Sturm "Sabine" reißt Giebelwand um
Haus in Heek muss abgerissen werden

Heek -

Alle reden davon, dass das Münsterland glimpflich aus der Sturmnacht herausgekommen ist. Die Bewohner eines Hauses in Heek haben da einen anderen Eindruck. Das Gebäude wird bereits abgerissen.

Montag, 10.02.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 19:29 Uhr
Montag in Heek: Fachleute begutachten das Gebäude, dessen Giebel vom Sturm umgerissen wurde. Die Abrissarbeiten begannen bereits am Mittag.
Montag in Heek: Fachleute begutachten das Gebäude, dessen Giebel vom Sturm umgerissen wurde. Die Abrissarbeiten begannen bereits am Mittag. Foto: Wilfried Gerharz

Die Nachbarin hatte ihr Auto extra so geparkt, dass keine Ziegel darauf fallen können. Sie konnte ja nicht ahnen, dass der Sturm „Sabine“ wenig später einen kompletten Giebel aus dem Nachbarhaus in Heek brechen und ihren Wagen schwer beschädigen sollte. Im Vergleich zum restlichen Münsterland hat es die kleine Gemeinde Heek damit in der Nacht zum Montag am schwersten erwischt.

Die Konsequenzen zu tragen hat eine syrische Flüchtlingsfamilie, die seit etwa eineinhalb Jahren in dem rund 100 Jahre alten Haus gelebt hat. Die Sorge eines Nachbarn, dass die Familie mit fünf Kindern durch den Zwischenfall zusätzlich traumatisiert sein könnte, zerstreut Doris Reufer aber am Morgen danach: „Gefasst“ hätten die sieben Bewohner die Beschädigung des Hauses aufgenommen.

„Ich habe erst gedacht, dass da eine Dachplatte runtergekommen sein könnte“

Sie mussten noch am Sonntagabend gegen 20 Uhr das Haus verlassen, berichtet die Leiterin des Ordnungs- und Sozialamts der Gemeinde Heek. Sie hätten die nötigsten Kleidungsstücke und Lebensmittel aus dem Kühlschrank holen dürfen und seien dann zunächst in eine erste Notunterkunft gebracht worden. Die haben sie aber inzwischen wieder verlassen und eine neue Bleibe gefunden. Auch die ist nur für den Übergang. Zunächst müssen in Heek die ein oder anderen Flüchtlinge, die „großzügig“ lebten, umziehen, damit die siebenköpfige Familie ein neues Zuhause bekommen kann.

Wohnhaus in Heek abgerissen

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  • In Heek riss Sturmtief „Sabine“ Teile des Giebels eines Wohnhauses weg.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Dabei fielen Trümmer zu Boden und teilweise auch auf die Straße.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Gebäude in der Ludgeristraße musste vollständig abgerissen werden.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Haus wurde von einer siebenköpfigen Familie bewohnt, die am Sonntag evakuiert worden waren.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sturmschaden in Heek

    Foto: Wilfried Gerharz

Der 16-jährige Julius Kemper nutzt derweil den schulfreien Tag, um sich in alle Ruhe den Abriss seines bisherigen Nachbarhauses anzuschauen und dabei zu fotografieren. Er hat am Sonntag zwar einen lauten „Rums“ gehört, als er bei seiner Großmutter saß. Doch Sturm und Regen erschwerten die Ursachenforschung. „Ich habe erst gedacht, dass da eine Dachplatte runtergekommen sein könnte“, erzählt er. Dass gleich ein ganzer Giebel aus der Häuserwand gebrochen ist, bekam er erst mit, als seine Mutter ihn auf das Malheur hingewiesen hat.

Schon am Montagmittag begann ein Bagger, das Haus abzubrechen. Die Bauarbeiter gehen davon aus, dass die Arbeiten „mehrere Tage“ dauern werden. Auch wenn der Auftrag kurzfristig reinkam, werden die einzelnen Bestandteile des Hauses fein säuberlich voneinander getrennt.

Gute Gründe für den schnellen Abriss

Bauamtsleiter Herbert Gausling begründet den schnellen Abriss mit „Verkehrssicherungspflichten“, denen die Gemeinde genügen will. Er fürchtet, dass weitere Teile des Hauses auf die viel befahrene B 70 direkt vor der Haustür fallen könnten. „Wir haben Glück gehabt, dass da keiner gelaufen ist“, sagte er auf Anfrage.

So sind schon am Morgen die ersten Handwerker und Bauarbeiter damit beschäftigt, das Haus von der Strom- und Gasversorgung zu trennen. Ein Bagger eines Unternehmens aus Heek steht schnell bereit, ein Trecker bringt den ersten Container zum Haus. Dieser Montag ist der Tag der kleinen Dienstwege in Heek.

Flüchtlingsunterkunft

Zum Zustand des Hauses, das die Gemeinde vor etwa fünf Jahren von einer alleinstehenden Frau gekauft hatte, sagt Gausling: Damit es als Flüchtlingsunterkunft dienen konnte, sei das Bad in Schuss gebracht und der Rest „bewohnbar“ gemacht worden.

Die Kosten hätten sich in einem normalen Rahmen bewegt, allerdings wäre es wegen seines Zustands auf dem freien Markt wohl nicht zu vermieten gewesen. Das Haut habe aber einen höheren Standard als eine Gemeinschaftsunterkunft gehabt.

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