Foodsharing-Gruppe in Brochterbeck
Als Erstes sind die Nikoläuse weg

Tecklenburg-Brochterbeck -

Ein Urlaub steht bevor und der Kühlschrank ist noch voller Lebensmittel? Von der Familienfeier ist noch reichlich Kuchen da? Damit die Lebensmittel nicht im Müll landen, sondern verwertet werden, hat Nathalie Bäumer eine WhatsApp-Gruppe gegründet.

Donnerstag, 13.02.2020, 21:57 Uhr aktualisiert: 14.02.2020, 16:26 Uhr
Die Brochterbeckerin Nathalie Bäumer hat eine Gruppe zum Austausch von Lebensmitteln gegründet. Im Tecklenburger Ortsteil nehmen schon 35 Bewohner an der Aktion teil.
Die Brochterbeckerin Nathalie Bäumer hat eine Gruppe zum Austausch von Lebensmitteln gegründet. Im Tecklenburger Ortsteil nehmen schon 35 Bewohner an der Aktion teil. Foto: Luca Pals

Die Menschheit verschwendet immer mehr Lebensmittel – damit muss nun Schluss sein.“ Wenn sie über Themen wie Nachhaltigkeit und den täglichen Verbrauch von Lebensmitteln spricht, wird die Brochterbeckerin Nathalie Bäumer deutlich.

Nur zu reden würde nicht helfen – handeln sei ihr Motto. In diesem Sinn hat die Frau, die eine logopädische Praxis im Ort führt, eine Gruppe über das Nachrichtenformat WhatsApp ins Leben gerufen: In dieser befinden sich zurzeit 35 Frauen und Männer aus Brochterbeck. Bekannt wurde sie über eine Facebookgruppe. Nathalie Bäumer erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung das Vorgehen: „Jeder, der zu Hause Lebensmittel hat, die er nicht mehr essen will, weil es vielleicht ein Fehlkauf war, kann sie in die Gruppe stellen. Andere Teilnehmer können sich daraufhin melden und ein Austausch wird ausgemacht.“ Einfach und simpel sei das Prozedere.

Foodsharing ist kostenlos. Uns ist wichtig, dass die Lebensmittel vor der Mülltonne bewahrt werden.

Nathalie Bäumer

Wichtig ist Nathalie Bäumer, dass der Vorgang unentgeltlich läuft: „Foodsharing findet immer kostenlos statt. Uns ist wichtig, dass die Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden.“ Weil der Begriff des Foodsharing rechtlich geschützt ist, nennen sich die Brochterbecker „Lebensmittelverteiler“, erklärt Bäumer.

Die Idee zu einer Whats-App-Gruppe ging von ihrer Cousine Anna Hegemann aus. Die wohnt in Saerbeck und sorgt dort unter dem Namen „Foodsavers“ dafür, dass Lebensmittel den Besitzer wechseln und nicht in die Tonne wandern.

Von der Resonanz in Brochterbeck ist Nathalie Bäumer begeistert, gleich am ersten Tag hätten sich 25 Mitglieder gefunden. Erste Übergaben von Lebensmitteln hätten ebenfalls stattgefunden: „Als erstes gingen die Schoko-Nikoläuse weg“, schmunzelt sie. „Containern wäre natürlich auch eine Möglichkeit“, sagt sie und schiebt direkt hinterher: „Aber das ist illegal.“ Diese Regelung sei zumindest bedenklich.

Mit Blick auf den Tecklenburger Ortsteil sagt sie: „Bei uns im Ort wird schon sehr viel weggeworfen. Natürlich macht unsere Gruppe nur einen kleinen Teil aus. Allerdings kann und muss beim Thema Nachhaltigkeit jeder seinen Teil beitragen.“

Das kostenlose Verteilen von Lebensmitteln ist natürlich über die Grenzen von Brochterbeck hinaus bekannt. Auf der offiziellen Internetseite „Foodsharing.de“ präsentieren sich die Erfinder als Retter von ungewollten und überproduzierten Lebensmitteln aus privaten Haushalten sowie kleinen und großen Betrieben. Sie verstehen sich als bildungspolitische Bewegung und fühlen sich „nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen“ verpflichtet.

Seit 2012 besteht die Initiative und wuchs seitdem nahezu stetig mit zurzeit 200 000 registrierten Nutzern zu einer internationalen Bewegung in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Neben dem unentgeltlichen Lebensmitteltausch ist der Organisation nach eigenen Angaben Unabhängigkeit und Werbefreiheit wichtig.

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