Demonstration gegen "mangelnde Wertschätzung"
Bauernprotest: Trecker-Corso durchs Münsterland

Münsterland/Bonn/Bielefeld -

Bauern aus dem gesamten Münsterland sind zurzeit mit ihren Treckern, in Zügen und Bussen auf dem Weg nach Bielefeld und Berlin, um gegen die aus ihrer Sicht mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit zu demonstrieren.

Montag, 25.11.2019, 15:54 Uhr aktualisiert: 26.11.2019, 16:09 Uhr
Demonstration gegen "mangelnde Wertschätzung": Bauernprotest: Trecker-Corso durchs Münsterland
Auch aus Nottuln sind viele Bauern mit ihren Traktoren zur Demo aufgebrochen. Foto: Johannes Oetz

1200 Traktoren hat die Polizei gezählt, die am Montag durch NRW gerollt sind. Auf ihnen wollten Landwirte zeigen, dass sie sich ungerecht behandelt fühlen. „Wir sind keine Tierschänder und Umweltverschmutzer“, heißt es auf der Homepage der Organisatoren der Proteste.

Verkehrsbehinderungen erwartet

Für den frühen Abend erwartete die Polizei in Bielefeld erhebliche Verkehrsbehinderungen durch die langsam fahrenden Traktoren. Nach ihren Angaben waren Traktorkonvois auf 17 Routen durch 26 Kreise unterwegs. In acht Städten waren Versammlungen angekündigt. Zentrum des nordrhein-westfälischen Protests war Bielefeld, ein Großteil der Demonstranten hatte Hamm zum Ziel.

Am Morgen hatten die Landwirte Bonn zu einem ersten Schwerpunkt ihres Zentrums gemacht, indem sie sich dort ab sieben Uhr früh trafen, wie die Polizei Bielefeld mitteilte. Die musste die Aktionen im gesamten Land koordinieren.

Treffpunkte vieler Bauern  im Münsterland waren Walstedde bei Sendenhorst  und Münster-Nienberge, wo sich  Teilnehmer vor ihrer Abfahrt versammelten. In Walstedde  schlossen sich 52 Schlepper dem Trecker-Konvoi an, der in Steinfurt gestartet war. Ihr Ziel war eine Kundgebung in Hamm. Der Konvoi war so lang, dass es eine Viertelstunde dauerte, bis alle Wagen den Ort passiert hatten.

Bauernprotest: Traktor-Corso im Münsterland

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  • Der Protest richtet sich gegen mangelnde Wertschätzung der Bauern.

    Foto: Jürgen Christ
  • Verkehrschaos durch Traktor-Demo.

    Foto: Jürgen Christ
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  • Foto: Diverse
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  • Foto: Hubertus Kost
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  • Foto: Johannes Oetz

Kreis Warendorf: Um rechtzeitig an ihren Zielorten zu sein, waren einige Bauern schon mitten in der Nacht losgefahren. So wie Mathias Afhüppe und Benedikt Wiefel, die seit der Nacht zum Montag mit über dreißig weiteren Landwirten aus dem Kreis Warendorf mit dem Trecker zur Sternfahrt in Richtung Berlin unterwegs sind.  

Konvoi bereits Sonntag gestartet

Kreis Coesfeld: Bereits am Sonntagabend startete in Nottuln ein Konvoi von 14 Schleppern – zum Teil auf Tiefladern  – und Begleitfahrzeugen von Nottuln in Richtung Berlin. Rund 500 Kilometer wollen die Landwirte bewältigen – mit 35 Kilometern in der Stunde. Dazu kamen Landwirte aus Coesfeld, Lette, Gescher und  Rosendahl auf den Weg nach Berlin.

Kreis Steinfurt: Aus Steinfurt-Borghorst und Laer sind vier Bauern unterwegs nach Berlin. Zwei Trecker haben sie auf Tieflader gepackt, ein Trecker zieht einen Wohnwagen. In Ibbenbüren haben sich nach den Worten von Richard Seifert, Vorsitzender des Landwirtschaftlicher Ortsverbands, an diesem Dienstag 50 Personen in einem Bus auf den Weg nach Berlin gemacht. Zusätzlich sind aus Ibbenbüren drei oder vier Schlepper unterwegs nach Berlin. Dazu haben sich Demonstranten aus Westerkappeln, Recke und Mettingen auf den Weg nach Berlin gemacht. Weitere sechs Teilnehmer kamen aus Ladbergen, zwei aus Lengerich und zwei aus Tecklenburg, die sich auf dem Weg nach Berlin gemacht haben.

Kreis Borken: Dort sind am Montagmorgen zahlreiche Landwirte mit ihren Treckern in Richtung Berlin aufgebrochen. Die Trecker wurden auf 16 Lastwagen und neun Trecker mit Tiefladern verteilt. Die Landwirte wechselten sich beim Fahren regelmäßig ab und machten ihre Pausen in Begleitfahrzeugen. So rollte der Tross ununterbrochen Richtung Berlin. Sie wollen ihr Ziel späten Montagabend erreichen. Am Dienstag schließt sich jeder Fahrer mit seinem eigenen Trecker der Sternenfahrt in der Bundeshauptstadt an.

Verbraucher und Handel gefordert

In Düsseldorf forderte Nordrhein-Westfalens Agrarministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) Verbraucher und Handel auf, ihrer Verantwortung für eine nachhaltige und auskömmliche Landwirtschaft gerecht zu werden. „Wir schaffen nur dann mehr Tierwohl, wenn tatsächlich die Preise stimmen“, sagte Heinen-Esser vor Bauern.

Die Verbraucher seien gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und forderten mehr Tierwohl. „Aber sie rennen gleichzeitig zu den Discountern und wollen möglichst wenig für Fleisch und sonstige Produkte bezahlen“, kritisierte die Ministerin. Das könne nicht funktionieren. „Wer mehr will, der muss dafür bezahlen“, betonte die Ministerin.

Vor der Demo in Berlin fordern der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, und der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd und Umweltbeauftragte des DBV, Eberhart Hartelt, die Politik auf, „endlich“ zu handeln: „Landwirtschaft in Deutschland braucht Unterstützung und eine Zukunftsperspektive ohne Überregulierung und Verbotspolitik.

Notwendig ist eine grundlegende Überarbeitung des Aktionsprogramms Insektenschutz. Es ist nicht die Frage, ob wir Insektenschutz machen, sondern nur wie: Kooperativer Naturschutz muss der Weg sein. Das heißt Landwirte, Politik und Gesellschaft müssen gemeinsam Lösungen finden, wie sich Natur- und Artenschutz weiter verbessern lassen, unter Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Wir wollen den Dialog und wir benötigen konkrete, praxistaugliche Ergebnisse.“

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