Prozessauftakt
Gescheraner wegen Mordes an seinem Freund vor Gericht

Münster/Gescher -

Die Anklageschrift, die der Staatsanwalt vortrug, nahm der Angeklagte fast teilnahmslos zur Kenntnis: 15 Mal soll ein 52-jähriger Gescheraner am 5. Januar auf Hals, Brust, Arme und Bauch eines 48-jähriger Mannes eingestochen haben. Seit Montag muss er sich vor dem Landgericht in Münster verantworten.

Montag, 11.11.2019, 16:54 Uhr aktualisiert: 11.11.2019, 17:55 Uhr
Einsatz am 5. Januar 2019: In einem Mehrfamilienhaus in Gescher wurde ein 48-jähriger Mann erstochen gefunden.
Einsatz am 5. Januar 2019: In einem Mehrfamilienhaus in Gescher wurde ein 48-jähriger Mann erstochen gefunden. Foto: Jürgen Schroer

Der Angeklagte leugnete die Tat. Er räumte aber ein, dass es bereits im Oktober 2018 zum Streit mit seinem Arbeitskollegen gekommen sei. Dieser habe seine Schwester beleidigt und als „Hure“ bezeichnet. Daraufhin habe der Beschuldigte sich selbst das Recht zugestanden, den 48-Jährigen mit Fausthieben zu traktieren.

Das Opfer hat daraufhin Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung erstattet, und dem Angeklagten ist Ende des Jahres 2018 eine Ladung zu einer Verhandlung beim Amtsgericht Borken zugestellt worden. Die Verärgerung darüber sieht die Staatsanwaltschaft als mögliches Mordmotiv.

Beziehung zum Opfer

Ein weiterer Zeuge, ein Polizist, sagte am Montag aus, dass in der Wohnung des Opfers eine Kamera mit einem Film gefunden worden sei, der dokumentiere, dass das Opfer und der Angeklagte eine sexuelle Beziehung miteinander hatten. Der Angeklagte habe sich allerdings überrascht gezeigt, als die Polizei ihm dieses Filmmaterial bei der Vernehmung vorgehalten habe.

Der 52-Jährige habe darauf verwiesen, dass er bis 2011 mit einer Frau zusammengelebt habe, mit der er zwei Kinder habe. Als Grund für die Trennung nannte er sein Alkoholproblem.

Streit in der Wohnung

Die Befragung der Nachbarn ergab nach Angaben eines Polizisten, dass immer wieder Streit aus der Wohnung des Opfers zu hören gewesen sei. Oft hätten der Angeklagte und das Opfer in der Wohnung miteinander Alkohol getrunken. Eine Zeugin soll am Neujahrstag 2019 eine männliche „zornige“ Person im Treppenhaus gesehen haben, die eine Jacke mit Fellbesatz getragen habe, die auch beim Angeklagten entdeckt worden sei.

Der Beschuldigte hat bereits vor einigen Jahren eine Haftstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung verbüßt. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.

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