Eichenprozessionsspinner
Brennhaare bei sechs Patienten in Münster aus dem Auge operiert

Münster -

Augen-Operationen wegen brennender Härchen: An der Uniklinik Münster sind in der vergangenen Woche bei sechs Patienten Brennhaare des Eichenprozessionsspinners aus der Hornhaut entfernt worden. Das Gesundheitsamt Münster hat daher seine Verhaltensempfehlungen ergänzt.

Freitag, 28.06.2019, 16:50 Uhr aktualisiert: 28.06.2019, 18:16 Uhr
Eichenprozessionsspinner: Brennhaare bei sechs Patienten in Münster aus dem Auge operiert
Die betroffenen Patienten der Uniklinik Münster hatten über eine Rötung eines Auges, ein Fremdkörpergefühl, Tränen, Jucken und starke Schmerzen geklagt. Foto: Colourbox.de (Symbolbild)

Der Eichenprozessionsspinner kann offenbar auch an den Augen heftige Reaktionen verursachen. Darauf hat die Uniklinik Münster (UKM) am Freitag hingewiesen. Dr. Lamis Baydoun , Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet von sechs Patienten, denen in dieser Woche Härchen des Prozessionsspinners aus dem Auge operiert werden mussten.

Wissenschaftlich seien solche Fälle in Deutschland bisher noch nie beschrieben worden. Die Patienten hatten über eine Rötung eines Auges, ein Fremdkörpergefühl, Tränen, Jucken und starke Schmerzen geklagt. Die Härchen seien so fein, dass „wir sie selbst mit unseren filigransten Instrumenten kaum zu fassen kriegen“, erklärt Baydoun. Sie seien schwer zu sehen und schwierig aus der Hornhaut zu entfernen, in der sie sich festsetzen.

Patienten, die plötzlich – auch einseitig – ein rotes Auge haben, das heftig schmerzt, tränt und juckt, sollten nach UKM-Angaben schnell zum Augenarzt gehen und überprüfen lassen, ob da vielleicht etwas im Auge ist. Denn wenn es wirklich der Prozessionsspinner ist, dann werden die Beschwerden ohne Behandlung nicht abklingen, sagt Lamis Baydoun.

Eichenprozessionsspinner-Notfälle in der UKM-Augenklinik

Auf dem Rad: Brille oder Sonnenbrille auf

Die Patienten hatten nach Angaben der Uniklinik berichtet, dass sie vor dem Auftauchen der Beschwerden Fahrrad gefahren waren, Laub aufgewirbelt oder bei der Reinigung von befallenen Bäumen zugeschaut hatten.

Das städtische Gesundheitsamt hat deshalb sein Merkblatt mit Verhaltensempfehlungen ( pdf ) bei Kontakt mit den Raupen ergänzt.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

„Ich gehe davon aus, dass das Risiko für solche Schädigungen steigt, wenn die Brennhaare senkrecht mit höherer Geschwindigkeit - zum Beispiel beim Radfahren - auf die Hornhaut prallen”, sagte Amtsleiter Dr. Norbert Schulte Kalthoff. Deshalb empfiehlt er, bei Fahrten in der Nähe von möglicherweise befallenen Eichen eine Brille zu tragen. „Bereits eine Sonnenbrille dürfte gewissen Schutz gegen schwere Schädigungen bieten, noch besser dürfte eine Radfahrbrille schützen”, so seine Empfehlung - auch wenn keine wissenschaftliche Studie dazu bekannt ist. 

Wenn Augen durch Brennhaare gereizt sind, sollten Betroffene sie nicht reiben. Dadurch könnten die feinen Härchen erst recht in die Hornhaut gelangen. Kalthoff empfiehlt, stattdessen die Augen mit sauberem Wasser oder Trinkwasser zu spülen. 

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke
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