Missbrauch
Barlo geschockt über „Kapis“ dunkle Seite

Bocholt -

Angeblich hatte niemand eine Ahnung. Pfarrer Theo Wehren war so beliebt, dass sogar ein Spielplatz nach ihm benannt war. Jetzt ist der Schock über die neuesten Vorwürfe groß.

Mittwoch, 03.07.2019, 20:25 Uhr
Der Pfarrer war so beliebt, dass in Bocholt sogar ein Spielplatz nach ihm benannt wurde.
Der Pfarrer war so beliebt, dass in Bocholt sogar ein Spielplatz nach ihm benannt wurde. Foto: Horst Andresen

Eine Dorfgemeinschaft ist schockiert. Im ­Bocholter Ortsteil Barlo hat Theo Wehren 30 Jahre als katholischer Pfarrer gearbeitet, obwohl ihn 1976 das Amtsgericht Bocholt wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu einer ­einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt hatte. Der Pfarrer starb 2011.

Wehren hieß mit Spitz­namen „Kapi“ und war so beliebt, dass ein Spielplatz nach ihm benannt wurde. Der Pfarrer ­organisierte Jugendfahrten und trainierte Nachwuchsfußballer der DJK Barlo.

Einige Fragen bleiben unbeantwortet 

Fassungslosigkeit kennzeichnete dann auch eine Gemeindeversammlung am Dienstagabend in Barlo. 250 Bürger ließen sich über das für sie „Unfassbare“ informieren. Viele Fragen hat der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, „aus juristischen Gründen“ freilich nicht beantwortet.

Die Barloer wollten unter anderem wissen, „warum der Bischof das Ganze gedeckt“ habe, der Pfarrer trotz der Straftat Jugendfahrten organisieren durfte oder warum die Kirche es mutmaßlich „pädophilen Menschen ermöglicht, leichtes Spiel zu haben“. Einige Bürger warfen den damals Verantwortlichen „Vertuschung“ und „Machtmissbrauch“ vor. Es seien offenbar „Personalentscheidungen mit fatalen Folgen getroffen“ worden, meinte Moderator Michael Sandkamp.

Anonymes Schreiben 

Wehren diente von 1975 bis zum Ruhestand 2006 in der Gemeinde St. Helena in Barlo. Die Verurteilung rührte möglicherweise aus der Zeit davor: Von 1966 bis 1969 war er in Selm (St. Josef) und von 1969 bis 1975 in Recklinghausen (St. Antonius) tätig.

Die Anschuldigungen waren am Wochenende durch ein anonymes Schreiben publik geworfen, das an Wehrens Grab lag.

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