befand. Von dort planten die Römer ihre Aktivitäten in Germanien – auch die Varus-Schlacht, die aus ihrer Sicht mit dem Verlust dreier Legionen endete. Eine von ihnen, die 19. Legion, war damals in Aliso stationiert.

Eine Legion zum Leben erwecken

„Aliso braucht dich!“ So lautete im Oktober 2018 der Aufruf des LWL. Der Plan: Die 19. Legion soll zu neuem Leben erweckt werden. Von den Reaktionen ist Museums-Leiter Dr. Josef Mühlenbrock immer noch angetan. „Gesucht haben wir um die 25 Legionäre“, erzählt er. Beworben hatten sich mehr als doppelt so viele. Mühlenbrock konnte also wählen. Koritko, Hahn und Kraft hatten Glück und gehören seitdem dazu.

Wer ein Legionär werden will, muss natürlich wissen, was einen römischen Soldaten und dessen Leben ausmacht. Also machen die Rekruten zunächst das, was jeder Neuling, der etwas werden will macht: eine Grundausbildung. Nur, wie lernt man Legionär?

Schweiß vor Erfolg

Hier kommen die Truppen der „Ersten Cohorte Opladen“ und der „Legio XIX cohors III Bergkamen“ ins Spiel. Freizeit-Römer sind das, die ihr Legionärs-Dasein seit Jahren und mit dem nötigen Ernst betreiben. Centurio der Bergkamener Kohorte ist Wolfgang Hoffmann. Er habe, erzählt der Kamener, der im normalen Leben als haustechnischer Angestellter in einer Werkstatt für Behinderte arbeitet, „einfach Spaß an Geschichte und deren Vermittlung“. Besonders angetan hat es ihm die Römerzeit. Also arbeitet er im LWL-Museum immer mal wieder mit und geht in Schulen. Seit 2008 schlüpft er in die Rolle des Centurio Quintus Varius.

Römer-Lehrlinge in Haltern

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  • Stillgestanden: Die Freizeitrömer Ralf Koritko, Niels-Benjamin Hahn und Carsten Kraft (v.l.) bewachen das Torhaus im LWL-Römermuseum.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Richtiges Marschieren will gelernt sein.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Proppere Kerle in Uniform.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wer ein echter Freizeit-Römer ist, stellt seine Ausrüstung natürlich selbst her.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ein Schild der Legio XIX cohors III Bergkamen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wintertags waren kalte Füße in Römersandalen damals wie heute garantiert.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Mann sieht es: Ralf Koritko ist mit Spaß bei der Sache.

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  • Ohne Worte...

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Jeder nur ein Kreuz: Daran befestigten die Legionäre ihre Ausrüstung.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Römer-Lehrlinge in Haltern Foto: Wilfried Gerharz
  • Römische Gürtelschnalle, auch die fertigten die Soldaten damals wie heute selbst.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Rührt Euch: Das Legionärstrio tritt am 31. März im LWL-Römermuseum in Haltern auf.

    Foto: Wilfried Gerharz

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Meint in diesem Fall: Wer sich als Legionär in schnieker Uniform herausputzen will, muss erst einmal dafür sorgen, dass er eine Uniform hat. Tuniken nähen stand also auf der Agenda des ersten Workshops. Alle vier Wochen treffen sich die Rekruten, Ausbilder und Josef Mühlenbrock am Wochenende in Haltern. In einem Blog berichtet der Museumsleiter über die Lehr- und Lernstunden.

Auf Theorie folgt Praxis

Auf Praxis folgt Theorie folgt Praxis: So haben die Nachwuchsrömer ihre Tuniken, Gürtelschnalle und Sandalen selbst hergestellt, Grundzüge des Marschierens sowie einfache Gefechtsformationen gelernt, sich Wissen angeeignet über das Militär im alten Rom und das Leben der Legionäre.

Mir macht es Spaß, in Rollen zu schlüpfen.

Ralf Koritko

Koritko, Hahn und Kraft, das Trio dieses Tages, ist von all dem nachhaltig begeistert. Ralf Koritko, 59, Krankenpfleger aus Dülmen, mag vor allem „den Zeitsprung“. 15 Jahre lang hat der sommertags in Dänemark in einem Mittelalter-Dorf mitgewirkt. „Mir macht es Spaß, in Rollen zu schlüpfen“, sagt er und die „Welt der Gegenwart mit der der Vergangenheit zu vergleichen“. Niels-Benjamin Hahn studiert in Köln Geschichte und ist „über Asterix und Obelix mit den ­Römern in Berührung gekommen“. Carsten Kraft ist Historiker, arbeitet im Museum und hat von daher schon eine besondere Affinität zum Thema. „Die Legionärsausbildung“, sagt er, „macht einfach Spaß.“

Römer-Lager neu errichten

Das Ausheben von Truppen ist natürlich weder Selbstzweck noch Marotte laienspielverrückter Römer-Fans. Das Ausbilden der Legionäre ist Teil eines Konzepts, das das Museum im 25. Jahr seines Bestehens ersonnen hat. Der LWL hat in Haltern Großes vor. Hinter dem rekonstruierten Westtor des früheren Kastells erstreckt sich seit Jahr und Tag eine große Freifläche. Dort vermuten Archäologen das frühere Hauptlager der Römer. „Und das soll nicht nur ausgegraben, sondern in den kommenden Jahren quasi neu errichtet werden“, sagt Mühlenbrock. Und zwar so authentisch wie möglich.

Als Erstes soll das alte Torhaus wiedererrichtet werden. Dass es das gab, ist belegt. In seinem Inneren lagerten die Römer einst ihre Kampfmaschinen. Gebäude für Soldaten, Wohnhäuser für höhere Offiziere: All das soll quasi auferstehen. Dafür, dass alles so authentisch wie möglich aussieht, wird ein Bauhistoriker sorgen, der die Ergebnisse der Archäologen mit dem Wissen um Gebäude aus anderen Kastellen und Römerlagern kombiniert.

Marschieren will gelernt sein

Was aber wäre ein Römerlager ohne Römer? Also erwacht die 19. Legion wieder zu neuem Leben. Dank Männern wie Ralf Koritko, Niels-Benjamin Hahn und Carsten Kraft und deren Kameraden. Am 31. März werden die Rekruten offiziell zu Legionären. Mit einem Fest beendet das Museum die Winterpause des Freigeländes. Die „Erste Cohorte Opladen“ ist dann da, die „Legio XIX ­cohors III“ aus Bergkamen und eben die neue 19. Legion aus Haltern.

„Knapp 50 Römer, die ein Lager aufbauen und all das zeigen, was sich dort abgespielt hat“, freut sich Mühlenbrock. Living History, gelebte Geschichte. Bis dahin ist noch ein bisschen zu tun – und zu lernen. Marschieren können beispielsweise. So wie es Koritko, Hahn und Kraft an diesem Tag üben. Mithilfe von Marschbefehlen, die vom preußischen Militär übernommen und übersetzt wurden, weil niemand heute weiß, ob die Römer so etwas damals auch kannten. Eike Hoffmann, der Sohn des Centurio Wolfgang Hoffmann und als sogenannter Optio dessen Stellvertreter, gibt den Takt vor: „Uno, due, tre, quattro…“

Das LWL-Römermuseum in Haltern wird 25 Jahre alt

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  • Kuchen zum Geburtstag: Das LWL-Römermuseum in Haltern wird 25.

    Foto: Prahl-Recke
  • Der Museumsgeburtstag wird mit frisch gebackenem Brot und römischen Gewürzwein gefeiert.

    Foto: LWL/P. Jülich
  • Das LWL-Römermuseum sucht Rekruten für eine neue Truppe, die über den Winter in Kursen am Museum ausgebildet werden.

    Foto: LWL/P. Jülich
  • Römer live! "Echte" Römerinnen und Römer geben am Museumsgeburtstag Einblick in die römische Lebensweise.

    Foto: LWL/P. Jülich
  • Bilder, Filme und Präsentationen werfen einen Rückblick auf 25 Jahre Römermuseum, wie auf die Sonderausstellung "Die letzten Stunden von Herculaneum" 2005.

    Foto: LWL
  • Die große Varusschlacht-Ausstellung "Imperium" im Jahr 2009 war mit über 165.000 Gästen die besucherstärkste des Museums.

    Foto: Atelier Hähnel-Bökens
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