WhatsApp-Experiment kam gut an
Smileys und ein Herzchen für Billerbecks Bürgermeisterin

Billerbeck -

Wer wagt, gewinnt. Billerbecks Bürgermeisterin Marion Dirks wusste nicht, was sie bei ihrer ersten „WhatsApp-Sprechstunde“ zu erwarten hatte. Am Ende erntete sie viel Dankbarkeit - und ein Herzchen-Emoji.

Freitag, 23.08.2019, 14:32 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 14:58 Uhr
Eine Stunde lang nahm sich Marion Dirks Zeit, alle WhatsApp-Anfragen zu beantworten.
Eine Stunde lang nahm sich Marion Dirks Zeit, alle WhatsApp-Anfragen zu beantworten. Foto: Stadt Billerbeck

Seit 15 Jahren ist Marion Dirks Bürgermeisterin der beschaulichen Stadt Billerbeck, aber noch nie zuvor hat sie im Dienst eine Stunde lang bei WhatsApp gechattet. „Das war richtig gut“, sagt sie und zeigt auf das ausrangierte Handy ihrer Tochter, das für eine – aus Behördensicht – sehr unkonventionelle Idee herhalten musste: eine Bürgermeisterin-Sprechstunde via WhatsApp. Ganz formlos konnten Bürger ihre Anliegen aufs Handy der Verwaltungschefin schicken. Und die antwortete prompt.

Angebot wurde gut genutzt

Das Experiment glückte. Es gab weder Beleidigungen noch Jux-Beiträge. Im Gegenteil: Die Bürger dankten ihr mit freundlich zwinkernden Smileys. „Ein Herzchen habe ich auch bekommen“, erzählt sie lachend. Mehr als ein Dutzend Bürger hat sich gemeldet, es ging um einen Wanderweg, der hergerichtet werden muss, um fehlende Beleuchtung und zu viel Verkehr in einer Wohnstraße. „Ganz alltägliche Dinge.“

Keine Wartezeiten

Genau das war die Idee: „WhatsApp hat heute jeder, sogar 80-Jährige. Ich wollte ein einfaches, niedrigschwelliges Angebot schaffen – gerade für diejenigen, die keine Möglichkeit haben, zur regulären Sprechstunde ins Rathaus zu kommen“, sagt Dirks. Niemand musste sich anmelden, niemand lange warten. „So kam ich auch in Kontakt mit Menschen, die ich gar nicht kannte.“ Dass in aller Eile mal ein Tippfehler unterläuft oder die Autokorrektur zuschlägt, nimmt die frühere Tageszeitungsredakteurin in Kauf. Sie lacht: „Es nervt, wenn man den Fehler nachträglich entdeckt. Aber da kann man bei WhatsApp nur wenig Rücksicht nehmen. Wenn’s passiert, passiert’s.“

"Höllisch aufpassen"

WhatsApp ist längst keine Neuheit mehr, in Behörden, die den Datenschutz groß schreiben müssen, aber doch eine Revolution. „Man muss höllisch aufpassen, dass alle Sicherheitsaspekte gewahrt bleiben“, betont die Bürgermeisterin, die die Sprechstunden-Idee von ihrer Amtskollegin aus Baden-Baden – einer gebürtigen Billerbeckerin – abgeguckt hatte. „Darum wurde das Handy komplett in den Auslieferungszustand zurückgesetzt. Ich nutze es nur für die Sprechstunde.“

Bürgermeisterin bleibt am Ball

Und die erste soll nicht die letzte gewesen sein. „Ich mache weiter“, verspricht Dirks - voraussichtlich in einem Zwei-Monats-Rhythmus. Bei den Anliegen, die ihr die Bürger aufs Handy geschickt haben, werde sie am Ball bleiben und auch persönlich die Antworten liefern. „Wenn gewünscht, dann gerne wieder via WhatsApp!“

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