Interview mit Christopher Gröning
„E-Sports ist mehr als Computerspielen“

Christopher Gröning ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Psychologie der Uni Münster und hat die E-Sports-Sparte beim Hochschulsport mit aufgebaut. Und er gibt Kurse. „League of Legends” – mit monatlich 100 Millionen aktiven Spielern eines der bekanntesten E-Sports-Spiele – ist wöchentlich im Angebot. Die Community wächst.

Samstag, 06.07.2019, 11:00 Uhr
Interview mit Christopher Gröning: „E-Sports ist mehr als Computerspielen“
Christopher Gröning hat die E-Sports-Sparte beim Hochschulsport Münster mit aufgebaut. Foto: Kristina Sehr

Herr Gröning , Sie sind mitverantwortlich für die E-Sports-Sparte des Hochschulsports an der Uni Münster . Machen wir es kurz: Ist E-Sports denn wirklich ein Sport?

Christopher Gröning: In meinen Augen: ja. Es ist natürlich eher ein Sport, der sich auf der kognitiven, motorischen und sozialen Ebene abspielt. Und es werden nicht, wie bei vielen konventionellen Sportarten, die großen Muskelgruppen beansprucht. Aber insbesondere als Team-Aktivität hat E-Sports in vielen Belangen denselben Charakter wie klassische Sportvereine. Da gibt es viele Parallelen, man nutzt eben nur ein anderes Sportgerät.

Ist denn der Alltag eines Profi-E-Sportlers mit dem eines Bundesliga-Fußballers vergleichbar?

Gröning: Ich denke schon, denn die Professionalisierung des E-Sports ist momentan rasant zu beobachten. Die Spieler auf Top-Niveau haben oft eine Rundum-Betreuung, einen Koch, einen Physiotherapeuten, einen Psychotherapeuten und so weiter. Und man hat auch bereits erkannt, dass die Spieler eine bessere Leistung erzielen, wenn sie körperlich in einem fitten Zustand sind. Deswegen haben viele von ihnen auch einen Fitness-Trainingsplan.

Was passiert denn in unserem Gehirn, wenn wir Videospiele zocken?

Gröning: Man begibt sich ja in eine Wettkampfsituation, die mit hoher Konzentration und einem hohen Stress-Level verbunden ist. Dabei sind mentale Höchstleistungen gefragt. Außerdem kommt es auch auf die sogenannte isomotorische Transformation, also auf die Hand-Augen-Koordination an. Im Gehirn laufen daher ähnliche Prozesse ab wie beim konventionellen Sport.

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