Mordprozess am Landgericht Münster
Mutter starb im Brunnen - Angeklagter schweigt zunächst

Weil er seine Mutter aus Habgier in einem Brunnen ertränkt haben soll, steht ein 55-Jähriger vor dem Landgericht in Münster. In der Vergangenheit stand der Angeklagte schon mehrfach mit Familienmitgliedern in Rechtsstreitigkeiten. 

Mittwoch, 15.04.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 15.04.2020, 20:13 Uhr
Mordprozess am Landgericht Münster: Mutter starb im Brunnen - Angeklagter schweigt zunächst
Anwalt Carsten Ernst (links) erklärte am Rande des Prozesses: „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe.“ Foto: dpa

"Tötung der eigenen Mutter aus Habgier“: Mit diesem Vorwurf der Staatsanwaltschaft eröffnete am Mittwochnachmittag die Schwurgerichtskammer am Landgericht Münster das Verfahren gegen einen 55-jährigen Mann aus Neuenkirchen. Der Angeklagte soll seine Mutter in einem Brunnen ertränkt haben. Er saß wegen dieses Tatvorwurfs seit dem 15. Oktober 2019 in Untersuchungshaft.

Als er den Gerichtssaal betrat, verbarg er sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Sein Bruder und seine Schwester treten im Mordprozess als Nebenkläger auf, waren aber beim Auftakt nicht anwesend.

Mehrere Schläge gegen den Kopf

Der 55-Jährige soll – so die Anklage der Staats­anwaltschaft – seine 79-jährige Mutter am Abend des 25. Juni 2019 in dem über zwei Meter tiefen Wasserschacht eines Brunnens auf dem elterlichen Anwesen ertränkt haben. Zuvor habe er ein Gespräch zwischen seiner Mutter, ihrer Schwester und Schwägerin belauscht, bei dem er von einem Notar-Termin am 26. Juni mit seiner Enterbung erfahren habe. „Am selben Abend nach 20.40 Uhr hat er sich entschlossen, seine Mutter zu töten“, warf der Staatsanwalt ihm vor. Er soll sie mit mehreren Schlägen gegen den Kopf attackiert und anschließend mit einem Gurt, den er am Rücken der Mutter verknotet habe, am oberen Ende einer Leiter festgebunden und in den Brunnen hinabgelassen haben, um sie später unbemerkt vom Grundstück wegzuschaffen. Die Anklage geht von Habgier als Tatmotiv aus.

Die Richterin wendete sich nach der Anklageverlesung an die Verteidiger Carsten Ernst und Detlev Binder, um zu klären, ob der Angeklagte zu dem Tatvorwurf eine Aussage machen will. „Derzeit wird sich mein Mandant nicht dazu einlassen, aber eventuell zu einem späteren Zeitpunkt“, antwortete Ernst. Er wies darauf hin, dass sein Mandant dazu Akten mit Bilanzen aus seinem Büro in Neuenkirchen bräuchte, das immer noch versiegelt sei.

Verhandlungstage bis Ende Juni

Der Anwalt erklärte auch, dass es aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen nur wenige Möglichkeiten gegeben habe, miteinander zu sprechen. „Sie sehen ja, dass mein Mandant Diskussionsbedarf hat“, sagte er. Damit bezog er sich auf das relativ ausführ­liche Gespräch, das der Angeklagte mit ihm im Gerichtssaal geführt hatte. Am Rande des Prozesses sagte Anwalt Carsten Ernst später noch: „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe.“

In der Vergangenheit stand der Angeklagte schon mehrfach mit Familienmitgliedern in Rechtsstreitigkeiten. Zuletzt wurde der Angeklagte am 7. Mai 2019 wegen Körperverletzung an seiner Lebensgefährtin und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte am Amtsgericht Rheine zu fünf Monaten mit Bewährung verurteilt. Dabei stand er wegen fünf Fahrten ohne Führerschein noch mit einem Jahr unter einer verlängerten Bewährung. „Eine dritte Bewährung wird es nicht geben“, hatte die Richterin damals in der Urteilsbegründung gesagt.

Zwischenzeitlich hatte er im September 2017 einen Strafbefehl wegen gefähr­licher Körperverletzung mit Würgegriffen an seiner Tante erhalten, gegen den er Widerspruch einlegte und freigesprochen wurde. Seine Tante war nicht bereit, ein zweites Mal gegen ihn auszusagen mit der Begründung: „Er kommt doch sowieso mit allem durch. Sein Grinsen ertrage ich nicht mehr.“

Für den nun gestarteten Prozess sind bisher Verhandlungstage bis Ende Juni terminiert.

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