Umstrittene Aktionen
Helfen Nist­kästen gegen Eichenprozessionsspinner?

Münster -

Die Idee klingt naheliegend: Wenn der Eichenprozessionsspinner uns so stört und kein Mensch so recht gegen ihn ankommt, stärken wir seine natürlichen Feinde. Nistkästen sollen her, auf dass Vögel sich fleißig vermehren und junge Raupen verspeisen, bevor sie zu allergieauslösenden Spinnern heranwachsen. Aber kommen mit neuen Nist­kästen auch neue Nistende?

Dienstag, 18.02.2020, 06:50 Uhr
Umstrittene Aktionen: Helfen Nist­kästen gegen Eichenprozessionsspinner?
Die Meisen sollen es richten: Vielerorts im Münsterland werden Nistkästen aufgehängt, damit die Vögel die Raupen des Eichenprozessionsspinners vertilgen. Foto: Holger Hollemann

„Das ist eine intelligente Frage“, findet Dr. Thomas Hövelmann , wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Nabu-Naturschutzstation Münsterland. „Gut gemeint“ nennt er die Nistkasten-Aktionen, die derzeit im Münsterland laufen. Tatsächlich seien in allzu aufgeräumten Gärten heutzutage Nistmöglichkeiten oft knapp. Eigens gefertigte Kästen aufzuhängen, „hilft ein bisschen“.

Aber der Naturschutzbund gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich das Problem auch anders lösen lässt. „In naturnahen Gärten gibt es genügend Nistmöglichkeiten“, erklärt der Fachmann. Ziel sei es also, „das ökologische Gleichgewicht zu stärken“.

Nicht genügend Futter

Singvögel anzusiedeln, um sie als Mittel gegen den Eichenprozessionsspinner zu nutzen, findet der Naturschutzbund-Mann eher zweifelhaft. „Es sind nur wenige Wochen im Jahr, in denen die Raupen der Eichenprozessionsspinner als Futter in Frage kommen“, erklärt er. Futter bräuchten die Vögel aber das ganze Jahr über. Und das werde oft knapp – in den aufgeräumten Gärten in diesen insektenarmen Zeiten.

Also bleibt es bei der Vision vom ökologischen Gleichgewicht, von lockenden Lebensräumen, in denen sich Amsel, Drossel, Fink und Meise ganzjährig wohlfühlen. Und im Frühjahr die jungen Eichenprozessionsspinnerraupen verputzen.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde
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