Ein Piks schützt die ganze Herde
Noch besteht keine Impfpflicht – Änderung bei Masern in der Diskussion

Ochtrup -

Impfung oder nicht - daran entzündet sich ganz aktuell eine riesige Diskussion. Auch in Ochtrup sprechen sich die Mediziner durchaus für eine Impfpflicht aus. Die Töpferstadt stellt sich in der Debatte aber als kleine „Insel der Glückseligkeit“ heraus.

Montag, 25.03.2019, 16:45 Uhr aktualisiert: 27.03.2019, 12:35 Uhr
Es ist ein kleiner Piks, mit dem teilweise sogar gegen vier verschiedene Kinderkrankheiten geimpft werden kann.
Es ist ein kleiner Piks, mit dem teilweise sogar gegen vier verschiedene Kinderkrankheiten geimpft werden kann. Foto: Susanne Menzel

Es ist ein kleiner Piks, der oft in doppeltem Sinne mit großem Geschrei endet: Wen die Nadel schmerzhaft getroffen hat, reagiert zunächst einmal mit leisem Weinen oder alternativ mit lautem Gebrüll gegen den Sekundenschmerz. Die anderen sind die Impfgegner, die sich gegen jegliche Art der Immunisierung gegen Kinderkrankheiten aussprechen.

„Dabei sind Impfungen definitiv wichtig, bei Groß und Klein“, betont Hausarzt Dr. Sebastian Gesenhues . „Weltweit ist die Impfrate steigend. Nur Deutschland liegt im internationalen Vergleich zurück.“ Dabei präsentiert sich Ochtrup noch als positive Ausnahme im Land. „Es gibt hier nur eine geringe Zahl derer, die eine Impfung für sich oder ihre Kinder ablehnen“, lauten Gesenhues‘ Erfahrungen.

In der 30-jährigen Praxisgeschichte gab es bei uns noch keinen Fall eines Impfschadens.

Dr. Sebastian Gesenhues

„Eine Impfung schützt nicht nur jenen, der diese Immunisierung erhält, sie bildet auch eine Art Herdenschutz aus“, erläutert er das Prinzip. „Indem Menschen nicht an Masern, Röteln oder Keuchhusten erkranken, können sie auch andere nicht anstecken. Und: Eine Impfung dämpft die Auswirkungen einer Erkrankung ein. Sie verhindert, dass Schwerkranke, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, involviert werden.“

Es sind vor allem mögliche Impfschäden, die die Gegner immer wieder als Argument ins Feld führen. „In der 30-jährigen Geschichte unserer Praxis“, so Sebastian Gesenhues, „hat es bei durchschnittlich 20 Impfungen pro Tag bei uns noch nicht einen einzigen Fall von Impfschaden gegeben.“ Nicht auszuschließen, so der Mediziner, „sind leichte Reaktionen des Körpers an der Einstichstelle. Das können zum Beispiel Rötungen sein. Oder es entwickelt sich leichtes Fieber. Aber beides ist nicht bedenklich, sondern eher als positives Zeichen zu sehen, dass der Körper reagiert.“

In Ochtrup besteht bei Kleinkindern ein fast vollständiger Impfschutz.

Dr. Sebastian Gesenhues

In Gemeinschaftspraxis Gesenhues & Partner würden Mütter und Väter mit ihren Kleinkindern im Rahmen der regulären Vorsorgeuntersuchungen auf die Impfempfehlungen angesprochen, dabei werde auch der Impfausweis kontrolliert. Wobei sich Eltern durchaus auch gegen eine Impfung entscheiden können, denn eine gesetzlich geregelte Pflicht dazu gibt es momentan noch nicht. „Wir haben aber bislang keine Ablehnungen festgestellt. Sicherlich gibt es allerdings an der einen Stelle größeren Aufklärungsbedarf als an der anderen“, so Gesenhues. Nach seiner Information „besteht in Ochtrup bei Kleinkindern ein fast vollständiger Impfschutz. Bei den Schuleingangsuntersuchungen liegt die Impfquote immerhin noch bei 95 Prozent.“

Neben Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung wird im Jugendalter (zwischen neun und 14 Jahren) seit längerem auch die Impfung der Mädchen gegen Gebärmutterhalskrebs empfohlen. Diese Schutzmaßnahme wurde jetzt auch auf die Jungen ausgeweitet. Gesenhues: „Sie können zwar nicht an Gebärmutterhalskrebs erkranken, aber – soviel steht inzwischen fest – auch der männliche Bevölkerungsteil kommt als Überträger in Betracht.“

Dr. Sebastian Gesenhues

Dr. Sebastian Gesenhues Foto: privat

Ebenfalls neu in die Impfempfehlungen aufgenommen wurde die Immunisierung gegen Gürtelrose. Sie entsteht als Zweiterkrankung durchlebter Windpocken und gilt also für jene, die bereits daran erkrankt waren. „Sie wird seit Dezember vergangenen Jahres praktiziert“, erklärt Gesenhues. Die Immunisierung gegen Gürtelrose wird bei den über 60-Jährigen sowie bei chronisch Erkrankten mit einem Todimpfstoff durchgeführt. „Auch gegen Windpocken gibt es im Kleinkindalter mittlerweile eine Impfung“, betont der Ochtruper Arzt.

Und er weist darauf hin, „dass aber nicht nur die Impfungen im Kleinkind- und Jugendalter schützen, sondern vor allem die Grippeimpfung, die gerade für Ältere und chronisch Erkrankte besonders wichtig ist.“

Aktuell überlegt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) übrigens die Einführung einer Impfpflicht gegen Masern.

So reagieren die Kitas

„Es besteht keine Impfpflicht. Daher dürfen wir ungeimpfte Kinder auch nicht ablehnen“, betonen die Einrichtungsleiterinnen der Ochtruper Kitas. „Allerdings wurden ungeimpfte Kinder bei uns in all den Jahren auch nicht vorgestellt“, erklären ebenso unisono Franziska Waßkönig vom und Renate Schier vom .Zeigen lassen sich die Einrichtungen die Impfausweise sowie auch die Hefte zur Vorsorge-Untersuchung von allen Eltern. Sollte ein Kind einmal nicht geimpft sein, müsste dies auf einem Formular des Jugendamtes dokumentiert werden. Mit Konsequenzen müssten Eltern allerdings nicht rechnen, da dazu die gesetzliche Grundlage fehle.„Es gibt immer mal wieder Kinder, die nicht geimpft sind. Allerdings sind es sehr wenige“, schildert Annette Holtmann, Verbundleitung der , ihre Erfahrungen. „Abgewiesen haben wir deshalb aber noch kein Kind. Wir beraten die Eltern und lassen uns diesen Schritt auch bescheinigen. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu belehren. Das muss unter Umständen dann der zuständige Kinderarzt tun.“

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Das Robert-Koch-Institut

Das Robert-Koch-Institut (RKI) ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und Krankheitsvorbeugung. Die Aufgaben des RKI sind nach eigenen Angaben die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten. Ein Instrument des RKI ist die ständige Impfkommission (STIKO). Die STIKO ist ein un­ab­hängiges Experten­gremium. Ihre Empfehlungen beinhalten unter anderem den Impf­kalender (Standard­impfungen) für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie die Tabelle der Indikations- und Auf­frisch­impfungen mit Erläu­terungen. Die Empfehlungen werden in der regel einmal jährlich aktualisiert. rki.de

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