Bischöflicher Brückenbauer
Felix Genn wird 70

Münster -

Seine Geburtstagsfeier ist so wie der Bischof selber: bescheiden. An diesem Freitag wird Felix Genn 70 Jahre alt. Aber schon vor Tagen hat er deutlich gemacht, dass er kein Bohei um seine Person möchte. Dabei hätte er Gratulanten genug.

Freitag, 06.03.2020, 09:30 Uhr
Bischof Felix Genn wird an diesem Freitag 70 Jahre alt. Er gilt als Vermittler zwischen Reformern und Konservativen.
Bischof Felix Genn wird an diesem Freitag 70 Jahre alt. Er gilt als Vermittler zwischen Reformern und Konservativen. Foto: Gunnar A. Pier

Mittlerweile leitet Genn das Bistum Münster elf Jahre. Das ist mehr als die sechs Jahre als Bischof des Bistums Essen und die vier Jahre als Weihbischof in Trier zusammen.

Der Eifler Bauernsohn, der in Wassenach nahe der Benediktinerabtei Maria Laach aufwuchs, hat sich seitdem trotz – oder gerade wegen – seiner zurückhaltenden Art den Ruf eines Vermittlers zwischen Reformern und Konservativen erarbeitet. In der Debatte um den synodalen Weg sagte er: „Wir müssen und möchten den mühsamen Weg der Aufarbeitung gehen, der zuerst die Opfer in den Blick nimmt, aber auch kirchenimmanente Strukturen, die solche Taten ermöglicht und vertuscht haben“, sagte er in einem viel beachteten Interview mit der FAZ .

Nach Missbrauchsfällen im Bistum Münster hat er sich offen für Fehler entschuldigt. Unter anderem habe er einem Priester nicht deutlich genug Seelsorgetätigkeiten untersagt. Bei der Aufarbeitung habe die Staatsanwaltschaft „natürlich Zugang zu allen Akten“.

Guter Zuhörer

Genn ist kein Besserwisser, sondern jemand, der gut zuhört und Argumente anderer gelten lassen kann. Bei Themen, die ihm am Herzen liegen, ist er klar: Nach dem rechtsextremistischen Anschlag von Halle schreibt er dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Münster, Sharon Fehr, einen Brief: Darin fragt sich Genn, „was in unserem Land eigentlich los ist, dass dieser furchtbare geistige Sumpf immer noch lebendig ist“. Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe sagt er: „Dem Menschen ist sein Leben geschenkt. (…) Deswegen kann (der Mensch) darüber auch nicht am Lebensanfang und an dessen Ende bestimmen.“

Wie groß seine Wertschätzung in der Kirche ist, zeigt sich unter anderem daran, dass er der einzige Deutsche in der Bischofskongregation ist, dem Gremium, das Bischofsernennungen vorbereitet. An Genns Bescheidenheit ändert das nichts.

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