VW-Skandal
Gütliche Einigung nicht in Sicht: „Nicht mein Rechtsempfinden“

Ahlen/Münster -

2,8 Millionen manipulierte VW fahren auf Deutschlands Straßen. Betroffen sind Motoren vom Typ EA 189, die auch im VW Caddy zum Einsatz kommen. Ein Ahlener Unternehmer klagt nun gegen VW.

Donnerstag, 08.08.2019, 20:13 Uhr
Adrian Blaschke mit einem der betroffenen Fahrzeuge vom Typ VW Caddy. Der Ahlener ärgert sich nach eigenen Bekunden am meisten über „die Arroganz, mit der VW den Kunden begegnet“.
Adrian Blaschke mit einem der betroffenen Fahrzeuge vom Typ VW Caddy. Der Ahlener ärgert sich nach eigenen Bekunden am meisten über „die Arroganz, mit der VW den Kunden begegnet“. Foto: Sabine Tegeler

Nein, auf eine gütliche Einigung haben am Donnerstagvormittag im Landgericht Münster beide Parteien keine Lust. Die beklagte Partei nicht, weil sie sich naturgemäß nicht in der Haftung sieht und die klagende nicht, weil sie sich nicht stillschweigend zurückziehen will.

Der, der sich nicht das Mäntelchen des Schweigens anziehen möchte, ist der ­Ahlener Unternehmer Adrian Blaschke . Er hat den Volkswagen-Konzern verklagt, weil er sich vom Automobilriesen betrogen fühlt.

Der 39-Jährige betreibt ein Unternehmen für Krankenfahrten, seine VW Caddys sind dementsprechend kostenintensiv umgerüstet. Mit ihnen können die Fahrer auch Menschen in Rollstühlen oder liegende Patienten transportieren.

Zehn Fahrzeuge hat Adrian Blaschke im Fuhrpark, sechs Caddys davon mit dem Skandal-Motor vom Typ „ EA 189“. Drei Caddys und ein Passat sind neueren Datums und mit EA-288-Motoren bestückt.

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Adrian Blaschke (M.) mit seinen beiden Anwälten Sebastian Steinmann (l.) und Tolgay Eyrice. Die beiden haben nach eigenen Angaben schon über 200 VW-Klagen bearbeitet. Foto: Sabine Tegeler

Auch letzterer stehe im Verdacht, mit einer eventuell unzulässigen Abschalteinrichtung für die Abgasnachbereitung ausgestattet zu sein, erklären Blaschkes Anwälte Sebastian Steinmann und Tolgay Eyrice in der Verhandlung. Und deswegen gehörten auch sie mit in die Verhandlungsmasse.

Nachfolgemotor EA 288

Das lässt die Vorsitzende Richterin so allerdings nicht stehen. Das Kraftfahrtbundesamt habe geprüft und sich eindeutig positioniert: Es gebe keine gutachterlichen Nachweise für eine ­unzulässige Abschalteinrichtung beim Motor EA 288. „Der Skandal rechtfertigt keinen Generalverdacht“, erklärt sie, räumt aber ein, die Bedenken rein menschlich nachvollziehen zu können.

Auch die beiden Fahr­zeuge, die Adrian Blaschke im Oktober 2017 und März 2018 kaufte, fallen für die Richterin raus. Zu diesem Zeitraum sei der Abgas Skandal bei VW weitreichend bekannt gewesen, der Käufer hätte wissen können, dass er gerade beim Gebrauchtwagenkauf Gefahr laufe, betroffene Fahrzeuge zu erwischen. Er hätte sich vorher über die Wagen informieren müssen und können. Adrian Blaschke sieht das anders: „Muss ich als Käufer also ­davon ausgehen, dass ich ­betrogen werde? Das entspricht wahrlich nicht meinem Rechtsempfinden“, schüttelt er den Kopf.

Eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung bejaht das Gericht allerdings mit Blick auf die schon Jahre früher erworbenen vier VW Caddys mit EA-189-Motor. Diese Wagen seien rück­abwicklungsfähig – zuzüglich dem Umbau zu Krankentransportfahrzeugen.

Verhandlung vertagt

Der Vertreter des VW- Konzerns kritisierte eine durch Blaschkes Anwälte erst in der Verhandlung ­eingebrachte Antragsänderung, und beantragte am Donnerstag Vertagung. Adrian Blaschke will beim nächsten Termin wieder dabei sein. Er ist sich aber auch sicher, wie das Ganze ausgeht: „VW wird das Geld überweisen.“ Dann bestehe keine Forderung mehr und das Verfahren müsse eingestellt werden.

Die Vorsitzende Richterin hatte es zuvor so ausgedrückt: „Meistens gibt es in der ersten Instanz keine Einigung. Und in der zweiten Instanz schließen die Parteien einen Vergleich und vereinbaren darüber Verschwiegenheit. Deswegen gibt es bis heute kein ober­gerichtliches Urteil.“

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