Kita-Alltag in der Coronakrise
Kaum Kinder im Haus, aber trotzdem viel Arbeit

Gronau -

Wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind nun seit zweieinhalb Wochen die Schulen und Kitas geschlossen. Doch die Erzieherinnen arbeiten weiter – viele von ihnen im Homeoffice. Wie das geht und welche Arbeiten anfallen, wenn die Kinderbetreuung wegfällt, berichtet Kita-Leiterin Birgit Hüsing-Hackfort.

Donnerstag, 02.04.2020, 08:03 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 08:10 Uhr
In der Kita ist nur eine Notbesetzung präsent – die übrigen Kolleginnen arbeiten im Homeoffice.
In der Kita ist nur eine Notbesetzung präsent – die übrigen Kolleginnen arbeiten im Homeoffice. Foto: DRK-Kita Zum Regenborgenland

Ausgerechnet an einem Freitag dem 13. verkündete Ministerpräsident Armin Laschet , dass sich der Alltag für Millionen von Menschen in Nordrhein-Westfalen quasi übers Wochenende massiv verändern würde. Durch die Schließung von Schulen, Kitas und Tagesbetreuung besonders betroffen: Familien mit Kindern.

Birgit Hüsing-Hackfort , Leiterin der DRK-Kita Zum Regenbogenland, schildert für die WN, wie sich die Situation für das Kita-Personal anfühlt, was Erzieherinnen im Homeoffice zu tun haben, wie trotz der Ausnahmesituation ein bisschen Alltag eingekehrt ist und sich sogar positive Aspekte am sogenannten Lockdown finden lassen.

Maßnahmen der NRW-Landesregierung

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  • Die Bundesregierung und die Länder haben sich am Sonntag (22. März) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 20. April.

    Foto: dpa
  • Schulen und Kitas geschlossen

    Bereits seit Montag (16.3.) sind die Schulen in NRW geschlossen. Die Lehrer blieben im Dienst, zur Vorbereitung von Abschlussarbeiten etwa oder um digitale Unterrichtsformen durchzuführen.

    Ebenso dürfen Kinder bis zum schulpflichtigen Alter seit Montag nicht mehr in Kitas gebracht werden. Kinder sollten nicht bei Großeltern untergebracht werden.

    Für die Kinder des Personals, das zur Bewältigung der Krise notwendig sei, gibt es besondere Betreuungsangebote.

    Foto: Caroline Seidel
  • Geschäfte und Läden werden geschlossen.

    In Nordrhein-Westfalen sind seit Mittwoch (18.3.) alle Geschäfte und Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen. Supermärkte, Wochenmärkte, Apotheken, Drogerien, Baumärkte, Großmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Zeitschriftenhandel und Friseure zum Beispiel bleiben auf. Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden. Aber alle großen Supermarktketten wollen vorerst bei ihren Öffnungszeiten bleiben und nicht sonntags öffnen.

    Foto: dpa
  • Spielplätze

    Alle Spiel- und Bolzplätze sind gesperrt. "Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen", mahnte NRW-Familienminister Stamp.

    Foto: dpa
  • Gastronomie

    Restaurants,Bars, Cafés, Kneipen und Amüsier-Etablissements müssen ganz schließen. Nur Lieferung oder Abholung sind noch möglich.

    Foto: dpa
  • Tourismus

    Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Reisebusreisen sind verboten.

    Foto: dpa
  • ÖPNV wird eingeschränkt:

    Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird wegen der Corona-Krise eingeschränkt. Bahn und Busse fahren vielerorts nur noch nach dem Ferien-Fahrplan. Es wird empfohlen, nur noch in dringenden Fällen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Fahrkarten-Kontrollen werden nicht mehr durchgeführt.

    Die Stadtwerke Münster bitten  alle Fahrgäste, in den Stadtbussen bis auf Weiteres nur die hinteren Türen für den Ein- und Ausstieg zu nutzen. Die erste Tür direkt bei der Fahrerin oder beim Fahrer bleibt vorsorglich geschlossen, im Bus werden keine Tickets mehr verkauft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Freizeit

    Per Erlass der Landesregierung sind Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, dazu gehören auch alle Konzerte oder Aufführungen.

    Kultureinrichtungen wie Ausstellungen und Kinos sind geschlossen. Auch Tier- und Freizeitparks müssen den Betrieb einstellen, gleiches gilt für Sportanlagen.

    Foto: Matthias Ahlke2
  • Sportbetrieb eingestellt

    Keine Spiele, kein Training. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder dürfen nicht mehr öffnen. Der Sport in NRW steht komplett still.

    Foto: imago-images
  • Gottesdienste abgesagt:

    Es dürfen ab sofort keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Alle religiösen Veranstaltungen müssen bis auf Weiteres abgesagt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Sommersemester-Start an NRW-Hochschulen verschoben:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird auch der Start des Sommersemesters an den nordrhein-westfälischen Hochschulen vorerst bis zum 20. April, dem Ende der Osterferien, verschoben.

    Ursprünglich sollte das Sommersemester an den Fachhochschulen am 23. März und an den Universitäten am 6. April beginnen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Operationen verschieben:

    Alle nicht zwingend nötigen Operationen in NRW sollen wegen der Coronakrise auf absehbare Zeit verschoben werden. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

    Foto: Georg Wendt
  • Keine Besuche mehr in Pflege- und Altenheimen in NRW:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, sagte Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Am 13. März wurden alle Kitas per E-Mail informiert, dass am 16. und 17. März (Montag und Dienstag) eine Betreuung der Kinder in der Kita zwar noch möglich ist, aber ab dem 18. März (Mittwoch) nur noch Kinder von Eltern betreut werden, wenn beide Elternteile nachweislich in Schlüsselpositionen, sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind.   

Elternbedarfe übers Internet erfragen

In dieser ersten Corona-Woche hatte das DRK-Familienzentrum Zum Regenbogenland nur drei Kinder an drei Tagen zu betreuen und nutzte die Zeit, um die Kita und auch das Außengelände komplett auf Vordermann zu bringen. Es wurde geputzt, desinfiziert, aufgeräumt, sortiert, entsorgt und viel vorbereitet.

Neun Mitarbeiterinnen, drei Praktikanten und zwei Reinigungskräfte waren im Einsatz. Auch die Möglichkeit, Resturlaub aus dem vergangenen Jahr und angesammelte Überstunden abzubauen, nahmen die Mitarbeiterinnen nach einvernehmlicher Absprache gerne wahr.

Kurze Zeit später wurde vom Land NRW auch die Betreuung der Kinder in der Kita ermöglicht, wenn nur ein Elternteil in einer Schlüsselposition tätig ist. Bedarfsabfragen und Bescheinigungen zur Unabkömmlichkeit des Arbeitnehmers mussten zügig von der Kita-Leitung an die Eltern geschickt und von diesen ausgefüllt und zurückgesandt werden.

Im digitalen Zeitalter war es möglich, die meisten Elternbedarfe über das Internet abzufragen. Mittlerweile werden die Daten der betreuten Kinder wöchentlich an das Gronauer Jugendamt und täglich an das Land NRW gemeldet. An der Befragung im Netz nehmen inzwischen 79 Prozent der Kitas in NRW teil.

Vielfältige Homeofficeaufgaben

In der zweiten Corona-Woche betreute das DRK- Familienzentrum vier Kinder von zwei Familien, in denen ein Elternteil in einer Schlüsselposition tätig ist – und das auch nur während der tatsächlichen Arbeitszeit. „Wir haben sieben weitere Familien, die unter die Schlüsselpositionsregelung fallen, die jedoch die Betreuung ihrer Kinder privat organisieren und bislang das Angebot nur in einer Notsituation nutzen möchten“, berichtet Birgit Hüsing-Hackfort.

Für das Kita-Team wurde von Tag eins bis zu den Osterferien ein dreiwöchiger Arbeitsplan erstellt. In dieser Zeit bilden immer zwei Kräfte und die Leitung das Betreuungsteam in der Kita, und der Rest des Teams ist nun im Homeoffice tätig.

Die Homeofficeaufgaben einer Erzieherin sind vielfältig: Zwei Mitarbeiterinnen übernahmen das Basteln der Geburtstagskalender und der dazugehörigen 45 Geburtstagshütchen, eine weitere Mitarbeiterin kümmerte sich um das Schultüten-Basteln und entwarf vier neue Schultüten (Elsa, Einhorn, Fußball und DRK-Schultüte). Die Vorlagen wurden ins Netz hochgeladen, und die Eltern und Kinder konnten sich online ihre Schultüte aussuchen. Als zertifiziertes Haus der kleinen Forscher, das sich den Schwerpunkt des Experimentierens auf die Fahne geschrieben hat, nutzten sieben Mitarbeiterinnen die Online-Fortbildungen des Hauses der Kleinen Forscher, nahmen an insgesamt 45 Kursen teil – zu Themen wie „Schwimmen und Sinken“, „Energie im Körper“ oder „Wind“ – und erhielten per E-Mail ihre Teilnahmebescheinigungen. Eine Fortbildung zur Re-Zertifizierung zum Familienzentrum NRW in Neuss wurde abgesagt und wird nun von der Leitung am Donnerstag als Webseminar „besucht“.

Erzieherinnen nicht von Kurzarbeit betroffen

Die Sprachförderkraft und die Integrationskraft bilden sich im Homeoffice intensiv weiter, indem sie Fachliteratur lesen. Die Leitung ist mit den Vorbereitungen für das neue Kindergartenjahr 2020/21 beschäftigt. Neue Listen, Elterninfomappen sowie Wochen- und Dienstpläne werden derzeit vorbereitet.

Die Kindergartenmutter Christina Halfer hatte die tolle Idee, über Facebook eine Möglichkeit zu schaffen, dass sich die Familien und Kinder aus dem Regenbogenland mit Fotos austauschen und grüßen können. Diese Plattform ermöglicht es den Kindern, ihre Freunde zu sehen, miteinander zu sprechen oder auch Bastel- und Spielideen zu bekommen. Eine Möglichkeit, die sehr gut genutzt wird.

Auch in der dritten Corona-Woche bis Gründonnerstag sind noch Kinder im DRK-Familienzentrum zur Betreuung angemeldet. Für die Ferienwoche nach Ostern wurden bislang keine Betreuungsbedarfe gemeldet. Wie nach den Ferien verfahren wird, diese Entscheidung des Landes muss abgewartet werden.

Die Erzieherinnen sind sehr froh, zu der Berufsgruppe zu gehören, die nicht von Kurzarbeit betroffen ist. Das Land NRW hat die Weiterzahlung der Kibiz-Mittel bereits zugesagt. Für die Erzieherinnen der DRK-Kita ist es selbstverständlich, dass sie einer Arbeitsverpflichtung unterliegen. All die Sachen, die in der Kita im Alltag oft zu kurz kommen, konnten nun in Ruhe abgearbeitet werden, ist sich das Team einig. Denn es gibt ja auch eine Zeit nach Corona, in der sich die Erzieherinnen wieder stressfrei um die Kinder kümmern möchten . . .

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