Nach Leukämie-Behandlung im UKM
Für Alina geht es endlich wieder nach Hause

Münster -

Die Haare wachsen wieder. Sie singt. Und Witze macht sie auch. Alina Kalabukhova geht es gut. Und deswegen fliegt sie an diesem Dienstag wieder nach Hause. Vor eineinhalb Jahren ist sie aus Russland nach Münster gekommen. Die Diagnose: Leukämie – zum zweiten Mal. 

Montag, 01.04.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 21:16 Uhr
Alina hatte in Münster eine harte Zeit. Eineinhalb Jahre konnte sie nicht nach Hause, weil sie in Münster wegen Krebs behandelt wurde.
Alina hatte in Münster eine harte Zeit. Eineinhalb Jahre konnte sie nicht nach Hause, weil sie in Münster wegen Krebs behandelt wurde. Foto: Stefan Werding

Während der ersten Behandlung hatten ihre Eltern zu zweifeln begonnen, ob sie wirkt und ob die Infusionen den verschriebenen Wirkstoff enthielten. Darum wandten sie sich an die Uniklinik in Münster. Die hat den Ruf, nicht nur gut, sondern auch günstiger als andere Kliniken zu sein.

Schon für die Kosten der ersten Therapie hatte ihr Vater Vladimir seinen Betrieb, sein Haus, sein Auto verkauft. Für die zweite Therapie waren keine Reserven mehr da. Damals war klar, dass die Behandlung 200 000 Euro kosten könnte – wenn keine Knochenmarktransplantation nötig sein sollte. Viel zu viel für einen arbeitslosen Russen aus Belaja Kalitva.

Viel ausgehalten

Seitdem sind eineinhalb Jahre vergangen. Alina hat viel ausgehalten. Und nach der Entzündung ihrer Bauchspeicheldrüse brauchte sie dann doch noch eine Knochenmarktransplantation, die die Behandlung um weitere 80 000 Euro teurer machte. Immerhin konnte ihre damals drei Jahre alte Schwester Mascha Blutstammzellen spenden.

Die Entzündung ist eine seltene Nebenwirkung der Chemotherapie und hat Schmerzen, Übelkeit und Probleme beim Essen und Trinken verursacht. Heute sagt Alina: „An dieses halbe Jahr Schmerzen und Übelkeit werde ich mich immer erinnern“ – und an den Heißhunger auf ihr Lieblingsessen „Okroschka“, eine kalte Suppe.

Alina fliegt wieder nach Hause

Nicht vergessen wird sie auch die Hilfsbereitschaft der Leserinnen und Leser unserer Zeitung. Die haben sage und schreibe 240 992,31 Euro für Alina gesammelt. „Ich danke allen, die für meine Behandlung gespendet haben. Außerdem bin ich den Menschen sehr dankbar, die mir liebe Worte zugesandt haben. (...) Vielen Dank an alle, ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Hilfe!“

Die Chance auf ein gesundes Leben

Von „Heilung“ mag Professorin Claudia Rössig , Direktorin der Kinderonkologie am UKM, nicht sprechen. „Davon kann man bei akuten Leukämien leider erst nach vielen Jahren sprechen“, erklärt sie. Aber Alina habe jetzt eine realistische Chance, gesund zu bleiben. Ob noch Leukämiezellen im Körper geblieben sind, die eines Tages einen Rückfall verursachen könnten, sei im Moment nicht festzustellen. „In solchen Situationen ermutigen wir die Kinder und Familien immer, mit ihrem Leben möglichst normal weiterzumachen und soweit es geht nicht mehr über die Krankheit nachzudenken.“

Bis sich Alinas Abwehrsystem vollständig erholt hat, könne noch sehr viel Zeit vergehen. Daher müsse sie noch Medikamente nehmen. Aber in einigen Monaten werde sie auch diese absetzen können. „Es ist aus unserer Sicht sehr vernünftig, dass die Familie nach Hause fliegt“, sagt Rössig.

 „Ich bin ein alter Opa geworden“

In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich die 15-Jährige die Zeit mit Karaoke vertrieben. „Selbst auf dem Flur hat sie noch laut gesungen“, sagt Simon Schlattmann vom Familienhaus der Uniklinik Münster, in dem die Kalabukhovas in den vergangenen Monaten Obdach gefunden haben.

Für Alina wird es in Russland vor allem darum gehen, wieder Anschluss an die Schule zu finden. „Sie hat viel verpasst“, sagt ihr Vater. Deswegen wird bis September eine Lehrerin zu ihr nach Hause kommen, damit sie den Stoff aufholen kann. Nach dem Sommer wird sie dann wieder in eine Schule gehen. Alina freut sich, endlich wieder mit anderen Kindern spielen zu können. Nach eineinhalb Jahren fast nur mit ihrem Vater an ihrer Seite sagt sie: „Ich bin ein alter Opa geworden.“

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