Corona-Krise
Das Münsterland näht Mundschutz-Masken

Münsterland -

Eigentlich trennt das Coronavirus die Menschen – durch das Kontaktverbot. Doch auf wunderbare Weise vereint es nun auch Menschen: Allerorts finden Freunde und Fremde zusammen und nähen Mundschutz-Masken. Das führt zu manch schöner Geschichte . . .

Mittwoch, 08.04.2020, 21:30 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 21:32 Uhr
Im Münsterland gibt es viele Masken-Initiativen - wie die von Heike Uphoff, Nahtwerk und Nadine Rengers (von links).
Im Münsterland gibt es viele Masken-Initiativen - wie die von Heike Uphoff, Nahtwerk und Nadine Rengers (von links). Foto: Joachim Edler, Jürgen Schroer, Jörg Homering

Es braucht schon ungewöhnliche Zeiten, damit ländliche Handarbeitskreise und international agierende Firmen am selben Strick – oder besser: Garn – ziehen. Beispiel: Schutzmasken. Sie werden immer begehrter, sind aber nach wie vor knapp. Und so vereint das Corona-Virus, nachdem es zunächst per Kontaktverbot trennte, derzeit wiederum viele Menschen – im Geiste, quasi an der Nähmaschine: Allerorten werden Masken hergestellt. Im Großen, im Kleinen, als Geschäftsmodell oder im Ehrenamt. Beispiele aus dem Münsterland – wegen der überwältigenden Vielzahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Rheine: Neben der Facebook-Gruppe „ Rheine näht gegen Corona“ mit über 200 Aktiven hat die WhatsApp-Gruppe der „Gesichtsdeko-Engel“ bereits über 50 Mitglieder. Das Ziel der Ehrenamtlichen: „Gesichtsdeko“ für alle nähen, „die uns tagtäglich helfen und die sich schützen möchten“, wie es die Initiatorin Yvonne Eilert-Bülter erklärt. Gerichtet ist die Aktion an Einrichtungen wie Pflegeheime, Kindergärten oder Krankenhäuser. Das Besondere: die Mundschutz-Tücher sollen bunt und freundlich sein.

Salzbergen: Die Masken, die die Firma Feldhues entwickelt hat, schützen nach deren Angaben auch den Träger, nicht nur das Gegenüber: „Durch ein besonderes Herstellungsverfahren haben sie die Eigenschaft, von außen feuchtigkeitsabweisend zu sein“, sagte Geschäftsführer Udo Feldhues. Bis zu 50 000 Stück pro Tag lässt das Unternehmen täglich in Osteuropa herstellen. Vertrieb: europaweit.

Gescher: Normalerweise stellt die Firma Nahtwerk eine bunte Palette von Textilien her: Damenoberbekleidung, Utensilien für den Klettersport, wiederverwendbare Frühstücksbeutel. „Wir haben unsere Produktion komplett auf die Fertigung von Masken umgestellt“, erläutert Betriebsleiter Rolf Lemberg. Im Angebot sind zertifizierte Masken. Auch die Herstellung von Mund-Nasen-Masken für den allgemeinen Gebrauch läuft an. Nachfrage und Maschinen gibt es genug, doch dem Nahtwerk fehlt Personal. Es sucht neben Fachkräften auch Hobbynäherinnen.

Münster: Die Stadtverwaltung ruft zusammen mit den Kirchen und der Apothekerkammer zu einer Näh-Aktion auf. Dank der Unterstützung vieler Apotheken sei es möglich, ehrenamtlich genähte Mund-Nase-Masken kostenlos an die Menschen zu verteilen. Infos zu Sammel- und Ausgabestellen gibt es bei der städtischen Corona-Hotline (0251 / 492-10 77) und unter www.kirchen-in-muenster.de .

Recke: Eigentlich stellt die Lepra-Handarbeitsgruppe Recke Textilhandarbeiten für die traditionelle Herbstausstellung her. Derzeit aber entstehen in Heimarbeit Schutzmasken aus kochfestem Baumwollstoff. Verkauft werden sie für einen Euro in einer Apotheke, der Erlös geht an das Altenheim Haus St. Benedikt in Recke.

Coesfeld: Gerührt zeigte sich der Inhaber eines Pflegedienstes im Westmünsterland bei Facebook. Dort postete Günter Geuking ein Foto von Stoffmasken und schrieb: „Verwandte unserer vietnamesischen Auszubildenden haben die für uns hergestellt und wollen uns die jetzt zuschicken. Ich bin sehr dankbar, beeindruckt und tief berührt über die Kräfte, die in dieser schweren Zeit frei gesetzt werden ... über die Liebe und die Fürsorge unter den Menschen.“

Neuenkirchen: Die meisten kannten sich vorher nicht, jetzt nähen sie vereint: Über 30 Frauen haben sich via soziale Netzwerke gefunden und nähen nun für Berufsgruppen, die in normalen Zeiten keinen Mundschutz brauchen: Physio-Therapeuten etwa, Pflegedienste und Arzthelferinnen. „Live gesehen haben wir uns noch nicht“, sagt Initiatorin Nadine Rengers.

Warendorf: Fast wie einen Drive-in-Schalter hat Heike Uphoff die Ausgabe der Mundschutzmasken organisiert, die sie privat näht. Die Nachfrage ist riesig, die Menschen stehen Schlange vor ihrem Haus. „Ich habe schon über einen Automaten nachgedacht“, lacht sie. Der Warenwert beträgt 3,50 Euro, darüber hinaus bittet sie um eine Spende für einen guten Zweck.

Wettringen: Die Firma „Bolan Home Fashion“ hat den Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums zur Lieferung von zwei Maskentypen erhalten: dreilagige OP-Masken und FFP2-Masken. Parallel produziert die Firma unter anderem auch für den Kreis Steinfurt. Die Masken werden in China hergestellt und dann eingeflogen. Die Firma stellt die Lieferung bis zu bestimmten Flughäfen in China sicher, der Bund übernimmt die weitere Logistik.

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