Corona-Ausbruch bei Westfleisch
Tests und Vorwürfe: „Kein Freibrief zum Schludern“

Coesfeld/ Rheda-Wiedenbrück -

In NRW werden bis zu 20.000 Mitarbeiter der fleischverarbeitenden Branche auf Coronavirus untersucht. Während sich die Kreise einen Überblick über die Unterkünfte der Arbeiter verschaffen, kritisiert die CDU in Coesfeld Westfleisch scharf.

Montag, 11.05.2020, 21:10 Uhr
Auf dem Gelände von Westfleisch in Hamm warten Mitarbeiter darauf, einen Test abgeben zu können. Foto: dpa
Auf dem Gelände von Westfleisch in Hamm warten Mitarbeiter darauf, einen Test abgeben zu können. Foto: dpa

Nach dem Corona-Ausbruch bei Westfleisch mit inzwischen 254 bestätigten Fällen werden alle Beschäftigten in der NRW-Schlachthöfen auf das Coronavirus getestet. Bei Deutschlands größtem Fleischverarbeiter Tönnies steht seit Montagmittag ein Testzentrum auf dem Betriebsgelände in Rheda-Wiedenbrück, wie ein Unternehmenssprecher sagte. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef-Laumann ( CDU ) hat berichtet, dass landesweit bis zu 20.000 Mitarbeiter der Branche auf das Virus untersucht werden müssen.

Der CDU-Abgeordnete Marc Henrichmann aus dem Kreis Coesfeld kritisiert den Westfleisch-Konzern scharf. Das Unternehmen gelte zwar als systemrelevant, „doch das ist kein Freibrief, um bei den Schutzmaßnahmen gegen eine Corona-Ausbreitung zu schludern“, erklärte der CDU-Politiker in einer Pressemitteilung. Die Folgen trügen die Mitarbeiter und durch die verschobenen Lockerungen auch die Menschen und Unternehmen im ganzen Kreis Coesfeld. „Wegen eines Unternehmens gilt ein gesamter Kreis plötzlich als Hotspot der Pandemie“, kritisiert er. Er fragte, ob Westfleisch nicht auch finanzielle Verantwortung übernehmen müsse. Immerhin habe das Unternehmen für 2019 einen Rekordumsatz gemeldet und dabei mehr als zehn Millionen Euro Jahresüberschuss erwirtschaftet.

Laumann fordert schlüssiges Hygienekonzept

Die Kreise verschaffen sich zurzeit einen Überblick über die Unterkünfte der Arbeiter aus den Schlachthöfen. Allein der Coesfelder Nachbarkreis Steinfurt geht davon aus, dass es bei ihm mehr als 100 solche Wohnungen gibt, wie eine Sprecherin sagte. In diesen Unterkünften unterschiedlicher Größe lebten aber nicht nur Beschäftigte aus Schlachthöfen, sondern auch aus anderen Betrieben. Insgesamt müssten allein in dem Kreis nach jetzigem Stand 2500 bis 3000 Menschen getestet werden.

Der Kreis Borken nimmt nach eigenen Angaben ebenfalls das Arbeits- und Wohnumfeld der Schlachthöfe im Kreisgebiet in den Blick. Dabei seien mehrere Hundert Beschäftigte von drei fleischverarbeitenden Unternehmen in Schöppingen getestet worden, dabei wurden Corona-Infektionen bei 34 Beschäftigten nachgewiesen. Zusätzlich ist bei 18 Westfleisch-Mitarbeitern, die im Kreis Borken leben, eine Coronavirus-Infektion nachgewiesen worden.

Schweinemäster befürchten Preisverfall

Am Sonntag hatten Tests auch in einem Westfleisch-Betrieb in Hamm begonnen. Ergebnisse werden nicht vor Mittwoch erwartet.

Minister Laumann forderte von Schlachthofbetreibern ein schlüssiges Hygienekonzept. Dabei gehe es nicht allein um den Betrieb, sondern auch um die Wohnsituation der Arbeiter und um den Transport von der Wohnung zum Schlachthof, sagte er. Das Verschieben von Verantwortung auf Subunternehmer sei inakzeptabel. Statt sich damit zu beschäftigen, wie Schlachthof-Schließungen nach Corona-Infektionen vor Gericht kassiert werden könnten, sollten sich die Schlachthofbetreiber lieber mit Hygiene-Konzepten beschäftigen, unterstrich der Minister.

NRW-Schweinemäster befürchten durch die Schließung des Schlachthofes in Coesfeld Absatzprobleme und einen Preisverfall. Er erwarte von „allen Marktbeteiligten, die Preise nicht weiter zu drücken“, sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes Hubertus Beringmeier am Montag.

Studio-Betreiber lässt Muskeln spielen

Dirk Rabe, der das Fitness-Studio „bodyfit“ in Dülmen-Buldern betreibt, gibt sich im Internet kämpferisch. „Bei uns wird ab dem 11. Mai das Training wieder losgehen. Ich halte nicht den Kopf für Behörden hin, die es bei Westfleisch verbockt haben!“ Gepostet, getan: Rabe hat am Montag einen Corona-Bereich außerhalb seines Studios abgezäunt. Dort wurden Geräte aus der Halle genommen und unter Einhaltung der Abstandsregeln aufgestellt.

Rabe sieht die kleinen Unternehmen im Kreis nicht als Schuldige für den Anstieg der Infizierten: „ Wir müssen darunter leiden, dass ein Betrieb die Hygienevorschriften nicht eingehalten hat.“ Das Ordnungsamt setzte dem Training trotzdem ein rasches Ende. Fitnessstudios zu betreiben sei derzeit verboten, egal ob draußen oder drinnen. (-mm-)

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