Fehlende Anordnungen in Corona-Krise
Zahnärzte sind besonders großer Ansteckungsgefahr ausgesetzt

Münsterland -

Angesichts der Corona-Krise machen sich viele Zahnärzte Gedanken um den Umgang mit Patienten. Die Ansteckungsgefahr sei groß und die Schutzausrüstung nicht ausreichend, bemängelt ein Zahnarzt.

Freitag, 20.03.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 10:15 Uhr
Zahnärzte kommen ihren Patienten zwangsläufig besonders nah. Sie fordern bessere Schutzausrüstungen.
Zahnärzte kommen ihren Patienten zwangsläufig besonders nah. Sie fordern bessere Schutzausrüstungen. Foto: Andreas Gebert

Einen großen Sicherheitsabstand können Zahnärzte bei ihren Behandlungen nicht einhalten. Sie sind meist nur 30 Zentimeter vom Patienten entfernt. „Da ist die Ansteckungsgefahr besonders groß“, sagt Peter N. (Name geändert), ein 64-jähriger Zahnarzt aus dem Münsterland, der namentlich nicht genannt werden möchte. Im Gegensatz zu Ärzten, die mögliche Corona-Infizierte untersuchen, fehle den Zahnärzten eine spezielle Schutzausrüstung.

Ebenso wie andere Kollegen wartet Peter N. auf die Anordnung von oben, dass Zahnärzte nur noch Notfälle behandeln dürfen – und kritisiert deshalb die Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KZVWL). „Das ist unverantwortlich. Wir brauchen jetzt eine klare Linie.“

Corona-Schutzausrüstung fehlt

Aktuell führt die Praxis noch viele Routinekontrollen und Prophylaxebehandlungen durch. Aber die Corona-Krise ist auch in der Zahnarztpraxis spürbar. Die Hälfte der Patienten sagt von sich aus die Termine ab. Der Zahnarzt bittet bereits jetzt ältere Patienten, Kontrollen zu verschieben. „Zudem machen wir hier alles für die Hygiene“, betont Peter N.. Zudem achte die Praxis darauf, dass im Wartezimmer nicht mehrere Patienten sitzen.

Ob ein Patient mit dem Coronavirus infiziert ist, sei ohnehin schwer zu erkennen. Beim Einsatz rotierender Instrumente wie Bohrer entstehen sogenannte Aerosole. „Das ist ein feiner Wassernebel, der sich etwa eineinhalb Meter verteilt – und der mit Viren getränkt sein kann“, sagt er. Das stelle also eine Gefahr für alle im Raum da – für Zahnmedizinische Fachangestellte und für den Zahnarzt.

Dann fehlt den meisten Zahnärzten noch die passende Corona-Schutzausrüstung. Während andere Ärzte in Ganzkörperanzügen und mit speziellen Gesichtsmasken ihre Patienten behandeln, hätten die Zahnärzte nur den üblichen Mundschutz.

Beschaffung der Schutzausrüstung ist Herausforderung

Die KZVWL geht nicht direkt auf die Kritik ein, sondern verweist darauf, dass man mit einem Schreiben an die Mitglieder auf die Corona-Krise reagiert habe. „Wir haben die gesetzliche Pflicht, die zahnärztliche Gesundheitsversorgung zu sichern“, heißt es darin. Es obliege aber den Zahnärzten, „nach Abklärung aller Risiken zu entscheiden, ob eine Behandlung unter den vorherrschenden Gegebenheiten durchgeführt oder aufgeschoben werden soll“. Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe rät sogar: „Behandeln Sie nur die Patienten, deren Behandlung nicht aufzuschieben ist.“

Die Beschaffung der Schutzausrüstung sei „aktuell eine Herausforderung“, teilte die KZVWL mit. Das Bundesgesundheitsministerium habe bereits den Auftrag erteilt, Schutzausrüstung zu beschaffen, die dem „durchschnittlichen Monatsverbrauch in deutschen Zahnarztpraxen“ entspreche.

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