Europawahl am 26. Mai 2019
Rosendahler wählen um die Wette

Rosendahl -

Am 26. Mai 2019 ist Europawahl. Aber wer geht hin? Die Gemeinde Rosendahl möchte mit gutem Beispiel vorangehen - mit einer Rekord-Wahlbeteiligung. Doch die Konkurrenz ist groß. Das Spiel beginnt.

Freitag, 12.04.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 12.04.2019, 20:12 Uhr
Europawahl am 26. Mai 2019: Rosendahler wählen um die Wette
Die Gemeinde Rosendahl will einen Wahl-Rekord aufstellen. Foto: dpa

Die Konkurrenz ist so groß, weil sie so klein ist. Zumindest was die Zahl der Wahlberechtigten angeht: 739 sind es in Stockhausen, einem Ortsteil von Lübbecke in Ostwestfalen – hingegen rund 9000 in Rosendahl. „Da dürfte es deutlich schwieriger sein, eine extrem hohe Wahlbeteiligung zu erzielen“, macht sich Wilhelm Vennemann nichts vor. Und doch hat er diesen Wettbewerb um die beste Zahl bei der Europawahl am 26. Mai 2019 angestoßen. Der Siegerpreis ist ein Pokal – tatsächlich steht durch die große Aufmerksamkeit bereits jetzt Europa als Gewinner fest.

Zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen Rosendahl und den französischen Gemeinden Entrammes, Parné-sur-Roc und Forcé ein besonderes Zeichen setzen, diese Idee von Monika Klein markiert den Anfang aller Aktivitäten. „Wir wollen in ganz Deutschland die Kommune mit der höchsten Wahlbeteiligung werden“, sagt die Vorsitzende des Rosendahler Partnerschaftsvereins. Ein Vorhaben, das Entrammes auch in Frankreich umsetzen möchte.

Kampagne

„100 Prozent Europa – Rosendahl geht hin“ heißt die Kampagne, die mit vielen Aktionen für die Europawahl werben soll. Wilhelm Vennemann, seit 1982 in der deutsch-französischen Freundschaft aktiv und Gründungsmitglied des Partnerschaftsvereins, erfährt durch Zufall von dem kleinen Ort bei Lübbecke und dem dortigen Verein „Stockhausen für Europa“, der sich erst im Januar 2018 gegründet hat, über mittlerweile 70 Mitglieder verfügt und ebenfalls mit vielen Aktionen daran arbeitet, am 26. Mai 2019 eine hohe Wahlbeteiligung zu erzielen.

80 Prozent plus x lautet die Vorgabe der Akteure um den Vorsitzenden Gerd H. Niemeyer . Und die Rosendahler? Die träumen gar von 85 Prozent plus x. „Da bietet sich doch ein kleiner Wettbewerb an“, lächelt Wilhelm Vennemann, der kurzerhand Kontakt mit den Stockhausenern aufnimmt. „Die waren erst überrascht, dann angetan.“

So profitieren wir von der Europäischen Union im Alltag

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  • Die Vorteile der EU für ihre Bürger sind einfach zu alltäglich – buchstäblich. Ein Tag im Leben einer Normalverbraucher-Familie aus der Region, nennen wir sie die Familie Münsterländer.

    Foto: colourbox.de
  • 6.30 Uhr: Das Aufstehen fällt Ludger Münsterländer schwer, vor allem am Montag – vor allem nach so einer Tour. Muskelkater! Aber schön war die Wanderung über den Tecklenburger Bergpfad, Teil der im Leader-Projekt der EU mit fast 60.000 €  aus Brüssel geförderten Premiumwanderwege „Teutoschleifen“. 

    Foto: Wilhelm Schmitte
  •  „Vielleicht sollte ich es nächstes Wochenende ruhiger angehen lassen“, denkt Ludger. „Vielleicht eine Radtour? Der Töddenland-Radweg wäre interessant.“ Auf den Spuren der Wanderhändler durchs Tecklenburger Land radeln, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten. Auch dieses Projekt hat die EU gefördert. In der laufenden Förderperiode (2014 bis 2020) fließen gut 14 Millionen €  aus Brüssel für solche Projekte ins Münsterland.

    Foto: Wilhelm Schmitte
  • 7 Uhr: Kaffeeduft zieht durchs Haus, dieser herrliche Espresso aus Italien. Ludger schmunzelt, wenn er heute daran denkt, in wie wenig Läden der einst zu bekommen war – damals, bevor der EU-Binnenmarkt Lebensmitteln aus ganz Europa den Weg auf seinen Tisch erleichtert hat. Und alles ist unbedenklich zu verzehren: Die EU-Lebensmittelverordnungen gelten für alle Erzeugnisse, die von Menschen aufgenommen werden.

    Foto: Christin Klose/dpa
  • Mit auf Ludgers Tisch: „Westfälischer Knochenschinken“. Die regionaltypische Spezialität ist von der EU anerkannt – als geschützte geografische Angabe (g.g.A.). „Westfälischer Knochenschinken“ muss in einem bestimmten Gebiet erzeugt, hergestellt oder verarbeitet worden sein. Geschützt ist auch der „Münsterländer Korn“ – aber dafür ist es  noch viel zu früh.

    Foto: Friso Gensch/dpa
  • 7.14 Uhr: Ludger schaut auf die Müsli-Packung: „30 Prozent weniger Zucker steht auf der Vorderseite. Das sind 13 Gramm Zucker auf 100 Gramm Müsli, sieht Ludger bei einem Blick auf die Rückseite. „Immer noch eine ganze Menge“, denkt er. Die Inhaltsstoffe und die wichtigsten Allergene (Nüsse, Soja) sind so deutlich aufgelistet,  dass Ludger sie nachlesen kann – auch ohne Brille. Die EU-Lebensmittelkennzeichnungsvorschriften sehen es so vor. Auch Lebensmittel, die aus Gentechnisch veränderten Organismen (GVO) bestehen, müssen gekennzeichnet werden.

    Foto: Marcus Brandt/dpa
  • 7.29 Uhr Ludgers Handy klingelt. Es ist sein Sohn Jonas, derzeit Erasmusstudent in Spanien. Der Filius freut sich über Papas und Mamas Überweisung zum Geburtstag. Die ist schon angekommen – wenig überraschend, dank IBAN und SEPA. So nervend die langen Ziffernketten sind, immerhin kostet die Euro-Überweisung nicht mehr als eine im Inland. „Beruhigend, dass der Junge mal anruft“, sagt Maria Münsterländer. „Das könnte er ruhig öfter tun“, murrt Ludger. „Seit dem EU-weiten Wegfall der Roaminggebühren kostet das ja nicht mehr als im Inland. Aber der Junge hat so ja viel zu tun in seiner Erasmuszeit ...“ Ludger lächelt. So normal ist das Studium im Ausland geworden: Über 250.000 deutsche Studenten haben in dieser Finanzperiode (2014 bis 2020) die Chance auf ein Erasmus-Stipendium. Einmal ein paar Jahre im Ausland leben, davon träumt auch Ludger. „Das ist im Ruhestand dran“, sagt er sich. Die Niederlassungsfreiheit für EU-Bürger  macht es einfach.

    Foto: Ole Spata/dpa
  • 7.45 Uhr: Jetzt ist Ludger doch spät dran. Er hetzt die Treppe hinab, stolpert, fängt sich im letzten Moment. Alles gut gegangen. Aber so schnell könnte was passieren, auch Jonas, auch in Spanien, denkt er. Naja, immerhin gilt die Krankenversicherung überall in der EU

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  • 7.50 Uhr: Ludger passiert eine der Kanalbrücken in Münster. Natürlich wieder eine Baustelle. Die EU fördert den Ausbau transnationaler Verkehrs-Korridore, laut dem CDU-Europaabgeordneten Markus Pieper auch den Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals in Münster.

    Foto: Arne Dedert/dpa
  • Weiter geht es am münsterischen Schloss vorbei: Eine Milliarde Euro  Forschungsgelder gehen in dieser Förderperiode von der EU an Hochschulen in NRW – auch ins Münsterland, wie Pieper betont. 

    Foto: Beena Shaikh
  • 7.55 Uhr: Ludger hat Freude an seinem neuen Auto. Er blickt auf das Armaturenbrett.    Dort sitzt ein kleiner Schalter: „eCall“ – das Sicherheitssystem ruft im Falle eines Unfalls eigenständig Hilfe. So hat es die EU nun vorgeschrieben. Klar, es ist sind dicke Akten voller Vorschriften, die Autobauer einhalten müssen, wenn sie ihre Wagen in der EU verkaufen wollen. Aber Ludger denkt an den Autolobbyisten, den er kürzlich im Fernsehen gesehen hat: „Früher hatten wir für jedes einzelne Mitgliedsland der EU so einen Band.“

    Foto: Julian Stratenschulte/dpa
  • 8.30 Uhr: Ludger ist am Arbeitsplatz angekommen. Im Treppenhaus trifft er seinen Kollegen Henk. „Meine Güte, war das wieder voll auf den Straßen heute Morgen“, klagt der Niederländer. „Fehlt nur noch, dass die wieder Grenzkontrollen einführen und ich jeden Morgen an der Grenze stehe, statt mit Tempo 130 drüberzufahren.“ Unionsbürger können überall in der EU leben und arbeiten. Das ist das europäische Bürgerrecht der „Freizügigkeit“.

    Foto: Ingo Wagner/dpa
  • 9 Uhr: Es gibt viel zu tun. Matthias arbeitet bei einem der vielen, innovativen Mittelständler des Münsterlandes, einem Hidden Champion. Die Aufträge stapeln sich auf seinem Schreibtisch – auch die aus aus den EU-Nachbarländern. Euro und gemeinsamer Binnenmarkt haben das Geschäft vereinfacht. Inzwischen gehen laut Bundeswirtschaftsministerium mehr als 58 Prozent der Exporte bundesweit in EU-Staaten, knapp 37 Prozent allein in Euro-Staaten. Und die Exporte der Firmen im Kreis Steinfurt zum Beispiel sind seit Einführung des Binnenmarktes um etwa 250 Prozent gestiegen, erinnert sich Ludger an einen Vortrag des Europaabgeordneten Pieper.

    Foto: Axel Heimken/dpa
  • 12.30 Uhr: In der Mittagspause geht Ludger mit dem Smartphone auf Reisen: Er bucht die Flüge nach Spanien, das Hotel für die Stippvisite bei Jonas, das Ferienhaus für die 14 Tage Familienurlaub anschließend. Die EU-Fluggastrechte und Verbraucherrechte schützen ihn dabei.

    Foto: Inga Kjer/dpa
  • 17 Uhr: Feierabend. Ludger und Maria treffen sich am Elektromarkt. Eine neue Waschmaschine muss her. Die EU-Verbrauchsangabe von A-G hilft bei der Auswahl eines sparsamen Gerätes. Dazu kommt wegen der Hitze noch ein Spontankauf: ein kleiner Ventilator – natürlich mit dem CE-Kennzeichen.

    Foto: European Commission/dpa
  • 19.15 Uhr: Zeit für das Abendessen. Heute ganz gemütlich zu zweit bei Kerzenschein mit leckerem Wein. Ludger holt noch einen schönen Bergerac AOC aus dem Keller. Eine Urlaubserinnerung, so lecker, dass sich die Familie Münsterländer im letzten Urlaub den Kofferraum damit vollgepackt hat. Für Mengen des Eigenbedarfs fallen in der Eu schließlich keine Zölle an. Ob Ludger bei dem Winzer online noch was nachbestellen soll?

    Foto: Monika Skolimowska/dpa
  • 20.15 Uhr: Wie wäre es mit einem schönen Film? Auf Arte, dem deutsch-französischen Sender, läuft „Amour/Liebe“ von Michael Haneke – zu schwere Kost für diesen Abend. Dann lieber „The King‘s Speech“ im Ersten. Beide Filme hat die EU gefördert, den einen mit 990.000€ , den anderen mit 900.000€.

    Foto: Der französische Filmschauspieler Jean-Louis Trintignant in einer Szene aus dem Film "Liebe" («Amour», «Love») von Michael Haneke.

    Foto: Cannes Film Festival/dpa
  • Maria und Ludger knabbern keine Chips, sondern Käse und Gurke. Das ist einfach gesünder. Pielgerade  ist die Schlangengurke, obwohl die EU-Verordnung 1677/88 schon seit 2009 wieder aufgehoben ist. Der Händel setzt trotzdem weiter auf gerade Gurken, weil so einfach mehr in eine Kiste passen. Die viel verspottete Gurkenverordnung war offensichtlich besser als ihr Ruf.

    Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Sportsgeist ist geweckt

Also läuft das Wetteifern um die höchste Wahlbeteiligung. „Bei uns in Stockhausen ist selbstredend erst recht der Sportsgeist geweckt, denn nun heißt es nicht mehr nur, unser Ziel zu erreichen, sondern auch noch die durchaus selbstbewussten Rosendahler zu schlagen“, sagt Gerd H. Niemeyer.

Das ungewöhnliche Kräftemessen darf natürlich als Gag angesehen werden, gibt Wilhelm Vennemann zu – „aber als einer, der die Leute wachrütteln soll.“ Der ihnen deutlich machen soll, wie wichtig diese Wahl für Europa ist. Sie wollen die Bürger mobilisieren, am 26. Mai an die Urne zu gehen, auch wenn die Abstimmung diesmal an keine andere Wahl gekoppelt sei, was es gewiss nicht einfacher mache.

Symbolischer Preis

Stockhausen oder Rosendahl? Der Gewinner wird einen symbolischen Preis erhalten, kündigt Vennemann an. Einen Pokal hat er besorgt, der an den Sieger übergeben wird. Dafür, so lautet der Deal, wird sich der „Unterlegene“ auf den Weg in die siegreiche Kommune machen. „Die Maßgabe kann ja wohl nur lauten, dass die Rosendahler nach der Wahl uns besuchen müssen und nicht umgekehrt“, hat der Verein „Stockhausen für Europa“ den Bürgern schon auf die Fahnen geschrieben.

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Ein Pokal für die Kommune mit der höchsten Beteiligung bei der Europawahl am 26. Mai: (von links) Sabine Schreijer, Wilhelm Vennemann und Monika Klein vom Partnerschaftsverein hoffen, dass die Trophäe in Rosendahl bleibt.  Foto: Leon Eggemann

Reise nach Frankreich

Wilhelm Vennemann hofft derweil darauf, die „Konkurrenten“ aus Ostwestfalen zur Pokalübergabe in Rosendahl begrüßen zu dürfen. Auf Reisen gehen wird er dennoch, schon kurz nach der Wahl, gemeinsam mit 161 weiteren Rosendahlern: Vom 30. Mai bis 2. Juni steht die Partnerschaftsbegegnung in Frankreich auf dem Programm. Dorthin wollen sie fahren mit dem Titel „höchste Wahlbeteiligung in Deutschland“, wünscht sich Vennemann: „Dann lässt es sich noch umso schöner feiern.“

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