Nach Missbrauchsvorwürfen
Kaplan ignorierte Predigtverbot

Kevelaer/Münster -

Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester bittet das katholische Bistum Münster weitere Betroffene, sich zu melden. Dem Mann werde vorgeworfen, in seiner Zeit als Kaplan Mitte der 1980er Jahr in Kevelaer ein Mädchen über längeren Zeitraum sexuell missbraucht zu haben.

Sonntag, 03.11.2019, 14:11 Uhr aktualisiert: 03.11.2019, 16:42 Uhr
Nach Missbrauchsvorwürfen: Kaplan ignorierte Predigtverbot
Das Bistum Münster räumt Versäumnisse in einem Missbrauchsfall ein und bittet mögliche weitere Betroffene, sich zu melden. Foto: dpa/Martin Moxter

In einem persönlich an Gregor Kauling, den leitenden Pfarrer von St. Marien Kevelaer, gerichteten Brief berichtet eine Frau davon, dass sie Mitte der 1980er-Jahre als Kind von einem heute noch lebenden, damals dort tägigen Kaplan über einen längeren Zeitraum sexuell missbraucht worden ist,  erklärte das Bistum am Sonntag in Münster. Den Beschuldigten bezeichnet das Bistum als „G. H.“.

Die Missbrauchshandlungen fanden im Rahmen der Beichte statt. Der Brief wurde in Absprache mit der Betroffenen am 2. und 3. November von Pfarrer Kauling in Gottesdiensten der Pfarrei St. Marien verlesen. 

Glaubenskongregation in Rom informiert

Der Vorgang war dem Bistum Münster seit 2010 bekannt. Die betroffene Frau hatte damals jedoch ausdrücklich verlangt, dass der Sachverhalt nicht öffentlich gemacht wird und auch, dass die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet werden darf, heißt es in der Mitteilung weiter. Das Bistum hatte den Sachverhalt nach Rom an die Glaubenskongregation gemeldet. Nach Abschluss der dortigen Prüfungen wurden dem Geistlichen in einem Dekret seelsorgliche und priesterliche Tätigkeiten nur in einem vom Bistum zugewiesenen Bereich gestattet.

Die Betroffene hat sich dann Ende 2016/Anfang 2017 erneut beim Bistum gemeldet, weil der Geistliche – trotz entsprechender Auflagen – weiterhin öffentlich Gottesdienste feierte. Im Anschluss an diesen Hinweis wies der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn den Geistlichen schriftlich darauf hin, dass eine Zelebration nur eine Ausnahme sein dürfe und ihm nur erlaubt sei, wenn nicht mit einer großen Öffentlichkeit zu rechnen sei.

Pfarrer Kauling wurde an Weihnachten 2018 von der betroffenen Frau über den erlittenen sexuellen Missbrauch in Kenntnis gesetzt. Im Laufe des Jahres 2019 führte die Betroffene verschiedene Gespräche, unter anderem mit Pfarrer Kauling und mit Peter Frings , dem Interventionsbeauftragten des Bistums Münster.

Persönliches Schreiben von Bischof Genn

Im Anschluss an eine Beratung durch eine Rechtsanwältin und in Absprache mit dieser hat die Betroffene nun den Schritt in die Öffentlichkeit gemacht. Es geht ihr vor allem darum, durch diesen Schritt mit dazu beizutragen, dass sich möglicherweise weitere Betroffene melden. Auch möchte sie deutlich machen, dass auch Frauen Opfer sexueller Übergriffe/Misshandlungen in der Kirche waren.

Das Bistum Münster räumt ein, dass man es nach den ersten Hinweisen auf öffentliche Zelebration durch den Geistlichen versäumt hat, diesen mit der entsprechenden Konsequenz nachzugehen. Mittlerweile wurde dem Priester vollständig untersagt, in der Öffentlichkeit Gottesdienste zu feiern. Bischof Genn hat gegenüber der Frau in einem persönlichen Schreiben bedauert, dass die seitens des Bistums ausgesprochenen Auflagen nicht konsequent eingehalten wurden.

Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, betont, dass man den Aussagen der Betroffenen, die auch durch entsprechende Hinweise in der ‚Missbrauchsakte‘ des Geistlichen bestätigt würden, glaubt. Außer dem nun öffentlich gewordenen Fall sind dem Bistum bisher keine weiteren Hinweise oder Meldungen bekannt. Deshalb bittet das katholische Bistum Münster weitere Betroffene, sich zu melden.

Gesprächsabend

Die Pfarrei St. Marien Kevelaer lädt zu einem Gesprächsabend ein, bei dem es um das Thema des sexuellen Missbrauchs und des Umgangs damit gehen soll. Dieser findet statt am Mittwoch, 6. November um 19.30 Uhr im Petrus-Canisius-Haus Kevelaer, Luxemburger Platz 1. Gesprächsteilnehmer werden unter anderem sein: Pfarrer Gregor Kauling, Bernadette Baldeau, Präventionsfachkraft der Pfarrei St. Marien, Peter Frings, Interventionsbeauftragter Bistum Münster.

...

Pfarrer G.H. war laut Mitteilung des Bistums an diesen Orten in folgenden Funktionen tätig:

1977 Aushilfe in Selm (Bork) St. Stephanus

1977 Kaplan in Damme St. Viktor

1981 Kaplan in Kevelaer Basilika St. Marien

1988 Pfarrer in Lippstadt (Bad Waldliesborn) St. Josef

1994 Leiter des Pfarrverbandes Wadersloh

1998 erneut Leiter des Pfarrverbandes Wadersloh

2001 Dechant im Dekanat Beckum

2004 zusätzl. Pfarrverwalter in Langenberg (Benteler) St. Antonius

2005 zusätzl. Pfarrverwalter in Wadersloh (Liesborn) Ss. Cosmas und Damianus

2007 erneut Dechant im Dekanat Beckum

2010 Pfarrer em. in Wadersloh (Bad Waldliesborn) St. Josef

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