Ärztliche Versorgung im Münsterland
Hausärzte dringend gesucht

Dortmund/Münsterland -

Fast die Hälfte aller Hausärzte in Westfalen-Lippe erreicht in den kommenden zehn Jahren das Rentenalter. Zwar ist die Versorgung derzeit im Münsterland noch verhältnismäßig gut, doch sollte es nicht gelingen, die Stellen nachzubesetzen, drohen lange Wege und Wartezeiten – auch bei Fachärzten.

Donnerstag, 13.02.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 14.02.2020, 07:22 Uhr
Ärzte haben immer weniger Zeit für ihre Patienten und leiden selbst unter der Belastung.
Ärzte haben immer weniger Zeit für ihre Patienten und leiden selbst unter der Belastung. Foto: colourbox.de

Die Hausärzte in Westfalen-Lippe werden durchschnittlich immer älter. Rund 40 Prozent haben schon heute das 60. Lebensjahr überschritten, 400 Ärzte sind sogar mindestens 70 Jahre alt. Der Renteneintritt einer ganzen Generation von Medizinern steht in den nächsten Jahren bevor. Dabei wird die wohnortnahe ärztliche Grundversorgung in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger. Vor allem in ländlichen Regionen mit schwach ausgebautem öffentlichen Nahverkehr und einer geringeren Krankenhausdichte kommt den Hausärzten eine große Bedeutung zu.

Versorgung im Münsterland noch gut

Während im Münsterland die Versorgungssituation in den meisten Gemeinden derzeit noch gut ist, ist der Ärztemangel in Ostwestfalen und dem Sauerland bereits spürbar. In Zukunft dürfte diese Entwicklung jedoch flächendeckend voranschreiten. Denn der Nachwuchs fehlt vielerorts – besonders in strukturschwachen Regionen. Fahrt- und Wartezeiten werden genauso steigen wie die Belastung der Mediziner.

Dabei hat der gemeinsame Bundesausschuss, in dem die wichtigsten gesundheitspolitischen Akteure vertreten sind, im vergangenen Jahr gerade erst die Zahl der Kassensitze für neue Fach- und Hausärzte erhöht. „Den veränderten Bedingungen wurde damit Rechnung getragen“, sagte Ansgar von der Osten, Geschäftsbereichsleiter Sicherstellungspolitik bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe am Donnerstag.

Bewerberlage örtlich sehr unterschiedlich

Alleine in der Region Westfalen-Lippe können demnach 238 neue Hausärzte und 177 Fachärzte (vor allem Kinder- und Nervenärzte sowie Psychotherapeuten) neue Praxen eröffnen. Allerdings nur dort, wo es derzeit zu wenige Ärzte gibt. Und genau darin liegt das Problem: „Im Kreis Steinfurt haben wir für zwei neue Kinderarztsitze 8,5 Bewerbungen, in den Kreisen Höxter oder Siegen-Wittgenstein fehlen diese“, erklärte von der Osten. Bei den Nervenärzten sei das Gefälle besonders deutlich. Gut sei die Bewerberlage auf die neu geschaffenen Sitze lediglich in den Kreisen Warendorf, Borken, Unna und Recklinghausen.

Insgesamt ist die Versorgung durch Fachärzte im Münsterland derzeit noch kein großes Problem. Lediglich bei den Psychotherapeuten und Kinderärzten im Kreis Borken liegt der Versorgungsgrad bei knapp unter 100 Prozent. Ernster ist die Situation bei den Hausärzten, wo die Mittelbereiche Bocholt (91,2 Prozent der benötigten Hausärzte), Gronau (86,7 Prozent), Ibbenbüren (90 Prozent), Oelde (93 Prozent) und Dülmen (95,1 Prozent) bereits freie Sitze nicht direkt nachbesetzen können.

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