Gesundheitsgefahr durch Brennhaare
Wie Havixbeck den Eichenprozessionsspinner bekämpfen will

Havixbeck -

Wie bekämpft man den Eichenprozessionsspinner? Die Gemeinde Havixbeck hat klare Vorstellungen. Die möchte sie mit den Politikern des Umweltausschusses besprechen.

Dienstag, 14.01.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 07:47 Uhr
Das mechanische Verfahren ist mühsam, aber umweltschonend und effektiv. Die Gemeindeverwaltung setzt bei der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner weiter darauf.
Das mechanische Verfahren ist mühsam, aber umweltschonend und effektiv. Die Gemeindeverwaltung setzt bei der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner weiter darauf. Foto: Matthias Ahlke

Es ist nicht mehr lange hin, dann ist er wieder da: der Eichenprozessionsspinner. Seine Raupen schlüpfen zwischen Anfang April und Anfang Mai und durchlaufen fünf bis sechs Larvenstadien, die jeweils etwa zehn Tage dauern. Ab dem dritten Larvenstadium – je nach Wetter bereits ab Ende April/Anfang Mai – bilden sich die für den Menschen gesundheitsgefährdenden Brennhaare.

Wie sollen die Tiere bekämpft werden? Die Gemeindeverwaltung macht diese Frage zum Thema in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses, die am 22. Januar (Mittwoch) um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses beginnt. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung lautet, dass man den Eichenprozessionsspinner weiterhin im mechanischen Verfahren bekämpft. Darüber hinaus sollen ca. 60 Nistkästen für Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen – allesamt natürliche Feinde der Eichenprozessionsspinner – aufgehängt werden.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

1/7
  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Insektizide nur im Notfall

An Orten, die selten von Menschen genutzt werden, könne man die betroffenen Bereiche weiträumig absperren, erklärt die Verwaltung. An Stellen aber, wo sich Menschen häufig aufhalten, sei es am effektivsten, die Nester der Raupen zu entfernen. Beim mechanischen Verfahren werden die Raupen oft samt Gespinst mit Saugern eingesaugt oder abgebrannt. Auch das Einsammeln von Hand werde praktiziert. „Diese Verfahren sind äußerst wirkungsvoll, jedoch für die ausführenden Arbeiter nicht ungefährlich“, schreibt die Verwaltung. Deshalb müssten diese zwingend spezielle Schutzanzüge tragen.

Da es sich beim Eichenprozessionsspinner um eine Art handelt, die die Gesundheit des Menschen gefährdet, ist alternativ auch eine chemische Bekämpfung erlaubt. Dazu werden Insektizide vom Boden oder aus der Luft auf die Nester gesprüht. Das sei allerdings nur dann besonders effektiv, wenn dies während der ersten beiden Larvenstadien geschieht, also etwa zwischen Mitte/Ende April und Mitte/Ende Mai. Ab dem dritten Larvenstadium besitzen die Raupen bereits ihre Brennhaare, die auch nach dem Einsatz chemischer Mittel noch wirksam sind. „Diese Methode empfiehlt sich nur im Notfall, da Insektizide negative Auswirkungen auf die Umwelt und andere Tierarten mit sich bringen“, betont die Verwaltung.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

1/10
  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke

Fast jede Eiche war befallen 

Im vergangenen Jahr hat der Bauhof ca. 180 Stunden für die Kontrolle und die Beseitigung der Raupen aufgewendet. Fast jede Eiche sei befallen gewesen. Es wurden ca. 600 Nester festgestellt, von denen drei Viertel bereits in der Anfangszeit entfernt wurden. Durch die frühzeitigen und mehrmaligen Kontrollen habe man den Einsatz externer Firmen auf wenige Einsätze minimieren können, in der Regel dann, wenn ein Hub­steiger vonnöten war.

Das alles gab es natürlich nicht zum Nulltarif. Der Gemeinde sind 2019 durch den Einsatz des Bauhofs für Personal, Fahrzeug und Geräte Kosten in Höhe von 6112,80 Euro entstanden, rechnet die Verwaltung vor. Der Aufwand für Fremdfirmen und Materialien belief sich auf weitere 4376,38 Euro. Wie teuer die Maßnahmen in diesem Jahr werden, könne man nicht voraussagen, da die Kosten stark vom Befall der Bäume abhängen.

Tierische Hilfe erhofft

Im Umweltausschuss wird Beate Wahlers, zuständige Baumkontrolleurin beim Bauhof, für Fragen der Ausschussmitglieder zur Verfügung stehen. Sie hat inzwischen umfassende Kenntnisse über die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners sammeln können.

Die Verwaltung empfiehlt, weiterhin das mechanische Verfahren durchzuführen; dieses werde auch durch den NABU empfohlen. Darüber hinaus werden 50 Nistkästen für Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen aufgehängt. Die Behindertenwerkstätten der Stift Tilbeck GmbH unterstützt das Vorhaben und stellt zehn selbst gebaute Nistkästen zur Verfügung.

Die Anschaffung der Nistkästen beziffert die Verwaltung auf 483,70 Euro.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7191582?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
„Ich wusste nie, wo ich dazugehörte“
Als Jugendlicher fühlte Sebastian Goddemeier sich nirgends so richtig zugehörig.
Nachrichten-Ticker