Sterneküche in der Schule
Starkoch Marquard will Kindern Lust auf gutes Essen machen

Gronau -

Sterneköche können auch Frikadellen. Das zeigt Stefan Marquard zurzeit auf seiner Tour durch Schulen. Dabei hat er festgestellt, dass Selbstkochen bei Kindern einen unbezahlbaren Vorteil hat.

Dienstag, 26.03.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 06:49 Uhr
Sterneküche in der Schule: Starkoch Marquard will Kindern Lust auf gutes Essen machen
Sternekoch Stefan Marquard macht den Schülerinnen und Schülern der Lindenschule in Gronau Lust am Kochen. Foto: Christiane Nitsche

Kochen ist Handarbeit, auch wenn der Fleischwolf, an dem Stefan Marquard und seine Assistenten stehen, beeindruckende Maße hat – mit Matschelust und bloßen Händen schieben und drücken Kübra (11), Mina (10) und Deon (10) einen Brei aus Rindfleisch, Gemüse und Haferflocken ins Mahlwerk. Die drei Viertklässler der Lindenschule in Gronau haben heute „Kochen“ auf dem Stundenplan: „Sterneküche macht Schule“ heißt das Projekt des Sternekochs, mit dem er durch Schulen und Kindergärten tourt. Seine Mission: „die Schulverpflegung in Deutschland nachhaltig zu verbessern“.

Die Idee: Was Kinder selbst kochen, essen sie gern. „Die Kids sind mein Team“, sagt Marquard. „Man muss sie ernst nehmen, dann stehen sie mit Erwachsenen auf einer Stufe.“ Er habe noch nie erlebt, „dass ein Kind keine Lust hatte zu kochen.“

Neunjähriger verkündet: „Ich bin Sternekoch“

So wie Basti. Dem Neunjährigen rutscht die Schürze in die Knie, doch er verkündet mit Stolz: „Ich bin Sternekoch.“ Dann geht es mit konzentrierter Lust an die Buletten: Die Kinder rollen Fleischbällchen für Frikadellen – selbstredend mit bloßen Händen, angeleitet von Stefan Marquard, der mit Piratenhaube und Spitzbart den Witz eines Klabautermanns versprüht. Der lachend erklärt, motiviert und aufpasst, dass alles klappt.

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Ran an die Buletten: Basti (9) mit seinen ersten selbst gemachten Frikadellen. Foto: Christiane Nitsche

100 von etwa 220 Schülern besuchen hier den Ganztag. Am Morgen gab es frisch zubereitete Smoothies und Fruchtspieße für die ganze Schule. Jetzt ist das Mittagsmenü für den Ganztag in Arbeit: Gurkensticks mit Joghurt-Dip, Frikadellen mit Rahmsoße und Kartoffelgratin und als Nachtisch Arme Ritter mit Apfelkompott. Wobei der „Rahm“ aus fein püriertem hellen Gemüse mit etwas Kokos- und Sojamilch besteht. „Wir mogeln ein bisschen“, lacht Stefan Marquard. Der Gesundheit wegen, versteht sich.

Freude am Kochen

Denn darum geht es ihm wie auch der Knappschaft, die das von Marquard in Bayern gestartete Projekt ins ganze Land tragen half – genau wie der Schule selbst: „die Eltern über die Kinder infizieren, dass zu Hause zusammen gekocht wird“, so Marquard. Oder wie Schulleiterin Melanie Mönninghoff es sagt: „Es geht nicht nur darum, die Ernährung zu thematisieren, sondern durchs Kochen die Freude daran zu transportieren.“

Dass Rezept dazu: frische, gesunde Zutaten, einfache Zubereitung, gemeinsames Kochen. Zusätzlich gibt es für die Schule Beratung in Sachen Einkauf, Energieeffizienz, Hygiene, Logistik und Ablaufplanung. Lauter Gründe für die Lindenschule, sich zu bewerben. Schließlich sei dies für eine Fair-Trade-Schule auch im Sinne der Nachhaltigkeit. „Das ist eine Chance, nicht nur einen tollen Tag zu haben, sondern langfristig auch eine Verbesserung für Schule und Schüler zu erzielen,“ sagt Mönninghoff.

Kinder sind mit Eifer dabei

Die sind mit Inbrunst bei der Sache. Während Mönninghoff in die Spülküche abkommandiert wird, fegt eine Schülerin den Speiseraum. Andere tunken Brotstücke in verquirlte Eier oder schnippeln Gemüse. „Das sind vollwertige Teammitglieder“, erklärt Marquard, während neben ihm Küdra das Einkochen des Suds für die Soße überwacht.

Zeit für den Chef, die Fortsetzung der Arbeiten für den Hauptgang zu überprüfen. „Hallo Frikadellenabteilung!“, ruft er. „Die müssen ein bisschen platter sein. Drückt die mal mit der nassen Hand flach.“ Mit der bloßen natürlich.

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Am Dienstag ist Stefan Marquard in Lengerich im Hannah-Arendt-Gymnasium. Weitere  Termine sollen dort kommende Woche veröffentlicht werden.

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