Nur zu einem Thema sagt er nichts
Paul Ziemiak beim 19. politischen Aschermittwoch in Recke

Recke -

Erst Protest, dann Beifall. Rund 1000 Bauern haben in Recke beim politischen Aschermittwoch gegen die Agrarpolitik protestiert. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hörte sich ihre Sorgen an, bevor er die rund 2500 Zuhörer im völlig überfüllten Festzelt mit bissigen Angriffen auf den politischen Gegner begeisterte. Nach dem Anschlag von Hanau nutzten die Parteien den Tag für scharfe Attacken gegen den Rechtsextremismus. CSU-Chef Markus Söder warnte in Passau vor „braunem Gift“, Grünen-Chef Robert Habeck forderte „einen Schutzschild des Anstandes“. 

Donnerstag, 27.02.2020, 07:44 Uhr aktualisiert: 27.02.2020, 10:32 Uhr
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak Foto: Heinrich Weßeling

Keine Frage: Passend angezogen ist Paul Ziemiak – für einen politischen Aschermittwoch und auch für ein Treffen mit protestierenden Landwirten. Der hellgraue Trachtenjanker blitzt aus der Menge hervor, als der 34-Jährige hinter der Blaskapelle ins völlig überfüllte Festzelt in Recke einzieht. Zuvor hat er sich die Sorgen der rund 1000 Bauern aus dem ganzen Kreis Steinfurt angehört. Am Rednerpult zeigt sich Ziemiak recht gut aufgelegt für einen deftigen Aschermittwoch. Politischer Wadenbeißer, das gehört zur Stellenbeschreibung eines Generalsekretärs. Ziemiak macht den Job an diesem Abend in Recke sichtbar gerne, aber eher witzig und bissig als polternd teilt er aus gegen den politischen Gegner. Nur um eine Frage, die unübersehbar im Raum steht, drückt er sich herum.

Selbstironie mit Blick auf eigene Partei

Wenn er seine Rede vergangene Woche hätte, sagt er – und macht eine Kunstpause. „Im Prinzip kann man viel durchstreichen.“ Soviel Selbstironie mit Blick auf die eigene Partei kommt an im rot-weiß geschmückten Festzelt. Er lobt das Landleben, würdigt die Verdienste der älteren Generation und der Landwirte. „Karl-Josef Laumann ist der einzige im Kabinett, der mal ein Ferkel kastriert hat“, meint er mit einem Seitenblick auf den NRW-Gesundheitsminister. Das kommt an im Saal, das löst Jubel aus, gerade unter den vielen Landwirten.

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CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak (2.v.l.) war in Recke von rund 1000 protestierenden Landwirten empfangen worden. Foto: Heinrich Weßeling

Rund 1000 Bauern sind zum Protest nach Recke gekommen, rund 2500 Zuhörer drängen sich im völlig überfüllten Festzelt. „Durch immer mehr ideologische und praxisferne Gesetze fehlt uns unsere Perspektive für die Zukunft“, hat die junge Hopstener Landwirtin Saskia Kamphus zuvor geklagt, als sie Ziemiak eine Petition übergab. Die Landwirte wollten nicht „irgendwie mehr Geld“, sondern Planungssicherheit und Respekt, sagt Ziemiak. Und, fügt er unter dem Jubel der Landwirte hinzu, angebliche Aktivisten, „die in Ställe einbrechen, sind für mich Kriminelle“.

Gejohle im Saal, als er sich die Grünen vorknöpft. „Jeder in Berlin will mehr Windräder, es stehen aber in Mitte keine Windräder.“ Alle Grünen dort seien Wolfsfans. „Aber der Wolf fährt nicht in der U-Bahn und der kommt auch nicht mit dem Aufzug ins Penthaus.“ Ziemiak kritisiert das Planungsrecht, das „Deutschland zum Industriemuseum“ zu werden drohe.

Klare Kante gegen AfD

Klare Kante zeigt er gegen die AfD. „Es war ein Fehler, dass ein Ministerpräsident (in Thüringen) mit den Stimmen der AfD gewählt worden ist.“

Ziemiak begeistert das Publikum mit bissigem Witz. Nur zu einer Frage sagt er nichts vor den CDU-Anhängern. Da wo der CDU-Generalsekretär jetzt steht, haben sie alle schon gestanden: Friedrich Merz im Jahr 2002, kurz bevor Angela Merkel ihn als Vorsitzenden der Unionsfraktion absägte. Norbert Röttgen redete hier 2011 – wenige Monate, bevor die Kanzlerin ihn als Umweltminister in die Wüste schickte. Und auch Armin Laschet war hier – kurz bevor er 2017 die Landtagswahl gewann.

Ziemiaks Kandidat für die Parteispitze?

Doch wer von den drei Kandidaten ist Ziemiaks Kandidat für die Parteispitze? Das sagt er nicht. Immerhin: Zwei Mal lobt er seinen Freund Spahn, der als Laschets Co-Kandidat antritt. Der Name Merz fällt nicht … Aber darf man daraus etwas schließen?

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