Corona-Fälle in Großschlachterei
Kreis Coesfeld wird Pandemie-Hotspot

Coesfeld -

Der Corona-Ausbruch in der Großschlachterei Westfleisch in Coesfeld nimmt weitere Ausmaße an: Inzwischen sind nach Angaben des Kreises Coesfeld 129 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Freitag, 08.05.2020, 13:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 18:18 Uhr
Corona-Fälle in Großschlachterei: Kreis Coesfeld wird Pandemie-Hotspot
Nach Angaben des Kreises Coesfeld sind immer mehr Mitarbeiter der Großschlachterei Westfleisch positiv auf das Coronavirus getestet. Foto: dpa

Der Kreis Coesfeld ist durch den Co­rona-Ausbruch bei dem Großschlachter Westfleisch in Coesfeld auf dem Weg, zu einem Hotspot der Pan­demie zu werden. Am Donnerstag meldete das Kreis­gesundheitsamt 676 Menschen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. 148 mehr als vergangenen Samstag, dem Tag vor dem Ausbruch bei Westfleisch. Bis dahin waren die Zahlen unauffällig, sie stagnierten sogar. 

Allein 129 Neuinfizierte ar­beiten bei Westfleisch. Wird erneut die Reißleine gezogen? „Natürlich ist die Sorge in der Bevölkerung groß“, weiß Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Gibt es in einer Woche mehr als 50 neue Fälle pro 100 000 Einwohner, droht erneut ein Lockdown. Der Kreis wartet auf die Verordnung, die Näheres regelt, und hofft, dass für klar abzugrenzende, auf eine bestimmte Quelle zurückzuführende Ausbrüche Ausnahmen gelten. So wie es bei einem Ausbruch in einem Altenheim geregelt werden soll. „Abgesehen von dem Ausbruch bei Westfleisch waren die Zahlen zu den Neuansteckungen in der Bevölkerung des Kreises in den letzten Tagen stagnierend oder leicht rückläufig“, sagt Pellengahr.

Am Vormittag habe Westfleisch noch „deutlich gemacht, den Produktionsbetrieb vorübergehend einstellen zu müssen“, so Schulze Pellengahr. Am frühen Abend hieß es dann, es solle eingeschränkt weitergehen.

SPD und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) bezeichnen in einem Schreiben an NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann die Situation als einen „gesundheitspolitischen Skandal“. Die Grünen haben Fragen zur Unterbringung und den Kontrollen; Tierschützer fordern die Schließung des Schlacht­betriebs mit 1200 Mitarbeitern in Coesfeld. Laumann kündigt inzwischen an, dass der Arbeitsschutz landesweit die Unterkünfte von Saisonarbeitern in der Landwirtschaft und in der Fleischindustrie verstärkt überprüfen wird.

Westfleisch selber verweist auf umfangreiche Hygienevorkehrungen. „Wir ergriffen schon vor mehreren Wochen eine Reihe von Maßnahmen, um die Mitarbeiter im betrieblichen Umfeld bestmöglich zu schützen“, sagt Unternehmenssprecher Philipp Ley. Sogar Fiebermessungen am Werkstor gibt es bereits.

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