Eltern im Schulstress
Unterricht zu Hause bleibt noch lange Alltag

Düsseldorf -

Laut einer Online-Umfrage zum Thema Homeschooling halten viele Eltern ihre Kinder zu Hause für schlecht motiviert. Die Kinder könnten die übermittelten Aufgaben der Lehrer nicht allein bewältigen. Nachbesserungen sind gefordert.

Dienstag, 12.05.2020, 21:06 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 21:11 Uhr
Homeschooling: Kinder in NRW machen wegen der Corona-Pandemie Unterricht von Zuhause aus.
Homeschooling: Kinder in NRW machen wegen der Corona-Pandemie Unterricht von Zuhause aus. Foto: imago images/MiS

Der wochenlange Unterricht zu Hause und der nur schleppend anlaufende Schulstart sorgen bei Eltern in NRW für eine zunehmende Belastung. Dass viele Schüler absehbar nur tageweise zum Unterricht gehen können, verlängert in vielen Familien die Probleme und Konflikte beim Homeschooling: Nach einer Online-Umfrage des Elternvereins NRW gaben fast 60 Prozent der 1058 Teilnehmer an, dass ihre Kinder mit den oft nur als Wochenplan übermittelten Aufgaben der Lehrer nicht ohne Unterstützung klarkamen.

Genauso groß ist der Anteil der Kinder, die seit der Schulschließung keine Rückmeldung oder Korrektur durch die Lehrer bekommen haben. Die Vorsitzende des Elternvereins, Andrea Heck , forderte vom Land kurzfristige und machbare Konzepte für die nächsten Wochen im Heimunterricht. So kostet es offenbar viel Zeit, die Heim-Schüler zu motivieren: 30 Prozent der Eltern berichten von unmotivierten Kindern.

Diese Spannungen dürften sich noch verschärfen: Nach Einschätzung der Landeselternkonferenz (LEK) werden erst Mitte Juni alle Kinder zur Schule gehen: Weil Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) den Fokus auf die Abschlussprüflinge des kommenden Schuljahres lege, bleibe die Bildung auf der Strecke, kritisierte die LEK-Vorsitzende Anke Staar gegenüber dieser Zeitung. „Bildung besteht nicht aus Leistungsabfrage, sie soll das Interesse der Kinder wecken, sich weiterzuentwickeln.“ Die Mischform aus Präsenz- und Distanz-Unterricht werde sich weit bis ins nächste Schuljahr ziehen: „Wir müssen jetzt Konzepte entwickeln, damit diese Mischform ein Fundament erhält.“

Kommentar: Notlösungen prägen den Schulstart

Der Muttertag wäre die Gelegenheit gewesen, den Millionen von Freizeit-Lehrkräften offiziell von Regierungsseite zu danken: Sie müssen nicht nur seit gut acht Wochen ihre Kinder zum Lernen daheim motivieren und den irrigen Begriff der „Corona-Ferien“ aus der Welt und den Köpfen schaffen. Sie müssen dazu oft geduldige Erklärer in allen Fächern und Fragen sein, weil Lehrerinnen und Lehrer nur an einem Teil der Schulen digital erreichbar sind. Auch Eltern sind längst zu Helden des Alltags geworden. Dass die Kreidezeit in den Schulen jenseits von Wahlkampfversprechen noch lange nicht beendet ist, zwingt jetzt alle Beteiligten zu improvisieren, wo klare Konzepte und digitale Strukturen notwendig wären. Die Gefahr beim Improvisieren ist aber groß, dabei die falschen Schwerpunkte zu setzen, durch die aus Notlösungen schnell Bildungsnöte entstehen können. Dass Eltern jetzt lautstark klare und verlässliche Per­spektiven zumindest für den Start des nächsten Schuljahres fordern, ist berechtigt: Sie sehen täglich die Verzweiflung der Schüler, die mit der Situation zurechtkommen müssen, weil keine Alternative erkennbar ist: Die zu schaffen, muss jetzt erstes Ziel der Schulministerin sein.

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Inzwischen hat das Schulministerium didaktische Hinweise für das Lernen auf Distanz bereitgestellt. Ab Mittwoch können die ersten 500 Lehrkräfte dazu in Video-Workshops von den Autoren lernen. „Uns ist bewusst, dass die Organisation des Lernens auf Distanz die Lehrkräfte vor einige noch nie da gewesene Herausforderungen stellt“, erkannte Gebauer an.

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